Lokales

Hopfen und Malz sind noch nicht verloren

"Ich sage mir jetzt jeden Tag: ,Vater bleib cool.' Und ob Sie's glauben oder nicht, das hilft mir", so ein begeisterter Vater. Er hatte an dem Elternkurs teilgenommen, den der Kirchheimer Pfarrer Wilfried Veeser im Rahmen des Positiven Erziehungsprogramms "PEP4Teens" angeboten hatte.

KIRCHHEIM Zehn Paare nahmen sich an vier Abenden Zeit, um sich bei dem Elternkurs mit der Erziehung ihrer Teenager zu befassen. Dabei merkten sie: "Wir müssen uns verändern, weil sich unsere Kinder verändert haben." Das war für manchen Teilnehmer eine harte Erfahrung. Wo den Erwachsenen bei der Durchsetzung ihrer Erziehungsziele mit den Kindern klare Vorgaben weiterhalfen, rebellierten die Teenager nun immer häufiger und die Eltern waren in ihrer Rolle als Vorbilder neu herausgefordert.

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"Uns haben die Impulse geholfen. Wir nehmen uns mehr Zeit für unsere Kinder und lernen auch von ihnen", berichtete ein Paar, das sich mit seinen drei Kindern auf diesen Prozess eingelassen hat. Ein Vater aus Kirchheim entdeckte, "dass die Jugendlichen gar nicht so schlecht sind, wie ich das bislang immer gedacht habe". Seine Frau stellte fest, "dass ich kleine Schritte auf meine Tochter zugehen, sie aber auch einfach einmal stehen lassen kann".

Verträge mit den eigenen Kindern abzuschließen, war für viele Teilnehmer ungewohnt. Sie merkten aber schnell, dass sich ihr Nachwuchs darauf einlassen konnte. In Familienkonferenzen wurden neue Möglichkeiten im Umgang erprobt. Durch die im Kurs vermittelte neue Sichtweise Wertschätzung der Jugendlichen und Konzentration aller Gedanken und Kräfte auf die positiven Aspekte in ihrem Verhalten und Wesen erlebten die Eltern, dass sich die Beziehung zueinander und zu den Kindern positiv veränderte.

"Eigentlich wollte ich schon aufgeben. Aber nun habe ich gemerkt: Bei meiner Tochter ist noch nicht Hopfen und Malz verloren. Das ermutigt mich, meine Rolle als Mutter wieder anzunehmen", bilanzierte eine Mutter. "Wir haben die Zeit genossen, in der wir uns austauschen konnten. Hier waren endlich einmal Eltern, die zugeben, dass bei ihnen nicht alles so perfekt ist", freut sich ein Vater, der die Beziehung zu seiner 15-jährigen Tochter nun entspannter angehen kann.

Das gilt für fast alle Paare: Sich Zeit nehmen und reden auch über heikle Themen und persönliche Schwächen, haben sie in der Zeit des Kurses neu gewagt. Ein Vater, der sich vor dem Kurs als "geborener Skeptiker, dem man nicht so leicht etwas vormacht" bezeichnete, drehte sich nach eigenem Bekunden im Kopf "um 180 Grad". Er will die Beziehung zu den angeheirateten Kindern neu gestalten und den bislang tobenden Machtkampf beenden. Für seine Frau war die Entdeckung überraschend, "dass ich meine Kinder als kleine Erwachsene behandeln und ernst nehmen muss, wenn's mit der Erziehung klappen soll".

Ein Vater erzählte in der Schlussrunde: "Ich hätte nicht gedacht, dass das in so kurzer Zeit möglich ist und bin nun gespannt, wie sich diese Entwicklung während der nächsten vier Wochen fortsetzt." Er und seine Frau nehmen wie die übrigen Paare und allein Erziehenden das Angebot wahr, sich durch ein gezieltes Telefon-Coaching bei dem schwierigen Prozess der Neuorientierung und des Einübens positiven Verhaltens begleiten zu lassen. "Da passieren weitere Entwicklungsschritte und die gelernten Veränderungen im Erziehungsverhalten gewinnen Nachhaltigkeit", weiß Wilfried Veeser aus der Erfahrung der bundesweit angebotenen Kurse. Die Kircheimer Kursgruppe fand darüber hinaus auch menschlich zusammen. "Wir werden in Kontakt bleiben und uns weiter austauschen", waren sich einige der Teilnehmer sicher.

Um brisante Themen des Kurses zu vertiefen, bietet "PEP4Teens" am Dienstag, 11. Oktober, um 20 Uhr im Alten Gemeindehaus in Dettingen unter Teck einen Abend an mit Wilfried Veeser unter dem Motto "Wenn's knistert und kribbelt Aspekte der Sexualität und des persönlichen Glaubens in der Erziehung."

hs