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Holzbau Merkle mit Brettstapelbauweise auf Erfolgskurs in Europa

Innovativer, technisch hochwertiger Holzbau kommt aus Bissingen. Dort sitzt die Firma Holzbau Merkle, die im irischen Navan bei Dublin ein fünfstöckiges Bankgebäude errichtete ganz aus Holz. Dieses Vorzeigeprojekt brachte dem schwäbischen Unternehmen nicht nur ein großes Echo in der Fachpresse, sondern auch Folgeaufträge im In- und Ausland.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Die Erfolgsstory begann mit einem viergeschossigen Mehrfamilienhaus in Massivholzbauweise, das Holzbau Merkle 1998 in Freiburg errichtete. "Das war damals Neuland," erinnert sich Geschäftsführer Rainer Merkle. Das Projekt fand unter anderem in der internationalen Architekturpresse seinen positiven Niederschlag und rief 2000 den Ökopapst der irischen Architekten, Paul Leech, auf den Plan. Er klopfte persönlich bei Merkle in Bissingen an, mit einer großen Rolle Pläne im Gepäck. Ein achtstöckiges Gebäude hatte der Planer zu Papier gebracht. Leechs Frage an Merkle: "Können Sie mir das bauen?" beantwortete der Bissinger Holzbauspezialist nach Rücksprache mit seinem Schweizer Partnerbüro Jung mit einem klaren "Ja".

Zwei Jahre lang hörte die Firma Merkle nichts mehr von Paul Leech. 2003 dann kam aus Irland das Startsignal: "Jetzt wollen wir bauen." Allerdings eine auf fünf Stockwerke (plus Technikgeschoss) abgespeckte Version. Das Bissinger Unternehmen gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die, im Gegensatz zu deutschen Gepflogenheiten, der irische Kunde bezahlte.

Nach mehreren Treffen in der Schweiz, in Dublin und Bissingen begann die Fertigungsphase. Der Auftrag wurde an Projekt Holzbau Merkle übergeben. Die Firma leitete die komplette Erstellung der Statik, Werks- und Fertigungsplanung ein. In Bissingen wurden von Mitte Juni bis Ende Juli 2003 die Bauteile als Großflächenelemente bis zu einer Größe von 3,20 auf 8 Meter vorgefertigt und von einem Weilheimer Spediteur nach Irland transportiert.

Merkle sicherte dem Bauherrn eine Montagezeit des Rohbaus von sechs Wochen zu. Verwundert rieb sich der irische Kunde die Augen, als das Gebäude innerhalb von fünf Wochen stand. Er hatte mit zwölf bis dreizehn Wochen gerechnet, da Bauherren in Irland erfahrungsgemäß die Arbeitszeit von Handwerkern verdoppeln. Deshalb kam es nach dem Errichten des Rohbaus auch zu einem achtwöchigen Stillstand.

Das fünfstöckige Gebäude, das der irischen Navan Credit Union gehört, einer Genossenschaftsbank vergleichbar mit der Volksbank, ist im britischen Raum einzigartig und ein Magnet für das Fachpublikum. Rund 800 Kubikmeter Holz wurden in dem Bankgebäude verbaut. Die Bodenplatte ist ebenso aus Holz wie die Fußböden und Decken. Selbst der Aufzugsschacht ist komplett aus Fichte errichtet. Nur die Streifenfundamente bestehen aus Beton.

Wie Rainer Merkle sagte, war die Zusammenarbeit mit dem irischen Bauherrn sehr harmonisch. Das Lob gab die Bank zurück, indem sie meinte, es wäre angenehm, wenn alle am Bau beteiligten Handwerker die Disziplin und den Fleiß des deutschen Partners hätten. Der Hintergrund: Zum Bau des abgehängten Glastreppenhauses benötigten die irischen Handwerker ebenso lange wie die Schwaben für das gesamte Gebäude.

Aus dem Irlandprojekt ergaben sich viele Kontakte. Weitere vier Aufträge auf der grünen Insel waren für Holzbau Merkle die erfreuliche Folge. Dabei handelt es sich ausnahmslos um sehr hochwertige ökologische Gebäude.

