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Holzmadener auf Tour: Abenteuer am Zentralmassiv

Ein Sommervergnügen der besonderen Art: Auf eigene Faust mit dem Mountainbike übers Zentralmassiv. Sieben Hobbysportler der Radsportabteilung des TSV Holzmaden unternahmen dieses Abenteuer. Binnen einer Woche galt's zwischen Montan (Südtirol) und Tegernsee 320 Streckenkilometer zu bewältigen.

ANNA ROSS

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HOLZMADEN

Für die meisten Menschen beinhaltet der Begriff "Sommerurlaub" vielleicht Meer und Strand, in der Regel aber irgendeine Form von Entspannung. Nicht so für sieben wackere Hobbysportler des TSV Holzmaden. Statt all inclusive, Urlaub und Faulenzen am Strand nahmen diese sich eine Alpenüberquerung vor und zwar weder bequem per Auto noch mit dem Elefanten wie einst der karthagische Eroberer Hannibal. Nein, die eigene Beineskraft sollte die leidenschaftlichen Radfahrer auf ihren Mountainbikes über zirka 320 Kilometer vom oberbayerischen Tegernsee nach Montan in Südtirol bringen. Dabei galt es, die Zillertaler Alpen sowie die Dolomiten zu bezwingen.

Das Abenteuer begann bereits, bevor die ersten Meter im Mountainbikesattel zurückgelegt waren. Auf Grund sintflutartiger Regenfälle waren große Streckenteile auf der ersten Etappe von Tegernsee praktisch unpassierbar. So beschloss die Gruppe, einfach die Fahrtrichtung zu ändern mit dem Auto bis Montan zu fahren und von dort mit dem alpintauglichen Zweirad in sechs Etappen nach Tegernsee.

Motiviert vom Buch "Traumtouren Transalp" des Mountainbike-Gurus Ulrich Stanciu hatte sich die Holzmadener Radgruppe diese Strecke ausgesucht, die zwar anspruchsvoll, jedoch so machbar sein sollte, dass sie für die "Flachländer noch als Urlaub durchgehen würde", wie Reinhard Stumpp, Dienstältester der Gruppe, die Auswahlkriterien erläuterte. Jedoch handelt es sich bei der "Easy Rider"-Strecke keinesfalls um eine sonntägliche Spritztour. Auf der vierten Etappe von Sankt Ulrich nach Villnöss Teis beispielsweise "gab es einen Aufstieg über Geröllfelder und Skipisten mit Steigungen zwischen 20 und 30 Prozent", wie Stumpp stolz berichtete. Mitfahrerin Susanne Schmid ("ich hab jetzt noch ganz blaue Waden") stieß ins selbe Horn. An manchen Stellen mussten die Biker ihre Räder schieben oder tragen, wenn es Wurzelwege oder prekäre Behelfsbrücken zu meistern galt manchmal über mehrere Kilometer.

Die gesamte Tour war von Höhepunkten mannigfaltiger Art gekennzeichnet. So zum Beispiel geografische "Spitzen" wie etwa das Pfitscherjoch mit 2251 Metern höchster Punkt der gesamten Strecke oder die vielbesuchte Brogles Alm ("Disneyland der Alpen") auf 2045 Metern. Der Schock über die Masse an Bergtouristen wurde vom majestätischen Bergpanorama wett gemacht, das im Süden ungehinderte Sicht auf die Geislergruppe und den Langkogel in den Dolomiten bot. Daneben wartete eine alpine Küche mit kulinarischen Highlights für die verausgabten TSV-Radler auf.

Vielleicht war es die Bergluft, die die Gruppenmitglieder dazu veranlasste, mit geradezu halsbrecherischen Höchstgeschwindigkeiten von 70 Stundenkilometern in die grünen Täler zu brausen oder sich auf anspruchsvollen Stein- und Schotterpisten die eine oder andere Blessur einzuhandeln. Mitfahrer Timo Stumpp sah's so: "Man muss technisch bewandert sein, um heil runter zu kommen." Mitfahrer Dieter Fischer empfand die langen Anstiege und vor allem die Überwindung der "Wegscheide" Pfitscherjoch als das schönste Erlebnis.

So hatte jeder der sieben Alpenradler seine persönlichen Höhepunkte dieses Urlaubs der etwas anderen Art. Sie alle teilen jedoch die pure Freude an diesem Unternehmen, das ihnen wohl für immer unvergesslich bleiben wird: majestätische Berggipfel, malerische Täler und atemberaubende Panoramablicke zugänglich gemacht durch die eigene Kraft. Die Anstrengung war der Alpen-Trip alle mal wert. Vielleicht sogar erfüllender als so manch luxuriöser Urlaub im Vier-Sterne-Hotel . . .