Lokales

Hohe Belastung durch Einsparungen

Sparen wird in Kirchheim ernst genommen, das wurde nun auch vom Bund der Steuerzahler bestätigt. In der Kategorie der Städte zwischen 30 001 und 40 000 Einwohnern liegt die Teckstadt beim Blick auf die kostenrelevante Personalintensität mit deutlichem Vorsprung zum "Verfolgerfeld" auf dem ersten Platz.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Eine Einwohnerzahl von 39 681 zum 30. Juni 2003 wurde vom Bund der Steuerzahler als Berechnungsgrundlage für den Vergleich der Personalausstattung der Gemeinden in Baden-Württemberg herangezogen. Dieser Zahl stehen in der Teckstadt 276 Personen in der Verwaltung (ohne Kindergärten) und in den Eigenbetrieben der Stadt gegenüber. Die daraus errechnete Personalintensität wird mit einem Vergleichswert von 6,95 angegeben.

In der Liste der Städte vergleichbarer Größe folgen Backnang mit 8,21, Ostfildern mit 8,97, Schwäbisch Hall mit 9,07, Sinsheim mit 9,11 und Herrenberg mit 9,16. Am Ende der Kategorie 30 001 bis 40 000 Einwohner rangieren Kehl (11,49), Balingen (11,55) und Biberach / Riss (12,73).

Auch wenn in der Veröffentlichung des Bundes der Steuerzahler deutlich gemacht wird, dass die Platzierung alleine nicht automatisch bedeute, dass eine Gemeinde tatsächlich auch eine gute weil sparsame Personalpolitik betreibe, solle doch mit der jährlich veröffentlichten Übersicht dazu angeregt werden, die Ausgabenseite im Blick auf Einsparmöglichkeiten kritisch zu überprüfen.

Um einen Vergleich der Personalausstattung unterschiedlicher Gemeinden im Land zu ermöglichen, werden vom Bund der Steuerzahler daher die Beschäftigungszahlen in so genannte "Vollzeitäquivalente" umgerechnet. Dazu werden Voll- und Teilzeitbeschäftigte unter Berücksichtigung ihres tatsächlichen Arbeitsfaktors summiert. Als besonders aufschlussreich wird dabei die Vergleichszahl der Personalintensität gehalten, also das Verhältnis der Vollzeitäquivalente in Bezug zur Einwohnerzahl. Diese auf je 1 000 Einwohner umgerechnete Zahl kann herangezogen werden, um zu ermitteln, ob in einer Kommune vielleicht doch ein zu großer Personalapparat vorgehalten wird.

Die Personalkosten spielen eine ganz entscheidende Rolle, wenn es angesichts knapper Kassen darum geht, sich Handlungsspielräume zu erhalten. Über 45 Prozent des Verwaltungshaushalts würden inzwischen im Durchschnitt für Personalkosten und die damit zusammenhängenden Sachausgaben aufgebracht, stellt der Bund der Steuerzahler dazu fest. Dass in Kirchheim andere Verhältnisse herrschen, freut Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker. Im Entwurf des Haushalts für das Jahr 2005, der heute in öffentlicher Sitzung eingebracht wird, beträgt der Anteil der Personalkosten am Verwaltungshaushalt 23,46 Prozent. Einerseits ist sie zwar froh darüber, dass von objektiver Stelle von außen die knappe Personalpolitik der Stadt bestätigt wird. Andererseits ist ihr aber auch bewusst, dass diese pekuniäre Entlastung gleichzeitig mit einer großen Belastung der Mitarbeiterschaft erkauft wird.

Trotz aller Bemühungen um Haushaltskonsolidierung dürfe nicht vergessen werden, dass die Stadt auch ein Dienstleister sei und die Bürger zurecht erwarten, dass ihre Anliegen auch zeitnah bearbeitet werden. Zurzeit werde daher beispielsweise geprüft, ob die Öffnungszeiten des Bürgeramtes weiter ausgedehnt werden können, um künftig möglicherweise auch an Samstagen für die Anliegen der Bürger da zu sein.