Lokales

"Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen"

Der neue Bildungsplan schreibt ein themenorientiertes Projekt "Soziales Engagement" für alle achten Klassen der Realschulen in Baden-Württemberg vor. Zum ersten Mal sammelten dieses Jahr auch Kirchheimer Realschüler Erfahrungen bei einem Sozialpraktikum.

KIRCHHEIM Im neuen Bildungsplan für die Realschulen ist das Ziel des themenorientierten Projektes folgendermaßen festgehalten: "Das themenorientierte Projekt ,Soziales Engagement' hat das Ziel, Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Menschen zu wecken und zu fördern." Für die Schüler bedeutet dies, eigene Stärken und Schwächen kennen zu lernen, ihre Kommunikationsfähigkeit zu erweitern, ihre Teamfähigkeit zu verbessern und dadurch Verhaltenssicherheit zu erwerben und ihre Sozialkompetenz zu stärken. Die Schüler sollten zudem soziale Einrichtungen erkunden und lernen, ihre sozialen Fähigkeiten für andere einsetzen, durch ihr Verhalten gemeinschaftliches Leben zu fördern sowie Konflikte partnerschaftlich zu lösen.

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An der Kirchheimer Teck-Realschule ist in diesem Schuljahr zum ersten Mal in den achten Klassen das Projekt "Soziales Engagement" (SE) durchgeführt worden. Die Konzeption sieht die Vor- und Nachbereitung während der Unterrichtszeit und ein Sozialpraktikum in der Freizeit vor. Das Sozialpraktikum bedeutete für die Schüler, dass sie 20 Stunden in einer sozialen Einrichtung oder einem Verein im Zeitraum von November 2005 bis April 2006 tätig sein mussten. Betreut wurden sie durch Lehrer der Teck-Realschule.

Voraussetzung für das Sozialpraktikum ist die Bereitschaft der sozialen Einrichtungen und Vereine, ihre Türen zu öffnen und Praxisplätze anzubieten. Zu Schuljahresbeginn sind dann in ersten Gesprächen zwischen Schule und Einrichtungen die Möglichkeiten erörtert worden. Insgesamt ist festzustellen, dass die Kooperation mit den sozialen Einrichtungen und Vereinen ausgezeichnet war. Am Ende der achten Klasse erhalten die Schüler ein Zertifikat über die verpflichtende Teilnahme. Bewertet wird zudem die Dokumentation und Präsentation des Projektes.

In Kooperation haben Teck- und Freihof-Realschule in Kirchheim mit dem Spirituellen Zentrum "Oase" in Jesingen insgesamt 30 Schülerinnen und Schüler an Senioreneinrichtungen und Altenheime vermittelt. Das Ziel, mindestens zwanzig Stunden sozialen Einsatz ganz konkret in der Begegnung mit älteren Menschen zu leisten, wurde von den Schülern gegen die landläufige Meinung von Anfang an sehr gerne und sehr einsatzbereit geleistet. So stellten auch die beteiligten Heime und Einrichtungen Wächterheim, Sankt Hedwig, Henriettenstift, Fickerstift, Haus an der Teck und Diakoniestation fest, dass die Jugendlichen der achten Klassen schnell gern gesehene Helfer und Unterstützer wurden. Die Aufgaben im Heim waren unter anderem spazieren gehen, im Café mithelfen, malen, basteln, Biografie-Arbeit, zuhören, erzählen und eigene Ideen einbringen.

In den Reflexionsrunden haben die Jugendlichen eindeutig bestätigt, dass sich der Einsatz im Altenheim mehr als gelohnt hat. Neben Kontakten zu vorher völlig unbekannten Menschen haben die Jugendlichen auch Lebenssituationen kennen gelernt, die sonst in ihrem Alltag nicht vorkommen. Die Jugendlichen selber antworteten auf die Frage, was sie selber in diesem Projekt gelernt hatten im Rahmen der Auswertung so: "Man lernt, sozialer zu denken", "alte Leute noch mehr zu respektieren" und "dass es nichts Schlimmes ist, sich mit Älteren zu beschäftigen".

Aber nicht nur Engagement für Ältere stand auf dem Programm, andere Schüler arbeiteten beispielsweise auch im Arbeitskreis Behinderte (AKB) mit, halfen in Kindergärten, pflegten Tiere im Tierheim oder gaben Kindern Handballtraining beim VfL Kirchheim.

Dass das neue themenorientierte Projekt ein voller Erfolg ist, bestätigen nicht nur Lehrer und soziale Einrichtungen. Auch die Kirchheimer Schüler zeigen sich begeistert. "Durch SE habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen und Geduld zu haben. Ich habe neue Menschen kennen gelernt und konnte ihnen helfen", sagt Ira-Sofie Graf. Die Achtklässlerin Imke Lehmann hat positive Erfahrungen gemacht: "Ich finde, dass das Projekt sehr viel Spaß gemacht hat. Ich habe gelernt, auf Menschen zuzugehen und ihnen zu helfen. Dies ist wichtig, weil sie oft nichts sagen, wenn sie Hilfe brauchen." Liisa Siippainen hat das Projekt sogar so viel Spaß gemacht, das sie sich weiterhin engagieren möchte: "SE ist eine gute Möglichkeit, soziale Einrichtungen kennen zu lernen. Ich finde es so gut, dass ich weiterhin in einer dieser Einrichtungen tätig sein werde."

eb