Lokales

Hoher Damm soll mit Pflanzen kaschiert werden

Die Realisierung des Hochwasserschutzes am Ehnisbach rückt langsam näher. In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Lenninger Gemeinderat mit den drei Planvarianten des Rückhaltebeckens.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Das Wohngebiet Stränglen in Unterlenningen soll künftig durch ein Rückhaltebecken vor Hochwasser des Ehnisbachs geschützt werden. Um dieses Vorhaben möglichst effektiv und landschaftsschonend realisieren zu können, sind umfangreiche Planungen und Vorarbeiten nötig. So wurden bodenmechanische Gutachten und hydrologische Berechnungen erstellt sowie Gespräche geführt, beispielsweise mit Naturschützern.

"Wir bewegen uns in einem hochsensiblen Bereich. Die Anlage ist zwar klein, aber schwierig", erklärte Lenningens Bürgermeister Schlecht. Jörg Koch vom Büro Wald und Corbe stellte die Beckenvarianten und die technischen Zusammenhänge vor. Die Grundlage der Volumenberechnung sind zum einen die Zahlen der angenommenen Hochwasserstände Fünfzigjähriges oder Hundertjähriges Hochwasser sowie der engste Kanaldurchmesser des Ehnisbachs. Dieser Durchlass ist eine "nahezu unumstößliche Bedingung". Da die Niederschläge laut neuer Klimamodelle immer stärker werden, will der Planer auf Nummer sicher gehen und darum die Zahlen für ein Hundertjähriges Hochwasser plus Lastfall Klimaänderung als Grundlage für seine Planung nehmen. Das würde bedeuten, dass das Becken knapp 17 000 Kubikmeter Wasser fassen muss.

Um einen optimalen Schutz für das Wohngebiet zu erhalten, muss relativ nah an die Häuser herangegangen werden, etwa 80 bis 100 Meter. In der Talaue soll deshalb quer zum Bach ein 4,85 Meter hoher Damm gebaut werden, der rund 200 Meter lang ist, nach außen hin jedoch immer mehr an Höhe verliert. Damit das Bauwerk möglichst unauffällig in der Landschaft liegt, plädierte der Planer für die "gekrümmte" Variante. Diese beschreibt an der nord-östlichen Seite einen leichten Bogen in Richtung Sattelbogen und "fällt nicht so stark auf wie ein kerzengerader Damm", so Koch.

Dass die Anlage in der Landschaft nicht auffällt, dieser Aussage des Planers schenkten jedoch nicht alle Gemeinderäte Glauben. Immerhin ist von einem knapp fünf Meter hohen Bauwerk an seiner tiefsten Stelle die Rede. Dazu kommt noch ein stabiler Betonbau, der mit einem Schieber den Durchlass der Wassermassen regelt. Ferner ist auch ein Trogbauwerk im Gespräch, das einen "geordneten" Abfluss des Wassers im Verlauf des Ehnisbaches bei einem "Mega-Hochwasser" gewährleistet. Ohne diesen großen Betontrog würden die Wassermassen unkontrolliert über die gesamte Fläche der Dammkante fluten, weshalb insbesondere Falk Kazmaier für einen Trog plädierte.

Wird eine Schottermatrix eingebaut, kann der Damm begrünt werden. Diese spezielle Asphaltschicht macht die Senkungsbewegungen des Erdreichs mit. Auf ihr kann Humus aufgebracht werden, was wiederum eine Art Magerrasen gedeihen lässt. Reine Baukosten würden bei dieser Planvariante für rund 1,1 Millionen Euro entstehen, nicht mit eingerechnet sind dabei der Grundstückserwerb und die Ausgleichsmaßnahmen.

Michael Schlecht plädierte dafür, Nägel mit Köpfen zu machen. "Das ist ein technisches Bauwerk, aber anders lässt sich Hochwasserschutz nicht verwirklichen", sagte er. Auch wenn noch so massiv gebaut werde, würde dies keinen hundertprozentigen Schutz bedeuten, gab er zu Bedenken. Ferner ist der Schultes der Ansicht, dass Hochwasserschutz Priorität vor Landschaftsschutz und Einzelinteressen hat.

Schnell kristallisierte sich bei den Räten ein Favorit heraus: die gekrümmte Variante zwei. Wolfgang Tröscher interessierte die Realisierung des Projekts. "Von null bis hundert Jahren ist alles drin", meinte Jörg Koch dazu allen Ernstes. Vieles muss bei dieser Maßnahme beachtet werden. Zum einen hat der Naturschutz ein Wörtchen mitzureden und auch der eine oder andere Grundstücksbesitzer wird nicht so ohne weiteres bereit sein, zu verkaufen, zumal bis vor geraumer Zeit die Erweiterung des Baugebiets im Gespräch war. Je weiter das Bauwerk von den Häusern entfernt geplant wird, desto mehr betrifft es das Vogelschutzgebiet und eine Genehmigung wird deshalb eher unwahrscheinlich.

Schon in seiner Haushaltsrede forderte Roland Sailer erneut die Realisierung des Hochwasserschutzes in Unterlenningen. Er war deshalb erfreut, diesen Punkt auf der Tagesordnung vorzufinden, bedauerte aber gleichzeitig, keine genauen Planunterlagen in den Händen halten zu können. Für alle Beteiligten ist es schwierig, sich dieses große Bauwerk in freier Natur vorstellen zu können ohne Modell und genauen Höheneinzeichnungen. An den Zweifeln änderten auch die Beteuerungen des Planers nicht, dass nach den Wunden in der Bauphase, keinem mehr das Rückhaltebecken auffallen würde, da es mithilfe entsprechender Bepflanzung gut kaschiert werden könnte.

Michael Schlecht erinnerte den Gemeinderat auch an die unangenehmen Seiten des Hochwasserschutzes und gab zu Bedenken, dass notfalls "ein scharfes Schwert" gezogen werden müsste, um das Rückhaltebecken bauen zu können ohne das Wort Enteignung in den Mund zu nehmen.