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Im Bankenwettbewerb gut aufgestellt

Während die US-Immobilienkrise die Finanzwelt in den vergangenen Wochen und Monaten ziemlich erschüttert hat, ist man sich im Vorstand der Bezirksvereinigung der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Landkreis Esslingen sicher, davon nicht betroffen zu sein. Die genossenschaftlichen Banken hätten sich an solchen Geldanlagen nicht beteiligt, sagte Vorstandsvorsitzender Ulrich Weiß bei einer Pressekonferenz zur Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres.

HENRIK SAUER

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NÜRTINGEN Auch von der DZ-Bank, der Zentralbank der Volksbanken und Raiffeisenbanken, an der alle genossenschaftlichen Banken bundesweit beteiligt sind, seien bislang keine finanziellen Risiken diesbezüglich bekannt. "Wir haben mit der Subprime-Krise nichts zu tun", so Ulrich Weiß, der auch Vorstandsvorsitzender der Volksbank Kirchheim-Nürtingen ist. Als genossenschaftliche Bank setze man auf das Prinzip "in der Region für die Region", alles Sparaufkommen fließe in Investitionen in der Region. "Das Kapital bleibt vor Ort", so Weiß. Da schauten die Prüfer im Übrigen sehr genau hin.

Durch das genossenschaftliche Prinzip sehen sich die elf in dem Bezirksverband zusammengeschlossenen Volks- und Raiffeisenbanken im Bankenwettbewerb gut aufgestellt. Das Alleinstellungsmerkmal der Mitgliedschaft will man deshalb auch in Zukunft verstärkt hervorheben.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Mitglieder erneut gestiegen. 141 892 Personen im Landkreis sind Mitglied bei einer Volks- oder Raiffeisenbank, 232 mehr als im Vorjahr. Das ist in etwa jeder dritte Einwohner. Ulrich Weiß geht davon aus, dass sie eine Dividende wie im Vorjahr erwarten dürfen, die zwischen fünf und sechs Prozent und damit über der Kapitalmarktdividende liege.

"Der Wettbewerb in der Finanzbranche tobt nach wie vor", sagte Bezirksvorstandsmitglied Franz Nadelstumpf von der Volksbank Plochingen. Die Zahl der Anbieter von Finanzdienstleistungen habe sich durch Direktbanken und Internet-Anbieter stark erhöht. Die Volks- und Raiffeisenbanken setzten auf die Verknüpfung von Filiale und Internet.

92 Filialen im KreisDreh- und Angelpunkt bleibe die Geschäftsstelle für den persönlichen Kontakt mit den Kunden im Landkreis Esslingen sind es derzeit 92 Filialen , ergänzt durch die Vertriebswege Telefon, Internet und Außendienst. Die Nähe zu den Kunden, die von diesen zunehmend wieder gewünscht werde, sehe man als Abgrenzungsstrategie zum Wettbewerb. Über den genossenschaftlichen Verbund könne man den kompletten Beratungsbedarf für finanzielle Dienstleistungen abdecken, vom Bausparvertrag über Versicherungen bis zum Fondssparplan.

Bei den Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis werden mittlerweile 94 249 Konten online geführt, etwas über 20 000 mehr als im Vorjahr. Mit dem Mobile-TAN-Verfahren, bei dem der Nutzer per SMS eine TAN (Sicherheitscode) auf sein Handy gesendet bekomme, die nur für den einen Vorgang gilt, verfüge man über ein absolut sicheres Verfahren.

Zwei Themen hob Ulrich Weiß hier besonders hervor: die Altersvorsorge und die kommende Abgeltungssteuer. Mit ihren Einkünften im Alter beschäftigten sich noch immer viele Leute gar nicht, berichtet Weiß. Deshalb wolle man hier verstärkt darauf hinweisen. Seit September verfüge man über ein Instrument, mit dem der Kunde einen Überblick über sein zu erwartendes Einkommen im Rentenalter bekomme, von der Rente bis hin zu den getroffenen persönlichen Vorsorgemaßnahmen.

