Lokales

Im Aufzug eingeschlossen

Diesen Ausflug nach Plochingen wird die Kirchheimer Herzsportgruppe so schnell nicht vergessen. Nicht weil sie vom Hundertwasserhaus oder dem Gartenschaugelände so angetan war, sondern weil neun Personen der Gruppe eine dreiviertel Stunde im Aufzug im Plochinger Bahnhof eingeschlossen waren.

ROLAND KURZ

Anzeige

PLOCHINGEN Die Deutsche Bahn AG hat auch in diesem Fall wieder alles getan, um ihrem Ruf als modernem Dienstleistungsunternehmen gerecht zu werden. "Sch. . . Aufzug, schon wieder kaputt", war alles, was ein Mitarbeiter zur Entspannung der Lage beitrug, bevor er sich entfernte. Und der Pressesprecher der Bahn wies zunächst auf eine EU-Norm hin, nach der feststeckende Menschen binnen 60 Minuten aus einem Aufzug befreit sein müssten. Das habe ja funktioniert. Erst nach etlichen Nachfragen schob er eine Entschuldigung nach und äußerte Verständnis für die besondere Situation dieser Gruppe.

Am Freitagnachmittag, 2. März, wollten die Koronarsportler auf den Eilzug um 17.12 Uhr. Der Aufzug blieb auf dem Weg nach unten stecken. "Vom Bahnhofspersonal konnte oder wollte niemand helfen", berichtet Ernst Löffel, der die Treppe benutzt hatte und die Notrufnummer anrief. In einer halben Stunde komme der Monteur, wurde ihm mitgeteilt. Per Zettel, den man an einen Regenschirm steckte, teilte man dies den Eingeschlossenen mit. Anders konnte man sich durch die dicken Glasscheiben nicht verständigen. Machten die Eingesperrten alles Herzkranke, manche schon am Herz operiert anfangs noch Scherze, wurde die Situation nach 20 Minuten ernster. Eine Frau bekam Atemprobleme, ihr wurde schlecht. Man drückte den Alarmknopf im Aufzug, drückte schließlich zehn Minuten lang drauf, bis sich jemand meldete und fragte: "Was ist?"

Nach 45 Minuten kam schließlich der Monteur, senkte den Aufzug ab, öffnete und ging. Eine Erklärung oder Entschuldigung sei von dem Mann nicht zu bekommen gewesen, regt sich Ernst Löffel auf. Für ihn ist es unverständlich, dass an einem belebten Bahnknotenpunkt wie Plochingen niemand sofort Hilfe leisten kann. Was wäre, so fragt er sich, wenn durch einen technischen Defekt gar ein Feuer ausbrechen würde.

Um 16.55 Uhr sei der Notruf eingegangen, bestätigt Bahnsprecher Reinhold Willing, um 17.38 Uhr sei die Befreiung gemeldet worden. Damit sei zunächst der Norm Genüge getan. Die Bahn habe mit dem Hersteller von Aufzügen Personenbefreiungsverträge abgeschlossen und nur deren Kundendienst könne eine fachgerechte Befreiung garantieren. Dass binnen eines halben Jahres der Aufzug zwei Mal ausgefallen sei, so Willing, sei angesichts der Beanspruchung an einem Knotenpunkt keine Häufung technischer Defekte. Vergangenen Sommer befreite die Feuerwehr am Sonntagmorgen zehn Menschen aus dem Aufzug.

Einen Mangel an Kommunikation konnte der Sprecher zunächst nicht erkennen. Bei der Entgegennahme des Notrufs sei gesagt worden, dass Hilfe komme. Vielleicht seien aber am Freitagnachmittag zwei gestresste Parteien aufeinandergetroffen. Jeder Bahnhofsmitarbeiter, so gestand der Sprecher zu, müsse sich um Fahrgäste kümmern auch wenn er ihnen nicht helfen könne.