Lokales

Im Dienste von Alfons Schuhbeck

Simon Winter, Pächter der Vereinsgaststätte des TV Bissingen, kochte für die Stars des FC Bayern München

Kochen mit Simon Peter, Vereinsgaststätte des TV Bissingen, Lauwiesenweg 3, Serie Kochkunst rund um die Teck
Kochen mit Simon Peter, Vereinsgaststätte des TV Bissingen, Lauwiesenweg 3, Serie Kochkunst rund um die Teck

Bissingen. Ob Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Franz Beckenbauer: Sie alle und viele weitere Fußballgrößen des FC Bayern München hat Simon Winter aus Ohmden schon mit seinen Kochkünsten begeistert. Der 25-Jährige kennt die kulinarischen Vorlieben vieler Fußballstars: Lukas Podolski zum Beispiel isst am liebsten Spaghetti mit Ketchup, verrät Simon Winter lachend. Und Franck Ribéry will sein Fleisch stets „totgebraten“. „Das war schon keine Schuhsohle mehr“, erinnert er sich grinsend.

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Zweieinhalb Jahre lang war der Ohmdener in München in Diensten des Starkochs Alfons Schuhbeck tätig. Selbiger sorgt seit vielen Jahren mit seinen angestellten Köchen für das leibliche Wohl der Bayern-Stars. Aber natürlich betreibt er auch einige Spitzenrestaurants in der bayerischen Metropole, in der die Prominenz und die gut Betuchten ein und aus gehen: die Südtiroler Stuben am Platzl zum Beispiel sowie Schuhbecks Orlando und Prinzipal. Simon Winter war im Wechsel in allen „Läden“, wie er sagt, eingesetzt. Für die Bayern-Kicker kochte er zusammen mit weiteren Kollegen zu der Zeit, als Jürgen Klinsmann die Mannschaft trainierte.

Diese zweieinhalb Jahre will der junge Ohmdener und große Fan des FC Bayern auf keinen Fall missen. „Ich habe viele prominente Leute kennengelernt und gesehen, unter anderem die Kanzlerin, und ich bin viel rumgekommen“, erinnert er sich auch an die Spiele der Champions League zum Beispiel in Lissabon, zu denen er die Fußballer begleiten durfte.

Der große und kräftige Simon Winter gerät ins Schwärmen, wenn er von seiner Münchner Zeit erzählt. Verständlich – wer kann schon von sich behaupten, für Alfons Schuhbeck gearbeitet zu haben und den Fußballstars Deutschlands ganz nahe gewesen zu sein? Doch er bleibt bescheiden: „Fast jeder Koch kann bei Schuhbeck anfangen. Die Frage ist nur, wie lange er es durchhält.“ Viele hätten schon nach wenigen Tagen den Hut genommen; der Stress sei ihnen zu viel gewesen, denn der Job sei kein Zuckerschlecken. „Da fliegen schon die Fetzen.“ In der Südtiroler Stuben zum Beispiel würden am Tag zwischen 100 und 200 Essen rausgehen – „bei Minimum drei Gänge pro Nase“.

Eine Sechs- oder gar Siebentagewoche sei Standard gewesen. Einmal habe er sogar drei Tage und drei Nächte durchgearbeitet, als eine große Veranstaltung für eine Münchner Firma anstand. Seine Kollegen seien damals seine Familie gewesen, „man hat ja fast nichts anderes gesehen“, erzählt er weiter. Dennoch will er auf Schuhbeck nichts kommen lassen: „Er ist ein fairer Chef und bezahlt gut, aber man muss halt Leistung bringen.“ Außerdem habe er großen Wert auf hochwertige Qualität der verwendeten Produkte gelegt, lobt Winter.

