Lokales

Horst völlig zerstört

Rabiates Vorgehen gegen Kolkraben am „Gelben Felsen“

Der unteren Naturschutzbehörde im Esslinger Landratsamt liegen stichhaltige Beweise vor, dass der Kolkrabenhorst am „Gelben Fels“ im Naturschutzgebiet „Teck“ kürzlich von einem klettererfahrenen Bergsportler vollständig ausgeräumt und aus der Felsnische am Hauptfelsen entfernt worden ist.

Owen. Nach Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz ist die nach 2003 nunmehr wiederholte Zerstörung des Kolkrabenhorsts am Gelben Fels absolut unverständlich. Die Arbeitsgemeinschaft vermutet, dass nur Kletterer ein Interesse daran haben können, dass die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehenden Kolkraben vom Gelben Fels gänzlich verschwinden.

Der Hintergrund dieser widerrechtlichen Aktion ist sowohl dem Landratsamt als auch den Kletterverbänden ein Rätsel, denn derartige Aktionen sind nach den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes eindeutig verboten. Sachdienliche Hinweise, die zur weiteren Klärung des Falls von entscheidender Bedeutung sein können, nimmt das Landratsamt Esslingen entgegen – gerne auch telefonisch unter der Nummer 07 11/39 02-24 31.

Zum Schutz der besonders geschützten Kolkraben während der Nist-, Brut- und insbesondere während der Aufzuchtphase der Jungvögel wird die Kletterroute am Gelben Fels in aller Regel von Mitte Februar bis Ende Juni für Kletterbegeisterte gesperrt. Bei weiteren Vorkommnissen dieser Art erwägt die untere Naturschutzbehörde sogar, schon zu einem früheren Zeitpunkt eine Sperrung der Kletterrouten am Gelben Fels anzuordnen.

Das Landratsamt Esslingen ist sich bewusst, dass eine Sperrung dieses beliebten Kletterfelsens im Naturschutzgebiet „Teck“ für die Kletterer eine deutliche Einschränkung bedeuten würde. Die Kletterverbände, die grundsätzlich großen Wert auf Naturverbundenheit legen, signalisierten jedoch bereits Verständnis.

Für die Natur- und Vogelschützer bleibt nur abzuwarten, ob die Kolkraben sich von dem Schrecken erholen werden. Nach Auskunft der unteren Naturschutzbehörde ist nämlich zu befürchten, dass die Altvögel wegen der Störungen jetzt noch empfindlicher reagieren. Trotz aller widriger Umstände haben die Naturschützer immer noch die Hoffnung, dass die Kolkraben einen neuen Horst am Gelben Fels errichten. Ein Bruterfolg dieser seltenen Spezies im Lenninger Tal wäre zum Erhalt der Artenvielfalt wünschenswert. la

Anzeige