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Hugo-Boss-Konzern hält sich zwei Optionen offen

Die Spekulationen haben ein Ende: In einer Pressemitteilung bestätigte der Hugo-Boss-Konzern sein Interesse an einer Ansiedlung in Nürtingen. Auf den Großen Forst festgelegt hat sich der Konzern allerdings nicht. Man räumt vielmehr ein, sich zwei Optionen, eine Ansiedlung im Metzinger Stadtteil Neuhausen und in Nürtingen, offenzuhalten.

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NÜRTINGEN Der Hugo-Boss-Konzern plant ein neues Distributionszentrum für Liegendware. Diese Maßnahme ist dringend erforderlich, da das Stückzahlvolumen in diesem Bereich extrem wächst, heißt es in der Pressemitteilung. Mit den geplanten Kapazitätserweiterungen bekennt sich der Konzern weiterhin zur Region und möchte hier am Standort neue Arbeitsplätze schaffen. Die Vergangenheit habe jedoch gezeigt, dass trotz angespannter Arbeitsmarktlage viele Unternehmen verlagern Arbeitsplätze ins Ausland eine Projektentwicklung sehr zeitintensiv sei und oft auf öffentliche und politische Widerstände stoße. Aus diesem Grund habe der Konzern parallel zwei Standortalternativen (in Metzingen und Nürtingen) entwickelt und auf ihre Umsetzbarkeit untersucht.

Boss will noch in diesem Jahr mit dem Bau des Lagers für Liegendware (das sind unter anderem Hemden, Strickwaren, Jeans, Pullis, T-Shirts und Unterwäsche) beginnen. Aufgrund der extremen Wachstumsdynamik sei ein Baustart in 2008 erforderlich. Auf einen Standort festlegen will sich das Unternehmen noch nicht. "Der Konzern kann erst dann einen Standort priorisieren, wenn die Rahmenbedingungen geklärt sind und somit einem Baustart nichts mehr im Wege steht. Aus diesem Grund wird das Unternehmen bis auf Weiteres beide Projekte vertiefen und auch parallel in die Ausführungsplanung investieren", so der Wortlaut der Pressemitteilung. Strategisch, so heißt es weiter, könnte sich Hugo Boss vorstellen, langfristig an beiden Standorten festzuhalten natürlich vorausgesetzt, dass sich das Wachstum weiterhin so positiv entwickelt.

Sowohl in Metzingen als auch in Nürtingen haben die gemeinderätlichen Gremien den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst. Metzingen und Nürtingen stehen nun im Wettstreit. Die Kommune, die am schnellsten die rechtlichen Voraussetzungen für eine Erschließung und damit die Ansiedlung des Unternehmens schafft, erhält den Zuschlag.

Oberbürgermeister Heirich ist froh, dass der Modekonzern jetzt endlich die Karten auf den Tisch gelegt hat. Seit einem Jahr, so Heirich, stehe die Stadt Nürtingen mit dem Metzinger Konzern im Kontakt. "Wir haben viele Vorgespräche geführt." Trotz massiver Widerstände seitens der Schutzgemeinschaft Großer Forst steht der Nürtinger Oberbürgermeister zur geplanten Erschließung. Er begrüße es, so Heirich, dass das Unternehmen Arbeitsplätze nicht nach Rumänien verlagere, sondern sie hier in der Region schaffe. Boss wolle, so sei ihm in Gesprächen versichert worden, mit der Ansiedlung des Lagers 400 Arbeitsplätze schaffen. Dabei handle es sich um Arbeitsplätze für Teilzeitkräfte und angelernte Arbeitskräfte. "Das sind Arbeitsplätze, die wir hier am Arbeitsmarkt gebrauchen können."

Die Planung des Modekonzerns für das Distributionslager in Nürtingen soll nach Heirichs Vorstellungen zum Monatsende im Gemeinderat präsentiert werden. Dann müsse der Gemeinderat entscheiden und grünes Licht für die Ansiedlung des Unternehmens geben. Die Optionsverträge mit den Grundstückseigentümern im Großen Forst werden erst vollzogen, wenn die Firma unterschrieben hat, sagt Heirich und versichert, dass kein Gewerbegebiet auf Vorrat erschlossen werde, wie in der Bachhalde.

Heirich hofft, das Bebauungsplanverfahren zügig voranbringen zu können, damit Boss das geplante Distributionszentrum nicht am Standort Metzingen, sondern in Nürtingen ansiedelt. Der Nürtinger Oberbürgermeister geht davon aus, dass die Sache bis zur Sommerpause in trockenen Tüchern ist. Bisher, so Heirich, sei die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen vertrauensvoll gewesen und deshalb sei er zuversichtlich, dass man schnell zu einer Einigung komme. Darüber spekulieren, ob der Widerstand bei den Gegnern der Erschließung nun größer wird oder die möglichen 400 Arbeitsplätze als Argument ziehen, wollte Heirich nicht. "Ich bin der Meinung, dass die Arbeitsplätze der Stadt und der Region sehr gut tun."

Aus einer Sitzungsunterlage des Metzinger Gemeinderates vom Herbst letzten Jahres geht hervor, dass das neue Lager für Liegendware etwa so groß werden soll wie das Lager für Hängeware, das derzeit im Metzinger Gewerbegebiet Längenfeld erstellt wird. Dieses Lager weist eine Gebäudekubatur von 260 Meter auf 100 Meter auf und wird 20 Meter hoch.