Als Andenken an seine Zeit im Trainingsgelände des FC Bayern an der Säbener Straße besitzt der 25-Jährige ein Trikot mit den Unterschriften der damaligen Spieler. Einer der „lockersten Typen“ sei Podolski gewesen. „Er ist überhaupt nicht abgehoben, ein richtiger Kumpeltyp. Auch Uli Hoeneß war nie herablassend.“ Das sei er auch nicht gewesen, als er ihm einmal seinen Parkplatz weggeschnappt habe. Das Schild „Reserviert für Uli Hoeneß“ habe er wohl übersehen, erzählt der Ohmdener lachend.

Als sehr entspannt und bodenständig beschreibt er Jürgen Klinsmann. Und auch Philipp Lahm und Miroslav Klose seien schwer in Ordnung. Letzterer sei der einzig Vernünftige „unter den ganzen Kindsköpfen“ gewesen, erzählt Winter mit einem Augenzwinkern.

Mittlerweile sei sein Cousin in München für Schuhbeck tätig. Ihn selbst zog es der Liebe wegen wieder zurück in die Heimat. Nach der aufregenden Zeit in Bayern ging er für ein Jahr zurück in seinen Ausbildungsbetrieb: den Gasthof zur Teck in Dettingen. Anschließend arbeitete der Koch in den Betriebsrestaurants der Kreissparkasse Göppingen und des Sirius Technologieparks in Nabern. In Letzterem werden am Tag zwischen 600 und 800 Essen zubereitet, erzählt Winter. Parallel dazu ließ er sich im Foodservice-Management-Bereich weiterbilden. Außerdem betreibt er seit 2013 einen Partyservice in Kirchheim.

Als dann für die Vereinsgaststätte des TV Bissingen ein Pächter gesucht wurde, haderte der Ohmdener nicht lange und signalisierte sein Interesse. Recht schnell haben sich die Vereinsverantwortlichen für Simon Winter entschieden, der die Gaststätte nach umfangreicher Renovierung – hauptsächlich in der Küche – im Dezember vergangenen Jahres übernahm. Und so zählt der erst 25-Jährige zu den jüngsten Gastronomen im Landkreis Esslingen.

Seinen Schritt bereut hat er bisher nie. Im Gegenteil: Von Anfang an sei es sein Wunsch gewesen, sich selbst­ständig zu machen. Simon Winter setzt in „seinem“ Lokal auf bodenständige, regionale Küche. „Ich finde es wichtig, diese Küche zu bewahren“, sagt er. Zwar hat er viel gelernt in der Spitzengastronomie von Al­fons Schuhbeck, doch die Gäste in Bis­singen ticken anders: „Der Rostbraten läuft am besten, danach kommt gleich das Schnitzel“, erzählt Winter. Auch Wurstsalat und zünftige Vesper kämen vor allem bei den Wandergruppen sehr gut an. Deshalb hat sich der Ohmdener dazu entschlossen, seine eigene Wurst herzustellen. Dies geschieht in der eigens eingerichteten Wurstküche.

Für die Serie „Kochkunst rund um die Teck“ kreiert der 25-Jährige kaltes Matjesfilet mit Dillsahne, lauwarmen, gebratenen Austernseitlingen, Cherrytomaten, gebratenen, neuen Kartoffeln und Blattsalat mit Apfeldressing. „Es ist ein leichtes, sommerliches Gericht, das im Prinzip jeder nachkochen kann.“ In der Regel sei es innerhalb von 30 Minuten fertig, „je nachdem, wie man auf Zack ist“.

Einige der Fußballstars, die er damals bekocht hat, sieht Simon Winter schon heute Abend wieder – allerdings „nur“ auf der Großleinwand: Im Sportheim des TV Bissingen ist ab 21 Uhr das WM-Spiel Deutschland gegen Ghana zu sehen. Und natürlich drückt der 25-Jährige „seinen“ Jungs die Daumen . . .

Simon Winter im Biergarten der Vereinsgaststätte des TV Bissingen. Der 25-Jährige hat schon für Starkoch Alfons Schuhbeck gearbe
Simon Winter im Biergarten der Vereinsgaststätte des TV Bissingen. Der 25-Jährige hat schon für Starkoch Alfons Schuhbeck gearbeitet.Fotos: Deniz Calagan