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Ihrer Zeit mit dem Freilandlabor weit voraus

Gertrud Buck-Feucht: vielseitige Forstbotanikerin und Pflanzensoziologin

Die Kirchheimer Forstbotanikerin und Pflanzensoziologin Gertrud Buck-Feucht leistete Pionierarbeit im Bereich der Dauerbeobachtungsflächen mit Pflanzenartenkartierung.

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Kirchheim. Die Blausterne erinnern an das Lebenswerk der Kirchheimer Forstbotanikerin Gertrud Buck-Feucht (1911 bis 2006). Gewürdigt wurde ihre Arbeit unter anderem mit dem Umweltpreis der Stadt Kirchheim und der Bürgermedaille.

Geboren wurde sie in Stuttgart. Ihr Vater war ebenfalls Forstbotaniker, Forstmeister und einer der Väter des Naturschutzes in Württemberg. Im Jahr 1931 begann Gertrud Buck-Feucht das Studium der Biologie zunächst in Tübingen, später in Hohenheim. Die Pflanzensoziologie sollte ihr Fachgebiet werden. Ihr grafisch-künstlerisches Talent war bei ihrer Arbeit von großem Nutzen. So befasste sie sich unter anderem auch mit der pflanzensoziologischen Kartierung Württembergs und fertigte Zeichnungen im Buch ihres Vater „Der Wald als Lebensgemeinschaft“ an, das 1936 erschienen ist.

Die Mutter dreier Kinder war verheiratet mit Heinrich Buck, der Lehrer am Schloss-Gymnasium war, ab 1940 lebte die Familie in Kirchheim. Die Mutterpflichten hielten Gertrud Buck-Feucht nicht von ihrer wissenschaftlichen Arbeit ab. Sie erstellte eine Vegetationskarte zum Bau der Autobahn Pforzheim-Günzburg und nahm Ackerunkrautgesellschaften auf, ferner schrieb sie über „Die Waldgesellschaften Württembergs“. Nach dem Krieg war sie forstliche Standortskartiererin. Diese Dokumentationen dienen der flächenhaften Erfassung und Darstellung von Boden und Klima sowie der Nutzungs- und Anbauplanung. Sie bearbeitete von 1950 bis 1959 die Staats- und Stadtwälder in Kirchheim, aber auch viele Wälder in der Umgebung, wie Weilheim, Nürtingen oder Adelberg. Außerdem war sie Autorin von Beiträgen in Heimat- und Fachbüchern und hat für den „alten“ Waldlehrpfad bei den Bürgerseen die Texte für viele Tafeln geliefert.

Eine der wertvollsten Arbeiten von Gertrud Buck-Feucht ist die 1981 fertig gestellte Vegetationskarte der Verwaltungsgemeinschaft Kirchheim. In ihr sind alle Wald- und Grünlandgesellschaften im Zustand der 1970er-Jahre minutiös erfasst und dargestellt. Sie ist nicht nur ein zeitgeschichtliches und wissenschaftliches Dokument, sondern war Teil des damaligen Landschaftsplans, aus dem Informationen über – aus biologischer Sicht – schutzwürdige Landschaftsteile entnommen werden konnten. Es gibt nicht viele Kommunen, die über eine solche flächendeckende, detaillierte Grundlagenkarte verfügen. Erst jetzt wird versucht, ein solches Werk für Baden-Württemberg zu erstellen.

Der Rat von Gertrud Buck-Feucht war vielerorts gefragt, unter anderem bei Nabu und BUND oder bei Kartierungen. Sie betreute Stundenten der Nürtinger Fachhochschule und zeichnete die Populationsentwicklung vieler Orchideen-Wuchsorte auf, wie etwa an der Teck. Ihre Vegetationsaufnahmen wurden in zahlreichen Standardwerken verarbeitet.

Das Lieblingskind ihrer späten Jahre war das intensive Studium der Flora der Schonwälder im Forstbezirk Kirchheim. Zu den Ausweisungen der Schonwälder anfang der 1970er-Jahre hatte sie selbst maßgeblich beigetragen, wodurch das Forstamt Kirchheim eine führende Position erreichte. Insbesondere die 1978 aufgenommenen Arbeiten im Hohen Reisach stellen mit der Einrichtung von festen, versteinten Dauerbeobachtungsflächen und deren detaillierte Bestandsaufnahme und Pflanzenartenkartierung eine Pionierleistung dar. Dieses Projekt gehört zu den ältesten seiner Art. Zunächst „nur“ dazu gedacht, den Einfluss der unterschiedlichen Baumarten auf die artenreiche Waldbodenvegetation oder die Auswirkungen einer eventuellen Bodenversauerung festzustellen, erwies sich dieses Freilandlabor als Möglichkeit, die Spuren weiterer Standortfaktoren wie den aktuellen Temperturanstieg und die zunehmende Trockenheit, oder die Sukzession vom Mittel- zum Hochwald mit ihren Auswirkungen auf die Vegetation zu analysieren.

Eine der Lieblingspflanzen von Gertrud Buck-Feucht war der Blaustern, der das Ende des Winters ankündigt. Den Einheimischen vertraut und alltäglich, ist die Scilla vielen Fremden ein seltener und prächtiger Schatz. Auch in diesem Jahr sind sie wieder früher erblüht als noch vor 30 Jahren. „Ein einzigartiger Vergleich, der ohne die Daten von Gertrud Buck-Feucht nicht möglich wäre“, sagt Dr. Niels Böhling, der die Arbeit der Forstbotanikerin seit 1991 weiterführt. ih