Rainer Merkle geht davon aus, dass sich die Aquisition in Irland verdreifacht. Weitere große Aufträge liegen bereits auf dem Tisch des Bissinger Holzbauunternehmers.

Durch die Auslandskontakte ergab sich ein enges Verhältnis zu einem Schweizer Ingenieurbüro. Daraus resultierten wiederum Aufträge in sehr großem Umfang. In Lausanne am Genfer See entstanden im vergangenen Jahr sieben viergeschossige Gebäude für 264 Studenten, die in einer Arbeitsgemeinschaft aus vier Holzbaubetrieben hergestellt und in einer Rekordzeit von sechseinhalb Monaten gebaut wurden.

Zeitweise waren vier Montagekolonnen damit beschäftigt, wobei die Rohbaumontage nur 19 Tage in Anspruch nahm. 1 800 Kubikmeter Holz wurden für die sieben Studentenwohnhäuser verschafft. Wie ein Schweizer Institut errechnete, wächst diese Menge rein statistisch gesehen in der Schweiz in zweieinhalb Stunden nach.

Neue Kontakte seit Ende 2004 ergaben sich mit dänischen Bauherren. Holzbau Merkle hat einen Auftrag für 38 Reihenhäuser in Dänemark in der Schublade. Die ersten zwölf davon werden in dieser Woche in Dänemark montiert.

Woher das große Interesse an dem hochwertigen, ökologischen Produkt aus Bissingen herrührt, erklärt Rainer Merkle so: "Unsere Brettstapelbauweise ist Neuland sowohl auf den englisch-irischen Inseln als auch in Skandinavien." Der Bissinger Spezialist für Brettstapelbauweise ist der größte Hersteller im Bundesgebiet und an fast allen Großprojekten dieser Art beteiligt. Dabei werden sämtliche Aufträge, die mehr als ein Fremdgewerk nach sich ziehen, von der Firma Projekt Holzbau Merkle K.o.m. GmbH koordiniert und abgewickelt. Sie fungiert als Dienstleister und Generalübernehmer.

Zurzeit ist ein sechsgeschossiges Altenheim in Berlin geplant. Die Vorgenehmigungsphase dazu ist bereits abgeschlossen und das Bissinger Unternehmen sieht einer endgültigen Baugenehmigung positiv entgegen. Es ist dies das erste sechsgeschossige Bauwerk in Massivholzbauweise in Deutschland. "Der inländische Markt ist nicht so schlecht wie sein Ruf," sagt Rainer Merkle. Auch in der Region besteht eine rege Nachfrage nach Gewerbeobjekten in Massivholzbauweise vom Handwerksbetrieb bis zum Hotelgebäude.

Mit Blick in seine Auftragsbücher sieht der Bissinger Holzbauspezialist gelassen ins nächste Jahr. Die Firma ist mindestens bis Mitte des zweiten Quartals 2006 ausgelastet. "Kommt ein Großobjekt hinzu, so haben wir bis Jahresende 2006 zu tun," sagt Geschäftsführer Rainer Merkle. Dass dies kein Luftschloss ist, zeigen Anfragen aus Weißrussland für ein Alten- und Kinderheim, aus Irland für ein Altenheim sowie verschiedene Gewerbeobjekte.

Ein Hauptstandbein sind mittlerweile verschiedene Schul- und Kinderhausprojekte speziell für Waldorfeinrichtungen. Eine weitere Säule will der Holzbauer in zeitnaher Zukunft in Irland errichten: Dort soll eine Merkle-Dependance den englischen Markt mit vorgefertigten Einzelteilen versorgen. Der Vorteil ist die Nähe zum Kunden und eine Reduzierung der immensen Transportkosten. Das Projekt wird vom Irischen Wirtschaftsministerium unterstützt.

Erfuhr das Bissinger Unternehmen bereits mit dem Bau des fünfstöckigen Bankgebäudes in Massivholzbauweise eine enorme Resonanz in der Fachwelt, so will der schwäbische Holzbauspezialist jetzt nicht nur in Berlin, sondern auch in Dänemark eins draufsetzen: Zurzeit wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet für ein sechsgeschossiges Bürogebäude in Kopenhagen.