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IG Metall: "Ein kampfloses Kopfnicken wird es nicht geben"

"Wir befinden uns nicht in der Schockstarre. Wir sitzen schon an einem Gegenkonzept." Sieghard Bender, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Kreis Esslingen, macht deutlich: Einfach durchwinken wird die Gewerkschaft das Umstrukturierungskonzept der Nürtinger Traditionsfirma Metabo nicht.

JÜRGEN GERRMANN

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NÜRTINGEN Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich gibt sich zuversichtlich, dass die Folgen für den Stammsitz nicht so gravierend werden, wie von manchen befürchtet. Vorschnell in Panik zu geraten, ist auch aus Benders Sicht nicht angebracht: "Die Beschäftigungssicherung gilt ja noch ein Jahr." Dennoch werde man bei der IG Metall nun zügig Gegenvorschläge erarbeiten und dafür auch antreten. Des Gewerkschafters Ankündigung: "Wenn es keine Verhandlungen darüber gibt, dann werden wir kämpfen."

Die Hauptforderung der Gewerkschaft lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Standorttarifvertrag. Durch dieses auch als Öffnungsklausel bekannte Instrument kann man zum Flächentarifvertrag betriebliche Ergänzungen hinzufügen. Zudem existiere bei Betriebsschließungen und Massenentlassungen auch das Instrument des Sozialtarifvertrags. Verhandlungen darüber geben der Gewerkschaft rechtlich die Möglichkeit zum Streik. Zumal der Gewerkschafter auch noch ausdrücklich darauf hinweist, dass auf diese Weise die Firma Norgren in Großbettlingen habe gehalten werden können: "Da haben wir sogar eine Strategieänderung des Konzerns bewirken können hin zu mehr Qualität." Auf ähnliche Weise wolle man auch die Metabo-Geschäftsführung unterstützen: "Die wollen in Richtung Billig. Wir aber wollen in Richtung Besser." Schließlich würden die Metabo-Gewinne in Nürtingen erarbeitet und nicht in China.

Immer wieder deutet Bender an, dass er die Begründung der Unternehmensleitung für die harten Einschnitte nicht für stichhaltig hält. Steckt da aus seiner Sicht mehr dahinter? "Bei dieser Besitzerstruktur ist das Thema Verkauf immer im Hintergrund", sagt der IG-Metaller. Ein lukrativer Kaufpreis sei freilich nur zu erzielen, wenn man ein bis zwei Jahre "bombastische Gewinne" einfahre. Das könne durch Entlassungen für diese kurze Frist auch gelingen: "Aber dann darf man nicht fragen, was im dritten Jahr passiert. Ich unterstelle einem Teil der Besitzer, dass sie vorhaben zu verkaufen", macht Bender keinen Hehl aus seinen Gedanken. Das habe man ja schon mal versucht: "Aber die damals gebotenen 300 Millionen Euro waren denen zu wenig." Freilich: "Wenn die Braut ordentlich geschmückt ist, legt der Bräutigam auch mehr auf den Tisch." So einfach wie erhofft werde das allerdings nicht gehen: "Ein kampfloses Kopfnicken wird es von uns nicht geben", kündigt der Gewerkschafter an. Vor eineinhalb Jahren habe Metabo 120 Mitarbeiter entlassen wollen. Aber eine Großdemonstration habe geholfen, die Strategie wieder mehr in Richtung "Made in Germany" auszurichten. Der Kunde kaufe sich vielleicht ein oder zwei Mal im Leben eine Metabo-Maschine: "Und der ist dann auch gern bereit, etwas mehr hinzulegen, weil er weiß, dass er Qualität kriegt. Auf das muss man setzen."

Sanftere Töne als der Gewerkschafter schlägt Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich an: "Ich stehe mit der Firmenleitung in Kontakt und bin zuversichtlich, dass erreicht werden kann, dass in Nürtingen niemand seinen Arbeitsplatz verliert." Das Konzept der Chefetage solle dazu beitragen, dass Metabo insgesamt gestärkt und die Marktstellung verbessert werde: "Und dann muss es in Nürtingen keine wesentlichen oder gar keine Stellenstreichungen geben."

An den Spekulationen über einen Verkauf will sich das Stadtoberhaupt nicht beteiligen. "Ich sehe keine Anzeichen für einen bevorstehenden Verkauf" sagt Heirich. Schließlich habe Metabo erst jüngst 3,5 Millionen Euro an seinem Stammsitz investiert: "Wenn der Standort Nürtingen gestärkt wird, muss ich das als OB begrüßen, so leid es mir um die Mitarbeiter in den Werken in Laichingen und Meppen tut."