Lokales

"Ich habe leider keine Röntgenaugen"

Hiobsbotschaften in Sanierungsfragen sind in Kirchheim keine Seltenheit. Jetzt geht es um die Tiefgarage Krautmarkt. Nach eingehender Untersuchung des Gebäudes und der Erstellung eines Brandschutzgutachtens steht fest: Die Sanierung ist aufwendiger als zunächst gedacht. Entsprechend tief muss die Stadt in die Tasche greifen. Die Kostenberechnung geht von gut vier Millionen Euro aus.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM Ein Jahr ist es her, dass der Gemeinderat ausführlich über die fatalen Folgen der fortschreitenden "Lochfraßkorrosion" informiert wurde. Im Juli 2007 fällte das Gremium die Entscheidung, das gerade mal knapp 20 Jahre alte Bauwerk von Grund auf in konventionellem Stil instandzusetzen. Geschätzte Kosten: gut drei Millionen Euro.

Die Kostenschätzung ist mittlerweile Makulatur, jetzt liegt eine Berechnung vor. Für ein "böses Erwachen", wie es Diplom-Ingenieurin Susanne Gieler-Breßmer im Ausschuss für Technik und Umwelt formulierte, sorgte vor allem das zwischenzeitlich erstellte Brandschutzgutachten. Es stellt zahlreiche Mängel fest, deren Behebung auf nahezu alle Gewerke Einfluss hat. Ingenieur Andreas Kiefer, der die Haustechnik unter seinen Fittichen hat, ging besonders auf das Lüftungssystem ein. Es könne die Entrauchung nicht in erforderlichem Maße gewährleisten. Diesem Sachverhalt wird nun vorübergehend durch zusätzliche kleinere Brandschutzmaßnahmen Rechnung getragen.

Weiter steigen die Kosten durch die Ergebnisse der detaillierten Untersuchung, die größere Mängel als gedacht ergab. Aus diesem Grund muss mehr Beton abgetragen werden. Die massiven Eingriffe machen wiederum aufwendigere Abstütz- und Sicherungsarbeiten erforderlich. Nach der Instandsetzung ist ein dauerhafter Schutz wichtig. Hierzu hatte Martin Zimmert, Geschäftskreisleiter für Hoch- und Tiefbau, mit Mitarbeitern und den Ingenieurbüros vier Varianten erarbeitet und den Räten dargelegt. Gieler-Breßmer empfahl den vielfach erprobten Gussasphalt als "gut und dauerhaft". Neben einer Reihe von Vorteilen in puncto Lebensdauer, Schutzqualität oder Reinigungsfähigkeit weist diese Variante das Manko auf, eindeutig die teuerste Lösung zu sein.

Allerdings winken langfristig niederigere Instandhaltungskosten. Die geschätzten Mehrkosten gegenüber der usprünglichen Planung liegen bei 1,16 Millionen Euro. Insgesamt dürfte die Sanierung der Tiefgarage mit dem genannten Gussasphaltabdichtungsverfahren etwas mehr als vier Millionen Euro kosten.

Zähneknirschend wurde im Rund die "größte Wirtschaftsförderungsmaßnahme für die Innenstadt", wie es Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen Alternativen bezeichnete, zur Kenntnis genommen. "Wir haben wohl keine Alternative", meinte SPD-Chef Walter Aeugle und sprach von einer "ziemlichen Katastrophe". Bekanntlich setzt Väterchen Frost in schöner Regelmäßigkeit dem Bauwerk ganz besonders zu. Aus diesem Grund soll so bald wie möglich losgelegt werden. Der Zeitplan, den Gieler-Breßmer selbst als "ehrgeizig" bezeichnete, geht von 18 Monaten Bauzeit aus. Wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker mitteilte, wird bereits ein Ersatzparkierungskonzept erarbeitet.

CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Kapp regte auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten eine Pauschalierung der Honor

are an. Schließlich steige der Aufwand nicht linear zu den Kosten. Ihn und besonders Hagen Zweifel, den Vorsitzenden der Freien Wähler, bewegte die Frage, ob das Gremium mit der Ablehnung des etwas teureren kathodischen Korrosionsschutzes letztlich doch die falsche Entscheidung getroffen habe. Eine Frage, die von der Fachfrau ebenso verneint wurde wie die Überlegung, ob das Gremium in den 80er- Jahren beim Bau der Garage schlichtweg "Blödsinn gemacht" habe. Das Bauwerk habe durchaus dem Stand der Technik entsprochen.

Nicht die technische Vergangenheit, sondern die finanzielle Zukunft beschäftigte Marianne Gmelin (SPD), die von der Ingenieurin eine Zusage erbat, vor weiteren bösen Entdeckungen sicher zu sein. "Ich habe leider keine Röntgenaugen", konterte Gieler-Breßmer und sah sich genötigt, einem "unterschwelligen Vorwurf" im Raum entgegenzutreten. Schließlich habe man es hier nun mal nicht mit einem voll berechenbaren Neubau zu tun: "Nicht wir Planer sind für die Kosten verantwortlich, sondern das Bauwerk."

Bei zwei Enthaltungen stimmte das Gremium der Entwurfsplanung für die Krautmarkt-Sanierung mit Gussasphalt-Abdichtung zu und beauftragte die Verwaltung, über eine Pauschalierung der Honorare zu verhandeln. Baden gegangen war zuvor mit zwei Pro-Stimmen der Antrag Albert Kahles (FDP/Kibü). Er hatte für eine Beschichtung mit Oberflächenschutzsystemen plädiert, die heller wirke und zudem Spurrillen ausschlösse.

Der Zeitplan12. 12. 2007: Ausschreibung 4. 2. 2008: Vergabe der Arbeiten 4. 3. 2008: Beginn der Instandsetzung28. 8. 2009: Ende der Bauarbeiten