Lokales

Im Kleingedruckten stehen 23 Euro

Parkplatzbetreiber am Bahnhof verlangt eine vergleichsweise üppige Vertragsstrafe bei fehlendem Parkschein

Die S-Bahn zu benutzen, ist das eine. Zur S-Bahn zu gelangen, ist das andere. Wer mit dem Auto zum Kirchheimer Bahnhof fährt, erlebt mitunter nach der Rückkehr zum Parkplatz sein blaues Wunder: Wer keinen gültigen Parkschein im Fahrzeug deponiert hat, wird mit einer vergleichsweise hohen Vertragsstrafe zur Kasse gebeten.

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Andreas Volz

Kirchheim. Wie immer, empfiehlt es sich, das Kleingedruckte zu lesen: Am Parkscheinautomat zwischen Bahnhof und AOK-Gebäude sind die „Vertrags- und Einstellbedingungen“ in 18 Punkten aufgelistet. Unter den Punkten 6 und 8 gibt es dann jeweils einen Hinweis auf die „sofort fällige Vertragsstrafe in Höhe von 23,00 Euro“, die zusätzlich zum „Nutzungsentgelt“ zu zahlen ist, wenn jemand seine Zahlung nicht „durch einen von außen gut lesbaren, im Fahrzeug ausgelegten Parkschein“ belegt oder aber sein Fahrzeug „nach Ablauf der auf dem Parkschein dokumentierten Parkzeit“ nicht entfernt.

Nun ist es sicher nicht unüblich, an öffentlichen Parkplätzen einen Parkschein zu lösen. Die Kosten von 1,50 Euro für einen ganzen Tag sind auch nicht gerade als überteuert zu bezeichnen. Und selbst eine Strafe wird jeder einsehen, der entweder einen Parkschein vergessen oder aber seine Parkzeit überschritten hat. Die Höhe von 24,50 Euro allerdings, die sich aus den genannten 23 Euro Vertragsstrafe plus „Tagesentgelt“ zusammensetzen, hat schon so manchen Auto- und S-Bahn-Fahrer unangenehm überrascht.

Bei der Kirchheimer Stadtverwaltung sind deshalb schon Beschwerden eingegangen. Dem Teckboten gegenüber hat ein verärgerter Parkplatznutzer von einem besonders krassen Fall berichtet: Nach seiner Aussage hat er seinen Parkschein ordnungsgemäß gelöst und ihn geraume Zeit nach der Rückkehr zu seinem Fahrzeug weggeworfen. Eine Zahlungsaufforderung an der Windschutzscheibe hatte er nicht vorgefunden. Dafür aber erhielt er einige Tage später ein Schreiben, in dem er besonders kräftig zur Kasse gebeten wird, weil zusätzlich zu Tagesentgelt und Vertragsstrafe noch Mahngebühren gefordert sind. Seine ursprüngliche Zahlung nachweisen kann der Mann nicht mehr, der Parkschein ist ja weg. Mit dem Sachverhalt beschäftigt sich nun erst einmal der Rechtsanwalt.

Zuständig für die Parkplätze ist anscheinend die „DB BahnPark GmbH“, als deren Gesellschafter im Internet die „DB Station&Service AG“ sowie die „Contipark International Parking GmbH“ aufgeführt sind. Bei den „Vertrags- und Einstellbedingungen“ am Parkscheinautomat ist die „Contipark Parkgaragengesellschaft mbH“ aufgeführt. Auskünfte hat die „DB BahnPark“ mit Sitz in Berlin dem Teckboten trotz Nachfrage bislang nicht erteilt.

Bürgermeister Günter Riemer hat ebenfalls noch keine konkreten Antworten bekommen. Er hat es aber nicht nur mit „DB BahnPark“ und „Contipark“ zu tun, sondern auch mit dem Immobilienunternehmen „aurelis“ – jener Bahntochter also, der die Fläche am Bahnhof gehört und die seit Jahren schon mit ihren Preisvorstellungen verhindert hat, dass die Stadt Kirchheim selbst einen Parkplatz am Bahnhof betreiben kann. Diesem Unternehmen gegenüber hatte die Stadt zum S-Bahn-Start einen Bedarf von 250 Stellplätzen angemeldet. Bis jetzt gebe es aber nur 100 bis 120 Stellplätze, sagt Bürgermeister Riemer, der erreichen will, dass auch unter und hinter der Steingaubrücke geparkt werden kann.

Ohnehin spricht Günter Riemer von einem enormen „Parkdruck“ in der gesamten Bahnhofsumgebung. Dazu trage auch das Berufsschulzentrum bei. Zwischen Henrietten­straße und Schöllkopfstraße sei tagsüber kaum mehr ein Parkplatz zu bekommen.

Was folgt daraus für die S-Bahn-Nutzer? Es empfiehlt sich, Parkscheine zu lösen, sie wirklich gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe zu legen und vor allem auch nach dem Parken noch lange aufzubewahren. Und wer die Möglichkeit hat, mit dem Bus zum Bahnhof zu gelangen, sollte vielleicht ganz auf das Auto verzichten. Konsequent wäre es zumindest, den ÖPNV schon von der nächsten Bushaltestelle aus zu nutzen. Und je nach Fahrschein entstehen dadurch noch nicht einmal Zusatzkosten – geschweige denn Vertragsstrafen.