Lokales

Ideenmix für die Region gefragt

Im Biosphärengebiet genießt der Netzwerkgedanke der Akteure vor Ort hohe Priorität

Ob Streuobstbau, eine einheitliche Beschilderung der Wanderwege oder Naturschutzthemen – mit Inkrafttreten der Verordnung über das Biosphärengebiet und dem Beitritt des Landkreises zum Verein Plenum sind in den Gemeinden am Albtrauf jetzt Projektideen gefragt.

Anzeige

ANKE KIRSAMMER

Weilheim. Nach und nach besucht das Startteam des Biosphärengebiets die Gemeinden im Landkreis Esslingen, die Gebiete in das Reservat eingebracht haben. Zum Auftakt waren Vertreter der im alten Lager in Münsingen angesiedelten Geschäftsstelle sowie Mitglieder des Vereins Plenum in der Gemeindehalle Hepsisau Gast der Stadt Weilheim. Zum einen bekamen Verwaltungsfachleute sowie Vertreter von Vereinen, Brennereibesitzer und Gastwirte Wege aufgezeigt, um an Fördergelder zu gelangen, zum anderen lieferten die Akteure vor Ort bereits erste Ideen. „Es geht weniger darum, individuelle Vorhaben zu fördern als Projekte, von denen die Region profitiert“, machte Marion Büttner von der im Reutlinger Landratsamt untergebrachten Plenum-Geschäftsstelle klar. Leitgedanke ist die Vernetzung, so beispielsweise von Landwirtschaft, Naturschutz und Forst.

Der Landkreis Reutlingen hat in den vergangenen Jahren vorgemacht, was für ein bunter Strauß an Möglichkeiten existiert: Gefördert wurde mithilfe von Plenum beispielsweise das Projekt „Albkorn“. Das Getreide wird von 36 bäuerlichen Familienbetrieben nach speziellen Richtlinien angebaut und in einer Mühle in Buttenhausen fachmännisch gemahlen. Eine gute Handvoll ausgewählter Bäckereien verkauft schließlich die herzhaften oder süßen Leckereien aus dem heimischen Korn. Ebenfalls unterstützt wurden das Projekt „Albbüffel – Schwäbische Urviecher als Landschaftspfleger“, an dem vom Landwirt über den Metzger bis zum Gasthof, der Käserei und der Schreinerei zahlreiche Partner beteiligt sind. Die Produktpalette reicht vom Fleisch über Mozzarella bis zu Seife, Leder und Horn. Weitere Beispiele sind die Unterstützung der Kernholz- und der Streuobstproduktvermarktung sowie das Schaffen einer Vernetzungsplattform von nachhaltigen touristischen Angeboten oder das Projekt „Umweltbildungszentrum Listhof“. Insgesamt konnten im Landkreis Reutlingen mithilfe von Plenum im Laufe der sieben Jahre 23 Arbeitsplätze und 44 Minijobs geschaffen werden.

Das Weilheimer Engagement für das Biosphärengebiet bezeichnete Achim Nagel von der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets als vorbildlich. „Ich hoffe allerdings, dass das Stadtgebiet noch dazukommt.“ Dann bestünde nämlich beispielsweise die Möglichkeit, im Rahmen der Unterstützung von Streuobstbau, einer Mosterei in Weilheim finanziell unter die Arme zu greifen. Wie Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer erklärte, hat die Limburgstadt im Wesentlichen die Flächen eingebracht, die bereits im Landschaftsschutzgebiet liegen.

Aktuelle Arbeitsschwerpunkte in punkto Biosphärengebiet sind die Erstellung eines Wege- und Jagdkonzepts für die Kernzonen. Während Wege am Boßler aller Voraussicht nach offen bleiben, zeichnete sich in der Diskussion um die Jagd ab, dass es in diesem Bereich offenkundig noch einige Punkte zu klären gibt, sollen die Hochsitze doch in den Kernzonen abgebaut werden. Zulässig sollen stattdessen lediglich noch drei bis vier Drückjagden im Jahr sein. „Das ist am Boßler gar nicht möglich“, gab Revierförster Markus König zu bedenken. „Sonst landen die Hunde auf der L 1213.“ Überlegungen werden derzeit außerdem zu den insgesamt 15 Informationszentren angestellt. Neben dem „Nabel“ des Biosphärengebiets, dem alten Lager in Münsingen, sollen Touristen unter anderem auch im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb und im Freilichtmuseum in Beuren die nötigen Infos bekommen. Der Aufbau der Geschäftsstelle und des Förderprogramms sind weitere „Baustellen“, an denen derzeit gearbeitet wird.

Das große Thema, mit dem sich das Startteam des Biosphärengebiets derzeit befasst, ist das Erstellen eines Besucherlenkungskonzepts mit Info­pavillons und einer durchgängigen Beschilderung der Wege. „Egal, wo man ins Biosphärengebiet reinfährt, sollte man die gleichen Schilder vorfinden“, so Nagel. Beifall gab es dafür insbesondere von einem Häringer Gastronom: „In der Richtung sollte man bei uns am meisten machen. Die Leute sind hungrig nach Information. Das Geld wäre sinnvoll angelegt.“ Während Zuschüsse für dieses Vorhaben aus dem Biosphärengebietstopf fließen würden, sei ein ebenfalls angemahnter Wanderparkplatz ein typisches Projekt des Entwicklungsprogramms ländlicher Raum (ELR), so Nagel.

Als gemeinsame Ziele und Aufgaben von Plenum und Biosphärengebiet Schwäbische Alb nannte Nagel den Naturschutz, schonende und innovative Landnutzungsformen, nachhaltige Regionalentwicklung, nachhaltigen Tourismus sowie die Stärkung der regionalen Identität.

Große Hoffnungen setzen die Verantwortlichen in Weilheim im Zusammenhang mit dem Biosphärengebiet in die Unterstützung des Obstbaus. „Wir haben hier mit 40 000 Bäumen das größte zusammenhängende Kirschenanbaugebiet Süddeutschlands“, unterstrich Bauer. Mit welchem Pfund die Stadt und vor allem auch Hepsisau wuchern kann, wurde den Besuchern bei einer Rundfahrt durch die blühenden Kirschenanlagen vor Augen geführt. Beim anschließenden Besuch einer Brennerei in Hepsisau überzeugten sich die Gäste von der Qualität der daraus gewonnenen Brände und Liköre. Kirschblüte, Zipfelbachtal, Weinbau, der Naturlehrpfad an der Limburg – eine erste, spontane Ideensammlung förderte zutage, dass es in der Limburgstadt einige Ansatzpunkte gibt, um eventuell noch mehr Touristen an den Fuß der Schwäbischen Alb zu locken.