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Ihre Passion ist die Völkerverständigung

Beide sind sie Persönlichkeiten, die für den Flugsport und die lebendige Präsentation der Luftfahrtgeschichte viel bewegt haben und zur Fliegerstadt Kirchheim gehören wie die Teck. Jetzt wurden Brigitte Holighaus und Klaus Lässing mit der Aufnahme in die Traditionsgemeinschaft der "Alten Adler" dafür geehrt.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Der Traditionsgemeinschaft "Alte Adler", aus der Not der Nachkriegsjahre des Ersten Weltkrieges geboren, gehörten und gehören Männer und Frauen an, die sich als Flugpioniere durch besondere fliegerische Leistungen im zivilen und militärischen Bereich sowie als Forscher, Wissenschaftler, Konstrukteure, Lehrer, Publizisten und Förderer um die Luft- und Raumfahrt verdient machten. Fliegerinnen wie Elly Beinhorn, Liesel Bach und Hanna Reitsch befanden und finden sich ebenso in ihrer Reihe wie der Vater des Segelflugs Wolf Hirth, der Konstrukteur Ludwig Bölkow, der Raketenspezialist Wernher von Braun, der Schauspieler Heinz Rühmann, der Segelflieger Hans-Werner Grosse oder auch der Astronaut Ulf Merbold.

Rund 130 Mitglieder zählen die "Alten Adler" zur Zeit. Dazu gehören seit der letzten Hauptversammlung in Sinsheim auch Brigitte Holighaus und Klaus Lässing. Sie wurden, wie es in der Traditionsgemeinschaft üblich ist, von zwei Alten Adlern vorgeschlagen und zwei andere Mitglieder standen Pate. In einer kurzen Ansprache stellten sich die neuen "Alten Adler" der Versammlung vor.

Brigitte Holighaus beschrieb ihren privaten wie beruflichen Werdegang vom frühen Kennenlernen ihres späteren Ehemannes Klaus Holighaus während der Schulzeit in Dillenburg bis zu seinem Unfalltod und ihrem Einstieg in die Firma Schempp-Hirth, um gemeinsam mit ihrem Sohn Tilo das Erbe von Klaus Holighaus weiterzuführen. Er war es auch, der die studierte Sportlehrerin mit der Fliegerei in Verbindung brachte. 1969 erhielt sie ihren Luftfahrerschein und hatte in den 70er- und 80er-Jahren ihre größten flugsportlichen Erfolge. Brigitte Holighaus erflog sich gute Platzierungen im Dezentralen Wettbewerb, wurde mehrmals Landesmeisterin und auch Deutsche Meisterin im Streckenflug. Außerdem bestehen noch Deutsche Rekorde im Doppelsitzer, die sie 1976/77 mit Brigitta Keller aus Kirchheim erflog. Als Auszeichnung erhielt sie die Silberne Ehrennadel des BWLV. Obwohl sie auch für Zentrale Wettbewerbe qualifiziert war, nahm sie daran nicht teil, sondern leistete ihrem Mann bei allen Deutschen Meisterschaften von 1968 bis 1994, Europameisterschaften von 1982 bis 1992 und Weltmeisterschaften von 1972 bis 1993, sowie auch auf zahlreichen internationalen Meisterschaften und Rekordfluglagern in Südafrika und Chile Mannschaftshilfe. Ihre Passion war immer, die internationale Verständigung im Segelflug zu fördern, Freundschaften zu knüpfen, die Beständigkeit haben, und die Ausbildung im Leistungsflug zu unterstützen. Den aktiven Flugsport gab Brigitte Holighaus nach dem Unfall ihres Mannes auf, aber ihre Verbindung zu den Fliegern ist noch immer ein Schwerpunkt in ihrem Leben.

Klaus Lässing, seit über 30 Jahren Fluglehrer an der BWLV-Motorflugschule auf der Hahnweide, verwies als Mitglied der Kirchheimer Fliegergruppe Wolf Hirth auf sein Engagement für historische Flugzeuge und sein großes Interesse an der Luftfahrtgeschichte. Dem Initiator des inzwischen europaweit bekannten Kirchheimer Oldtimer-Fliegertreffens lagen schon früh besonders der Kontakt mit anderen Piloten und eine überzeugende Präsentation der Luftfahrtgeschichte am Herzen. Da sich das Oldtimer-Fliegertreffen seit seinem Beginn 1979 ständig erweiterte und nicht nur Piloten und fliegende Raritäten aus aller Herren Länder anzog, sondern auch flugbegeisterte Massen mobilisierte, erfüllte sich der Wunsch Klaus Lässings auf augenfällige Weise. Auch ihm ist daran gelegen, mit dem Treffen auf der Hahnweide einen kleinen, aber beständigen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.