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"Im Kontext mit der Wirtschaftsförderung zu sehen"

Beim Kirchheimer Stadtforum zum Thema "Räumliche Perspektiven für die Wirtschaft" stellten Winfried Schwantes und Dietrich Henckel in der Alleenschule das Gewerbeflächenentwicklungskonzept vor, das sie gemeinsam für die Stadt Kirchheim erstellt hatten. Besondere Schwerpunkte legten sie auf die Wirtschaftsförderung und die interkommunale Zusammenarbeit.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Bürgermeister Günter Riemer sprach von einem "laufenden Prozess" der Bürgerinformation, dem das Kirchheimer Stadtforum zum Gewerbeflächenentwicklungskonzept in erster Linie diente. Das Konzept selbst sei in mehreren Stufen erarbeitet worden, unter Beteiligung der Stadtverwaltung, des Wirtschaftsbeirats sowie von Vertretern der örtlichen Wirtschaft und der örtlichen Banken. Im Februar hatte der Gemeinderat der Konzeption zugestimmt, jetzt folgte mit dem Stadtforum die Bürgerbeteiligung. Im Konzept gehe es darum, Entwicklungsmöglichkeiten sowie Maßnahmen zur Modernisierung veralteter Standorte aufzuzeigen. Das alles stellte Günter Riemer unter das Motto: "Wir wollen gut vorbereitet sein auf die Entwicklung der Zukunft."

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Professor Diplom-Ingenieur Winfried Schwantes vom Stuttgarter Planungsbüro "ORplan" ging zunächst auf die Ausgangslage in Kirchheim ein. Als "beschäftigungsintensivste Branche" nannte er an erster Stelle das "Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen", gefolgt von der "Herstellung von Geräten der Elektrizitätserzeugung und -verteilung" und vom Einzelhandel (ohne Autohäuser und Tankstellen). Dass Kirchheim zurecht für sich als Einkaufsstadt wirbt, lässt sich also auch durch Zahlen des Statistischen Landesamts belegen. An vierter Stelle steht der Maschinenbau, der in Kirchheim allerdings nach wie vor unterrepräsentiert ist verglichen mit der Situation im Kreis Esslingen. Daraus zieht Schwantes den Schluss, dass es sich lohnen könnte, neue Maschinenbaubetriebe in Kirchheim anzusiedeln.

Letzteres wird eine wichtige Aufgabe für die neue Wirtschaftsförderin Piroska Csösz werden. Am morgigen Freitag stellt sie sich auf der BDS-Mitgliederversammlung vor, am 1. Juli tritt sie ihr Amt an, wie Bürgermeister Riemer beim Stadtforum mitteilte. Wie wichtig gerade die Wirtschaftsförderung ist, betonte Professor Dr. Dietrich Henckel vom Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin: "Die Komplexität der Planungsaufgaben steigt. Verschiedene Fachplanungen müssen vernetzt werden, und so ist auch das Gewerbeflächenentwicklungskonzept nur im Kontext mit der Wirtschaftsförderung zu sehen." Deren Adressaten seien sowohl die Unternehmen im Bestand als auch Existenzgründer und ansiedlungswillige Unternehmen von außerhalb.

Bei den ansiedlungswilligen Unternehmen sei allerdings zu bedenken, dass sie ihre Standorte in der Regel nur in kurzen Distanzen verlagern, in einem Umkreis von 25 bis 50 Kilometern. Insofern müssten sich benachbarte Kommunen beim Thema Wirtschaftsförderung gegenseitig Konkurrenz machen. Andererseits brachte Dietrich Henckel die verstärkte Zusammenarbeit von Städten und Gemeinden ins Spiel, wofür es bereits eine ganze Reihe positiver Beispiele gebe: "Die regionale und interkommunale Kooperation wird künftig von großer Bedeutung sein, wenn sie auch im Einzelfall politisch nur schwer umzusetzen ist."

Bekanntlich ist im Gewerbeflächenentwicklungskonzept vorgesehen, an der Autobahnausfahrt Kirchheim Ost zu beiden Seiten der Autobahn Gewerbegebiete auszuweisen falls ein internationaler Großkonzern die Absicht haben sollte, sich in der Region Stuttgart anzusiedeln. Wenn es dazu kommen sollte, würde also tatsächlich ein interkommunales Gewerbegebiet entstehen, an dem sowohl die Stadt Kirchheim als auch die Gemeinde Dettingen beteiligt wären. Allerdings ist das alles noch Zukunftsmusik, ohne dass jemals Absichtserklärungen von Seiten der Wirtschaft abgegeben worden wären. Bürgermeister Riemer sagte deshalb klar und deutlich: "Den internationalen Großkonzern sehen wir leider noch nicht am Horizont."

Anders sieht es im Gewann "Hegelesberg" aus, in unmittelbarer Nähe zur Autobahnausfahrt Kirchheim West. "Ein großes schwedisches Möbelhaus hat erneutes Interesse an der Ansiedlung", berichtete Günter Riemer in der Alleenschule. Allerdings gebe es dabei ganz andere Schwierigkeiten: "Das lässt der Regionalplan momentan in der gesamten Region Stuttgart nicht zu."

Unabhängig von diesem Ansiedlungswunsch ist die Planung beim "Hegelesberg" schon wesentlich weiter fortgeschritten als beim "Hägele" in Ötlingen. Zu dieser umstrittenen Fläche sagte Winfried Schwantes auf Nachfrage, dass sie gegebenenfalls über den "Kruichling" erschlossen werden solle. Außerdem sei in diesem Fall auch an eine Südumfahrung Ötlingens gedacht. Dass Landwirte und Landwirtschaftsbehörden bislang nicht zum Gewerbeflächenentwicklungskonzept befragt worden seien, erklärte Schwantes damit, "dass wir noch nicht soweit sind". Das werde erst konkret, wenn die Bauleitplanung beginne. Ob das Gewann "Hägele" überhaupt jemals zum Gewerbegebiet wird, hängt ohnehin von der künftigen Wirtschaftsentwicklung ab, die bisher nicht im Detail zu prognostizieren ist. Dass aber Flächen an der Autobahn gesucht sind auch im Zusammenhang mit der Fildermesse , belegte Winfried Schwantes anhand des Beispiels Leinfelden-Echterdingen.

Generell sei es kostengünstiger, "jungfräuliche Natur zu verbrauchen als Flächenrecycling zu betreiben", führte Bürgermeister Riemer noch aus. Trotzdem müsse sich Kirchheim darum bemühen, vorhandene Gewerbegebiete zu sanieren. Öffentliche Subventionen würden dabei in der Regel eine Menge privates Kapital aktivieren. Die Möglichkeit, über die Einstufung als Sanierungsverdachtsgebiet Landesmittel bekommen zu können, nannte auch Professor Schwantes. Gebiete, die dafür in Frage kämen, seien die westliche Innenstadt bis zur Boschstraße, das Bahnhofsumfeld sowie der Bereich Dettinger Straße / Faberweg.

In diesem Fall brauche es keine völlig neue Erschließung, aber einiges an Verbesserungen. So wird empfohlen, einen direkten Anschluss der Dettinger Straße an die Autobahn herzustellen. Gleiches gilt auch für die Bohnau, die ebenfalls nur schwer von der Autobahn aus zu erreichen ist. Winfried Schwantes sagte abschließend: "Wenn wir da den Verkehr verbessern könnten, wäre das eine gute Entwicklung, von der auch die Erschließung von Brachflächen profitieren würde."