Lokales

Holzhackschnitzel sorgen für Wärme im Schulhaus

Ganz im Zeichen alternativer Energieversorgung stand die jüngste Sitzung des Lenninger Gemeinderats. So wurde eine Holzhackschnitzelanlage am Bildungszentrum sowie eine Photovoltaik- und eine thermische Solaranlage auf der Schopflocher Gemeindehalle beschlossen. Beim Thema Ökostrom war dann allerdings "der Ofen aus".

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN Bei der Klausurtagung Anfang dieses Jahres zeichnete sich ab, dass Lenningen neue Wege bei der Energieversorgung gehen will. Ingenieure der Firma Gecon stellten in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats die Vorplanung für die Wärmeversorgung von Grundschule, Lehrerwohnungen im Heerweg, Kindergarten Tobelstraße und den Ganztagesbereich im Bildungszentrum Haus A, F und G vor. Zentral wird es im Bildungszentrum eine Holzhackschnitzelanlage mit 300 Kilowatt-Leistung und zwei Heizölkessel mit jeweils 170 Kilowatt geben. Die beiden Ölkessel übernehmen zum einen die Spitzenlast, wenn an extrem kalten Tagen die Holzhackschnitzelanlage an ihre Leistungsgrenzen stößt. Zum anderen lohnt es sich im Sommer nicht, den großen Holzkessel anzufeuern, nur um Wasser zu erwärmen. Über eine Fernleitung werden die weiter entfernt liegenden Gebäude versorgt.

Die Lenninger Gemeinderäte hatten viele Fragen an die Experten. Sie wollten nicht uninformiert in eine neue Energie-Ära eintreten, zumal die neue Technik teurer als die konventionelle ist. Ascheentsorgung und Wartungsaufwand wurde dabei ebenso angesprochen, wie die Qualität des Brennstoffes, Belastung der Anlieger, Höhe des Kamins oder die Zuverlässigkeit der Anlage. "Amortisation ist nicht gegeben. Dies ist für uns eine Pilotanlage. Es geht darum, ob wir die Energieversorgung in Zukunft auf neue Beine stellen", erklärte Bürgermeister Schlecht. Man könne nicht ständig über den Klimawandel klagen und gleichzeitig an fossilen Brennstoffen festhalten, deren Vorrat nicht ewig reiche. "Wir sollten mit dieser Anlage zunächst Erfahrungen sammeln und gleichzeitig auch eine Vorreiterrolle gegenüber den Bürgern einnehmen", warb er für die Investition, denn die Holzhackschnitzelanlage kostet rund 170 000 Euro mehr als eine Ölheizung, und verursacht Kosten nach jetzigem Planungsstand von knapp 400 000 Euro. Ob diese Technik der Weisheit letzter Schluss sei, könne niemand sagen, doch wer unabhängig von Gas oder Öl werden wolle, müsse einen Anfang wagen und das Paket Stück für Stück schnüren.

Der Vorschlag von Roland Sailer, das Pilotprojekt ohne Grundschule und Heerweg 6 auf den Weg zu schicken, fand keine Zustimmung. Bei drei Gegenstimmen entschloss sich das Gremium, der neuen Technik eine Chance zu geben, auch wenn allen klar ist, dass es einige Zeit dauert, bis sie optimal läuft und eingestellt ist.

Dem Bau einer Photovoltaikanlage auf der Gemeindehalle in Schopfloch stand die Mehrheit des Gemeinderats ebenfalls positiv gegenüber. Bei einer Enthaltung und fünf Gegenstimmen wird auch dieses Projekt realisiert. "Das passt zum Thema. Wir sollten nicht nur mit Holz heizen, sondern auch hier Vorbildfunktion übernehmen", so Michael Schlecht. Die Mehrheit des Gremiums sah es sowohl ökologisch als auch ökonomisch für sinnvoll an, die Anlage auf dem Dach zu installieren. Dies kostet etwa 135 000 Euro, wird jedoch mit einer jährlichen Vergütung von rund 13 000 Euro in den nächsten 20 Jahren subventioniert.

Hinter der thermischen Solaranlage, ebenfalls auf den Dach der Schopflocher Gemeindehalle, steht der gesamte Gemeinderat. "Das passt so schön ins Paket und ist eine sinnvolle, sich rechnende Maßnahme, die ebenfalls eine Signalwirkung nach außen hat", erklärte Michael Schlecht. Sechs Flachkollektoren und ein 800-Liter-Solarspeicher sorgen für warmes Brauchwasser, beispielsweise auch in den Duschen. Ohne jede Diskussion, dafür mit einmütigem Kopfnicken und dem Vorschlag, solch eine Anlage auch im Schulzentrum zu installieren, wurde dieser Investition in Höhe von voraussichtlich 13 000 Euro einstimmig zugestimmt.

Mit der Einmütigkeit im Ratsrund war es jedoch beim nächsten Tagesordnungspunkt wieder vorbei. Ökostrom für die Kindergärten und Schulen gibt es nicht, auch wenn dies ebenfalls ins Konzept gepasst hätte. "Ich sehe keinen Anlass dazu", erklärte Roland Sailer und Wolfgang Tröscher stimmte ihm zu. "Das erhöht nur die Aktienwerte der Energieversorger und wir können im Moment sowieso nichts an der Lage verändern", meinte Karl Boßler. Dies wollte Michael Schlecht so nicht stehen lassen. "Mir geht es darum, dass Nachfrage geschaffen wird und dann die Marktgesetze in Gang kommen", erklärte er. Zudem würden bei dem Modell, das die Stadt Ebersbach verfolgt und dem sich Lenningen anschließen könnte, keine Großkonzerne zum Zug kommen.

"Esslingen bezieht zu 30 Prozent Ökostrom und dort wird hart unter Finanzaspekten kalkuliert. Dadurch werden 417 000 Tonnen

CO2 eingespart", warb Georg Zwingmann vehement dafür, 20 Prozent des Lenninger Strombedarfs durch einen Anbieterwechsel zu beziehen. Der Verbraucher habe sehr wohl die Möglichkeit, die Energiekonzerne mit seinem Kaufverhalten dazu zu bewegen, nicht in Atomkraftwerke, sondern in erneuerbare Energien zu investieren. "Es geht um ganzheitliches Denken und darum, Signale zu setzen und es wäre ein konsequentes Weitergehen der Dinge, die wir soeben beschlossen haben", sagte er weiter. Auf breite Zustimmung stieß er damit jedoch nicht. Bei sechs Ja-Stimmen lehnte der Gemeinderat mehrheitlich die Beziehung von Ökostrom und damit verbundenen Mehrkosten von etwa 2000 Euro jährlich ab.