Lokales

Humor mit eiskalter Treffsicherheit

KIRCHHEIM 100 Jahre Sankt Ulrich Kirchheim gilt es in diesem Jahr zu feiern. Eine ganze Reihe von Veranstaltungen hat die katholische Kirchengemeinde aus diesem Anlass für die kommenden Monate geplant. Am Freitagabend gelang mit einem spritzig-bissigen Kabarett von den "Pinguinen" ein Auftakt nach Maß.

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NICOLE MOHN

"Knoten in der Zunge" hat das Ensemble ihr neuestes, mithin 13. Programm, getauft. Sprachlos waren die sechs Akteure des "ältesten Nachwuchs-Kabaretts" mit diesem "Sprachfehler" allerdings mitnichten. Im Gegenteil: Ihre frechen Sprechinstrumente trafen mit den Pointen voll ins Schwarze. Den Knoten in die Zunge sollten sich ihrer Ansicht nach ohnehin andere machen. Vor allem die Herren (und Damen) Politiker. Denen attestiert die schwarz-weiße Truppe eine akute Entzündung des Mundorgans, mit dem sie allerlei Phrasen zu dreschen pflegen ob zu Rente, Gesundheitsreform oder Terrorgefahr. "Vor der Wahl buhlen sie um unsere Stimme, sonst brauchen sie uns nicht", watschen die Frackträger Regierung wie Opposition gleichermaßen ab wer lange redet, muss schließlich noch lange nichts gesagt haben. Kanzlerin Merkel besangen sie im feinsinnigen Couplet als "Ännchen von Th".

Die Zungen der Pinguine, deren Name sich im Übrigen nicht aus der Tierwelt, sondern den schwarz-weißen Chorhemden entlehnt, in denen man sich einst in Sankt Elisabeth beim Altardienst kennenlernte, haben 40 Jahre nach der Premiere ihres ersten Bühnenprogramms keineswegs an Schärfe verloren: Ihr Witz und ihr scharfer Blick hat mit den Jahren eher noch dazugewonnen.

Hemmungslos führen sie demPublikum den alltäglichen deutschen Wahnsinn in hintersinnigen Wortklaubereien, Songs und Sketchen vor. Warum Kinder haben, wenn's für das gleiche Geld einen schicken Sportwagen gibt? In ein paar Jahren liegt die Nation eh unter der Erde und tanzt der Narr den deutschen Totentanz.

Intelligent, wortgewandt und aktuell: Johannes Bair, Dieter Groß, Hans-Dieter Jedelhauser, Hans Kraut, Gerhard Schmidt und Wolfgang Zursiedel packten die Themen an, die den Zuschauern auf der Zunge brannten. Ohne Zugabe ließ das begeisterte Publikum die wandlungsfähigen Zungenakrobaten deshalb am Freitag nicht ziehen, die, mal als Rapper, mal als Altphilologe oder amtlich bestellter Selbstmordberater, die Pointen bis auf die schwärzesten Spitzen der Wortkunst trieben.