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Hohe Qualität: "Wir verbessern den Täleswein"

Der diesjährige Sommer muss besser gewesen sein als sein Ruf. So zumindest sehen es die Weilheimer Weingärtner: Bei der traditionellen Weinbergbegehung an der Limburg zeigten sie sich schon vor Beginn der Hauptlese durchaus zufrieden mit der Ertragsmenge und den Öchslegraden.

ANDREAS VOLZ

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WEILHEIM Begonnen hatte des Weinjahr 2005 nahezu optimal. Wengerter Werner Kauderer geriet gestern nachgerade ins Schwärmen: "Der Austrieb war gut, es ist nichts erfroren. Die Blüte war ganz hervorragend. Wir hatten Temperaturen um die 30 Grad und nur Sonne." Mitte Juli hat dann das schlechte Wetter begonnen. Von da an bis jetzt sei in nur zweieinhalb Monaten die halbe Jahresdurchschnittsmenge an Regen gefallen. "Die Trauben sind nicht mehr abgetrocknet, vor allem von innen heraus", wusste der Weilheimer Winzer über die Auswirkungen des Regenwetters zu berichten. "Der Stock ist an der Innenseite nicht mehr durchlüftet worden. Viele Trauben sind verfault schade." Trotzdem gebe es im Weinbau keinen so radikalen Ernteausfall wie beim Obstbau zu verzeichnen.

Die ersten Rebsorten wurden schon am 20. September geschnitten. Der Müller-Thurgau ist bereits komplett unter Dach und Fach. Mit rund 4 500 Kilogramm gehört der Ertrag zwar nicht zu den üppigsten der vergangenen 15 Jahre, dafür hat des Regenwetter die frühe Sorte Müller-Thurgau aber auch "am ärgsten geschlaucht", wie Werner Kauderer gestern erläuterte. Er klagte über die vielen aufgeplatzten Beeren und essigstichigen Trauben. Die Öchslegrade immerhin entsprachen mit 73,7 den Werten der 90er-Jahre von einem Spitzenjahr wie 2003 abgesehen, als das Refraktometer beim Müller-Thurgau durchschnittlich 90,5 Öchsle anzeigte. Kurt Bög, Vorsitzender des Weilheimer Vereins der Weinbergbesitzer, ergänzte zum Thema Müller-Thurgau: "Während der Reife haben ihn viele Wespen angestochen, und dann kam der Regen dazu." Dadurch seien sehr viele Beeren verfault bis zu 50 Prozent.

Etwas Positives konnte dann wiederum Werner Kauderer vermelden: Die Vorstandschaft der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck habe die Qualität der Weilheimer Trauben ausdrücklich gelobt. Der langjährige Weilheimer Amtsbote schloss daraus: "Wir verbessern den Täleswein." Werner Kauderer nannte aber auch den Grund, warum er und die anderen Weingärtner, die ihrem Hobby an der Limburg und am Egelsberg nachgehen, die entsprechend hohe Qualität bieten können: "Wir kennen fast jeden Stock." Das wiederum könne man von jemandem, der fünf oder sechs Hektar Weinanbaufläche zu versorgen hat, nicht verlangen.

Während der Wein normalerweise erst im gekelterten und vergorenen Zustand Fantasie und Philosophie beflügelt, beginnt der echte Weingärtner schon während der einzelnen Wachstumsphasen zu philosophieren. So sagte Werner Kauderer gestern gleichnishaft: "Mit den Stöcken ist es wie mit den Leuten. Den einen kann man mehr belasten, den anderen weniger." Dasselbe gilt auch für die Rebsorten. Der Kerner etwa war unter den diesjährigen Bedingungen am meisten zu belasten. "Er hat den Regen am besten überstanden", diagnostizierte Kauderer und versprach angesichts stattlicher 88,5 Öchsle einen guten Kerner Kabinett 2005.

Mit der neuen Sorte "Acolon", einer Mischung aus Lemberger und Dornfelder, gab es ähnliche Schwierigkeiten wie mit dem Müller-Thurgau, weil es sich in beiden Fällen um frühe Sorten handelt. "Da haben wir ein Problem mit dem Spritzen", klärte Werner Kauderer die Gäste am Südhang der Limburg auf. Zwischen dem letzten Spritzen am 12. oder 13. August und dem Beginn der Lese sei eine Wartezeit von 35 Tagen einzuhalten. Die Lese habe sich deshalb auch nicht vorverlegen lassen. Mit den Fungiziden sind die Weilheimer Wengerter ab Ende April / Anfang Mai alle zwölf bis 14 Tage zugange, in der Regel zischen acht und zehn mal im Jahr. Das ist vor allem auch von der Witterung abhängig: Je stärker es regnet, desto schneller werden die Schutzmittel gegen Mehltau und andere Pilzkrankheiten abgewaschen.

Die Arbeit der Weilheimer Weinbauern würdigte Bürgermeister Hermann Bauer bei der gestrigen Begehung explizit. Die Wengerter würden mit Überzeugung, Idealismus und Freude ans Werk gehen und damit auch der Stadt am Fuß der Limburg einen wichtigen Dienst erweisen: "Weilheim darf sich weiterhin Weinbaugemeinde nennen." Das Besondere an diesem Prädikat zeigt allein die Tatsache auf, dass Weilheim schon seit langer Zeit die einzige Kommune im ehemaligen Oberamt Kirchheim ist, auf deren Gemarkung noch Reben reifen.

"In unserer Landschaft gereift" mit diesem Slogan setzt die Winzergenossenschaft auf das Bekenntnis zum regionalen Produkt. Dazu passt auch der neue Wein, den die Genossenschaft kreiert hat: "Gottfried von Neuffen". Der Fasswein, der ganz ohne Zuckerzusatz auskommt, trägt den behutsam modernisierten Namen des heimischen Minnesängers Gottfried von Neifen, der im 13. Jahrhundert gelebt hat. Das Etikett auf der Vorderseite zeigt Gottfrieds Bild nach der Miniatur der "Manessischen Liederhandschrift", und auf der Rückseite wird der Wein als "herzhaft und ehrlich" angepriesen "eben ein echter Schwabe, wie unser berühmter Minnesänger, der mit deftigen Liedern im Mittelalter durch das Schwabenland zog".