Lokales

Ideen gegen die Flaute an der Ladentheke

Ins Thema "Kreisverkehr Alleenring" kommt neues Leben. Seit der Verkehr rund um die City baustellenbedingt mehr stockt als fließt und Parkplätze Mangelware sind, sinnen die Verantwortlichen auf Abhilfe. Mit verschiedenen Maßnahmen soll zudem die Großbaustelle Schweinemarkt erträglicher gestaltet werden.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Der Alleenring als Einbahnstraße? Das wäre super!" spricht Karin Hacker-Schopp den Anliegern der Tiefgarage Schweinemarkt aus der Seele. Die Geschäftsleute hoffen inständig auf zusätzliche Stellflächen. Für sie ist klar: Jeder Parkplatz bedeutet Kundschaft. Seit die Tiefgarage Schweinemarkt ihre Pforten schloss, herrscht Flaute an der Ladentheke. Von Umsatzeinbußen in Höhe von 20 bis 30 Prozent ist die Rede. Parkplatzersatz soll der Ziegelwasen bieten, doch die Fußwegverbindung von der Ulrichskirche in die Max-Eyth-Straße ist unterbrochen. "Wenn dieser Weg Ende dieser Woche wieder hergestellt wird, atmen wir ein wenig auf", zeigt sich Karin Hacker-Schopp vorsichtig optimistisch. Einstweilen belohnen manche Geschäftsleute treue Kunden mit Blumengrüßen oder Kaffeeausschank und üben sich in Geduld.

Unterdessen wird im Rathaus eifrig gegrübelt. Die Verwaltung wälzt Überlegungen, den Alleenring einspurig zu gestalten, und zwar entgegen dem Uhrzeigersinn. Auf der freiwerdenden Spur könnten teilweise Parkplätze entstehen. Dass akuter Handlungsbedarf besteht, ist unumstritten, seit die Innenstadt von zwei Baustellen an entgegengesetzten Punkten des Alleenrings in die Zange genommen wird. Hier wie da ist ein Durchkommen teilweise nur in einer Richtung möglich. "Ursprünglich hieß es, der Verkehr könne am Schweinemarkt zweispurig bleiben", erläutert Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, weshalb die Kanalsanierung beim Schloss ebenfalls jetzt in Angriff genommen wurde. Dort klaffen zwei tiefe Löcher. Die Baustelle vor dem Friseursalon soll bis Freitag abgeschlossen sein: "Daran wird 13 Stunden am Tag gearbeitet", betont Matt-Heidecker. Ende Mai dürfte der Asphalt auch vor dem Seminar wieder geschlossen sein.

Dennoch steht den Geschäftsleuten ein harter Sommer bevor, kann doch die neue Tiefgarage am Schweinemarkt erst gegen Ende des Jahres zum erhofften Attraktivitätsschub für Kirchheim beitragen. "Wir gehen die Baustelle offensiv an", lautet die Leitlinie der Oberbürgermeisterin. Immerhin lässt sich die Stadt die Maßnahme, die mehr Kunden in die Teckstadt locken soll, 4,8 Millionen Euro kosten. "Hier bewegt sich wirklich was", unterstreicht Matt-Heidecker den positiven Aspekt. Um die Widrigkeiten der Bauzeit abzumildern, werden Aktionen der Anlieger-Geschäfte nach Kräften unterstützt. Angekündigt ist eine bessere Beschilderung zu den Parkplätzen, denn vor allem beim Pädagogischen Seminar wie auch in der Freihof-Tiefgarage sind selbst am Samstagvormittag noch Plätze frei. Den Fußweg vom Ziegelwasen sollen Fußstapfen oder ein symbolischer Maulwurf kennzeichnen. Noch diese Woche werden in der Innenstadt Banner montiert, die auf die Fachgeschäfte hinweisen. Über Baufortschritte sollen ab Samstag Baustellenführungen und Schautafeln informieren.

Die bessere Vermarktung und erträglichere Gestaltung der Baustelle beschäftigt längst auch die Ratsmitglieder. Mittlerweile flatterte der Stadtverwaltung ein Schreiben mit dem Titel "Dringlichkeitsantrag zur Ratssitzung" auf den Tisch von Albert Kahle (Kibü) und Bernhard Most (FDP). Kernpunkt ist die Forderung nach Einführung eines "großen Ringverkehrs", wodurch die Abschaltung fast aller Ampeln ermöglicht werden soll. Weiter wird unter anderem auf einen samstäglichen Shuttle-Bus vom Ziegelwasen zur Innenstadt gesetzt. Das Thema "Alleenring als Kreisverkehr" hatte sich Albert Kahle schon im OB-Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben: "Ich bin überzeugt, dass das funktioniert", betont er und frohlockt: "Das ist die Chance für Kirchheim."

Noch nie schien das Vorhaben so greifbar nahe wie heute. Kategorische Ablehnung signalisiert keine Fraktion. "Wir sind offen", zeigt sich Ralf Gerber für die Freien Wähler einem Versuch nicht abgeneigt, will aber zunächst mit Hilfe der Verwaltung abgeklärt wissen, ob mit einer noch größeren Verwirrung der Kundschaft zu rechnen ist oder mit Problemen etwa durch seitlich einparkende Autos. Als Geschäftsmann steht für Gerber, der schon immer die Akzeptanz des Ziegelwasens in Frage gestellt hat, außer Frage: "Wir brauchen citynahe Parkplätze."

"Man muss alles tun, um den Läden zu helfen", betont auch SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Aeugle und zeigt ebenfalls Bereitschaft zu einem Versuch. "Da gibt's zwar problematische Knackpunkte, aber auch Ideen, wie das funktionieren könnte", meint Ulrich Tangl, Fraktionsvorsitzender der Grünen Alternativen. Auch er kann einer "Einbahnregelung" um den Alleenring grundsätzlich etwas abgewinnen und tritt jeglichen "Denkverboten" zu diesem Thema entgegen. "Bei uns rennt man mit solch einem Ansinnen offene Türen ein", befürwortet auch CDU-Fraktionsführer Helmut Kapp das Modell, dessen Umsetzung bisher nicht als so dringend empfunden wurde. Untersuchungen aus den 90er-Jahren hatten einen Kreisverkehr am Alleenring ebenso wenig empfohlen wie der damalige Oberbürgermeister.