Die Abgeltungssteuer, die ab 2009 gilt, sollte ebenfalls ein Anstoß sein, sich mit der persönlichen Finanzsituation zu beschäftigen, meint Franz Nadelstumpf. So einfach, wie es sich anhöre, dass nämlich "der Staat 25 Prozent der Zinseinnahmen über dem Freibetrag einbehält und fertig", sei es nicht: "Es gibt da viele Sonderbestimmungen." Jetzt sei noch Zeit, nach Gestaltungsmöglichkeiten zu schauen.

Mit der Geschäftsentwicklung bei den elf Genossenschaftsbanken im Kreis zeigte sich Ulrich Weiß zufrieden, weniger allerdings mit dem Ertrag. Die Kundeneinlagen stiegen um 4,6 Prozent auf vier Milliarden Euro, bei den Krediten wurde ein Plus von 4,3 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro verzeichnet. "Das ist das höchste Wachstum der letzten Jahre", freute sich Weiß. Das Geschäftsvolumen erhöhte sich um 5,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.

Hoher WettbewerbDurch den hohen Wettbewerb sei allerdings die Zinsmarge weiterhin unter Druck. Der Zinsüberschuss sank gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 111,2 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss im Vermittlungsgeschäft konnte leicht auf 35,5 Millionen Euro gesteigert werden. Unter dem Strich ging das Betriebsergebnis vor Risiko auf 43,9 Millionen Euro zurück. Die Kreditrisiken hätten weiter etwas abgenommen.

"Das Ergebnis befriedigt immer noch, aber es darf langfristig so nicht weitergehen", fasste Weiß zusammen. Es gelte, die Abläufe weiter zu optimieren und näher am Markt zu sein: "Wir wollen am Markt wachsen." Bezirksvorstandsmitglied Albert Bendl von der Bernhauser Bank nannte als Beispiel die steigende Zahl der Online-Konten. Für die Bearbeitung dieser Abläufe brauche man weniger Personal als bei den herkömmlichen Konten und könne dieses dann für andere Aufgaben einsetzen.

Ziel sei es, dass 70 Prozent der Mitarbeiter im Markt arbeiten und 30 Prozent in der Marktfolge. Derzeit sei dieses Verhältnis 50 zu 50. Zu einem Personalabbau solle es aber nicht kommen. Im Gegenteil setze man verstärkt auf Ausbildung, weil sich in den nächsten Jahren ein Mangel an qualifizierten Kräften abzeichne, so Ulrich Weiß. Die Zahl der Mitarbeiter bei den elf Banken hat sich gegenüber dem Vorjahr um fünf auf 1278 erhöht. 100 junge Leute werden dort derzeit ausgebildet.

Ausufernde BürokratieScharf kritisiert der Bezirksvorstand die aus seiner Sicht ausufernde Bürokratie. Auf 3,1 Milliarden Euro jährlich beziffere das Institut der Deutschen Wirtschaft in einer Studie die Kosten für alle deutschen Banken allein wegen gesetzlicher Informationspflichten, berichtet Franz Nadelstumpf: "Das ist eine Zumutung."

So habe zum Beispiel der Kampf gegen die Geldwäsche zu Belastungen für die Banken geführt, deren Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand stehe. Zum Beispiel müsse man jedes Mal, wenn die Mitarbeiterin eines Geschäfts die Einnahmen bar auf die Bank bringe, ein entsprechendes Formular bezüglich des Geldwäscheschutzes ausfüllen. Die Bankmitarbeiter würden aber ihre Kunden kennen, und so gehe viel Arbeitszeit durch "formalistische Alibihandlungen" verloren. Dies solle von der Politik und der Aufsicht endlich anerkannt werden, forderte Franz Nadelstumpf.