Lokales

IKEA ist noch lange nicht aufgegeben

Kirchheims Wirtschaftsförderin Piroska Csösz hat im Gemeinderat ihren Jahresbericht vorgestellt. Schwerpunkte waren dabei die IKEA-Ansiedlung sowie die Vermarktung des Kruichling. Eines ihrer Fazits zog sie gleich zu Beginn: "Die Wirtschaft hat die Dienste der Stabsstelle gerne und häufig in Anspruch genommen."

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Während es bei Verkäufen im Kruichling und bei der Frage, wie es gelingen mag, IKEA tatsächlich nach Kirchheim zu bringen, noch große Schwierigkeiten zu überwinden gilt, konnte Piroska Csösz zunächst von einem großen Erfolg berichten: Das Autohaus Entenmann siedelt sich an der Stuttgarter Straße an. Den Verkauf des 7 500 Quadratmeter großen Grundstücks zu einem Preis von rund 1,8 Millionen Euro bezeichnete die Wirtschaftsförderin im Gemeinderat als den "größten Verkauf eines Einzelgrundstücks in den letzten zehn Jahren".

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Auch im Gewerbegebiet Kruichling stehen dem Bericht zufolge noch im Frühjahr in zwei Fällen Grundstücksverkäufe an, bei denen die Verwaltung mit Gesamterlösen von circa einer Million Euro rechnet. Trotzdem musste Piroska Csösz auch von etlichen Unternehmensanfragen berichten, bei denen der Kirchheimer Kruichling nicht den Zuschlag erhielt. Einige Firmen hätten größere Grundstücke gesucht, oder aber die Topografie passte nicht zu den Vorstellungen der Unternehmen. Andere hätten im Kruichling auch Flächen als Einzelhandelsstandort gesucht.

Um künftig mehr Grundstücke im Kruichling verkaufen zu können, beantragte Helmut Kapp, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gemeinderat, das Gewerbegebiet schnellstmöglich an das Breitbandkabelnetz anzuschließen: "Für viele Firmen ist das Fehlen eines solchen Anschlusses ein K.-o.-Kriterium." Bürgermeister Günter Riemer versicherte im Ratsrund, dass die Verwaltung bereits mit mehreren Anbietern im Gespräch sei und eine Lösung finden werde. Allerdings könnte es sein, dass die Stadt aufwendige Vorleistungen erbringen müsse.

Zu IKEA stellte Helmut Kapp fest, dass es nicht an der Verwaltung liege, wenn die Ansiedlung scheitern sollte. Dr. Silvia Oberhauser von der Frauenliste wollte dennoch wissen, ob sich der Verwaltungsaufwand überhaupt gelohnt habe, wenn die Verhandlungen mit der Region Stuttgart nicht zum gewünschten Erfolg führen. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker stellte in diesem Zusammenhang klar, dass sie die IKEA-Ansiedlung noch lange nicht aufgegeben habe: "Ich denke, wir sind da noch nicht zu Ende. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht so schnell aufgebe."

Das Stichwort, nicht aufzugeben, ist sicher wichtig für die Arbeit der Stabsstelle Wirtschaftsförderung. Zumindest stellte Piroska Csösz am Ende eines Exkurses zum Prozedere der Standortwahl in Unternehmen fest: "Bis zur endgültigen Entscheidung dauert es oft Jahre." Dass für die Arbeit von Piroska Csösz ein langer Atem nötig ist, zeigte auch Gerwin Harand (SPD) auf, der daran erinnerte, dass es die Stabsstelle Wirtschaftsförderung erst seit Mitte 2006 gibt: "In diesen anderthalb Jahren ist schon sehr viel passiert und auf den Weg gebracht worden." Michael Holz von der Fraktion Grüne Alternative meinte, dass von der Wirtschaftsförderung auch Wohlstandsförderung erwartet werde, und gab sich insgesamt verhalten zuversichtlich: "Das wächst jetzt, aber wir brauchen Geduld."

Die Wirtschaftsförderin selbst erwähnte noch, dass in Kirchheim offensichtlich Büroflächen fehlen. Das habe dazu geführt, dass die Zahlen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Nürtingen und Kirchheim seit 2001 deutlich auseinandergegangen sind: "Das liegt daran, dass die Personaldienstleister ihre Büros in Nürtingen haben. Sie stellen dort ein, und deshalb werden die Beschäftigten auch in Nürtingen gezählt." Für Piroska Csösz ergibt sich daraus die Konsequenz: "Wir dürfen den Büromarkt nicht aus den Augen verlieren." Für die Nachfrage nach Büroflächen und Läden seien in Kirchheim bislang nicht immer die passenden Angebote möglich.

Dass Kirchheim auch unter touristischen Gesichtspunkten ein attraktiver Standort ist, belegte die Wirtschaftsförderin, zu deren Aufgabengebiet auch das Stadtmarketing gehört, anhand des großen Erfolgs, den Kirchheim als Etappenort bei der "Tour de Ländle" im vergangenen Sommer verbuchen konnte. 1 600 Übernachtungsgäste habe die Tour an einem einzigen Tag nach Kirchheim geführt, bei der Abendveranstaltung seien rund 7 000 Besucher gezählt worden. Und noch eine weitere Zahl nannte Piroska Csösz in diesem Zusammenhang: Insgesamt seien 35 Hektoliter Bier ausgeschenkt worden zehn Hektoliter mehr, als ursprünglich eingeplant gewesen waren.

Als einen "Akt der Wirtschaftsförderung" bezeichnete Angelika Matt-Heidecker schließlich auch den folgenden Tagesordnungspunkt, zu dem der Gemeinderat bei einer Enthaltung beschlossen hat, sich an der Energieagentur Landkreis Esslingen zu beteiligen, die seit Oktober 2007 besteht. Aufgabe dieser Agentur mit Sitz in Nürtingen ist es, den Bürgern "eine neutrale und qualifizierte Energieberatung" anzubieten sowie Fortbildungsveranstaltungen für Handwerker und Ingenieure zu organisieren. Die Erstberatung für Bürger sei kostenlos, führte die Oberbürgermeisterin aus. Es sei damit zu rechnen, dass die Beratungen auch zu Aufträgen an heimische Unternehmen führen, und außerdem sei die Arbeit der Agentur ein Baustein zum Klimaschutzprogramm. Dass Kirchheim sich an der Energieagentur beteiligt, sei also "Klimaschutz und Wirtschaftsförderung in einem".