Lokales

"Horrorszenen" am Plochinger Bahnhof

"Horror" am Samstagmorgen am Plochinger Bahnhof ein Zugunglück fordert den Einsatz von zahlreichen DRK-Helfern, wenig später gibt es einen Busunfall und durch die Folge des Zugunfalls muss ein großes Gebiet im Stadtgebiet von Plochingen evakuiert werden. Die Planer der Großübung "Neckar-Fils 2005" stellten ihre Mitarbeiter vor große Probleme. "Übung macht den Meister", lautete die Devise auch im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

RUDOLF STÄBLER

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PLOCHINGEN Durch einen technischen Defekt an einer Weiche kam es im Plochinger Bahnhof zu einer Kollision des durchfahrenden Interregio-Expresses von Stuttgart nach Ulm mit einem im Plochinger Bahnhof stehenden Güterzug. Drei Wagen des mit rund 200 Personen besetzten Interregios werden von dem Güterzug auf der Längsseite aufgerissen. Der Gütertransportzug wird hierbei ebenfalls stark beschädigt. Zwei Wagons am Ende des Güterzuges, davon ein Tankwagen, werden durch die Gewalt der Kollision vom Zug getrennt und rollen auf dem Gleis zurück in Richtung Esslingen. Ein Wagon davon brennt. Die Flammen des brennenden Wagons gehen in Richtung des Tankwagens. Dieser ist mit Proban/Butan beladen. In den durch den Unfall beschädigten Wagons des Interregio-Expresses befinden sich rund 60 Personen, darunter zahlreiche Schwerverletzte. Die Feuerwehr ist mit Sicherungsaufgaben (Tankwagen) beschäftigt und steht nicht zur medizinischen Hilfeleistung zur Verfügung.

Und die Übungsgestalter hatten für die DRK-Bereitschaften noch mehr "Horror" in der Hinterhand. Auf der Talfahrt eines mit 30 Personen besetzten Reisebusses vom Sportplatz Pfostenberg nach Plochingen verunglückt dieser auf Grund zu hoher Geschwindigkeit. Er schleudert dabei in den am Ostrand der Straße befindlichen tiefen Wassergraben. Dabei werden Businsassen aus dem Fahrzeug geschleudert und liegen in dem schwer zugänglichen Wasserlauf. Im Verlauf der Versorgung der Verletzten bekommen die Rettungskräfte Kenntnis über drei bis vier vermutlich Verletzte, die in Panik in den Wald gelaufen sind. Etwa zu gleicher Zeit ereignet sich ein weiterer Unfall im nahen Wald. Zwei jugendliche BMX-Fahrer verunglücken bei ihren Fahrübungen, dabei stürzt einer in eine Schlucht.

Eine schwierige Übung also für die DRK Kreisverbände Esslingen, Göppingen und Nürtingen-Kirchheim. Mit gefordert waren Bergwacht, Rettungshundeteams und der Notfallnachsorgedienst. Die Macher erläuterten beim Briefing im Krankenhaus in Plochingen, dass Zweck der Übung mit mehreren Schadensfällen und mehr als hundert Verletzten die Erprobung sanitäts- und betreungsdienstlicher Abläufe sei. Dazu gehört natürlich auch die Koordination der Führungskräfte aus Katastrophenschutz und Rettungsdienst sowie die Koordination der beteiligen Leitstellen.

ÜbungsablaufDer Notruf über das Zugunglück im Plochinger Bahnhof geht von einem Anwohner der Gleisanlage an die Rettungsleitstelle in Esslingen, worauf die Einsatzkräfte sofort ausrücken. Dort erfolgt dann die Kontaktaufnahme mit dem Unfallmanager der Deutschen Bahn AG. Zur Zeit des Eintreffens bestehen für die Hilfskräfte keine weiteren Gefahren. Der Fahrstrom wurde in diesem Bereich bereits abgeschaltet. Jedoch kann sich bei den zwei abgesprengten Güterwagen eine zusätzliche Gefahr entwickeln. Dort sind die Feuerwehrleute bereits mit Löscharbeiten beschäftigt. Die Teams des DRK treffen am Unfallort insgesamt 60 verletzte Personen an, außerdem muss man sich um weitere 140 unverletzte Betroffene aus dem Interregio kümmern.

Da durch den Bahnunfall die akute Gefahr eines Lecks an dem Tankwagen besteht und die meteorologischen Bedingungen eine Gefährdung von Plochingen nicht ausschließen lassen, empfiehlt der zuständige Feuerwehrkommandant in Absprache mit der Polizei sowie dem Bürgermeister von Plochingen, Eugen Beck, eine vorsorgliche Räumung der nordöstlichen Wohngebiete von Plochingen.

Nach Einschätzung der Einsatzleitung vor Ort ist mit einer Explosion nicht vor 13 Uhr zu rechnen. Trotzdem entscheidet sich der Bürgermeister mithilfe der Polizei und des Rundfunks die Einwohner zu informieren. Diese Räumung macht die Unterbringung von rund 1000 Personen erforderlich. Durch eine mögliche Explosion muss die Unterkunft in sicherer Entfernung angelegt werden. Andererseits ist eine kurze Verweildauer wahrscheinlich. So wurde die Schlossgarten-Schule in Wernau für die Unterbringung der zu Evakuierenden bestimmt. So mussten in Plochingen vier Sammelpunkte festgelegt werden. Bettlägrige Personen mussten vom DRK in ihren Wohnungen abgeholt werden. Aber auch dabei hatten die "Macher" Probleme eingebaut. Zwei Personen weigerten sich einfach mitzugehen, ein von Alzheimer Betroffener musste transportiert werden und eine Person hält sich zahlreiche Tiere und will ohne diese nicht weggehen.

Der Notruf des Busunfalls wird vom Handy eines Passanten an die Rettungsleitstelle in Esslingen abgegeben. Nach dem Eintreffen der Rettungsdienste und einer ersten Lageerkundung wird die Bergwacht nachgefordert. Sowohl die steile Hanglage, in der sich die verletzten Personen des Busunfalls befinden, als auch der dichte und dornige Bewuchs, stellen für die Betroffenen und die Einsatzkräfte eine zusätzliche, nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Weitere Gefahrenpunkte gibt es durch die für den Verkehr nicht gesperrte Straße zum Sportplatz sowie die im Grabenbereich liegenden Flaschen und Scherben. Entsprechend vorsichtig mussten die Helferinnen und Helfer bei den notwendigen Maßnahmen vorgehen. Dann meldet sich doch plötzlich ein leicht verletzter Businsasse. Er hat einige Personen beobachtet, die wohl in Panik in den nahe gelegenen Wald geflüchtet seien. Und wenigstens eine Person sei verletzt.

Plötzlich waren Hilferufe der beiden verletzten BMX-Fahrer aus dem nahen Waldstück bei den Helfern des Busunfalls zu hören. Sofort wurde eine Gruppe der Bergwacht aus dem Einsatz "Bus" herausgelöst und zur Suche und Rettung der Rufenden eingesetzt.

Trotz der großen Schwierigkeiten bei dieser Katastrophenübung gab es bei der abschließenden Manöverkritik für die beteiligten Kreisverbände Esslingen, Göppingen und Nürtingen-Kirchheim neben einiger Kritik vor allem viel Lob von den "Machern" zu hören.