Lokales

Im Land der Barockbaumeister und über 100 Berggipfel

Die Sänger des Bissinger Männerchores hatten sich als Reiseziel für ihren Zweitagesausflug den Bregenzerwald auserkoren. Gutgelaunt nahmen 47 Teilnehmer, davon 25 Sänger, zur Abfahrt im Omnibus ihren Platz ein.

BISSINGEN Die Fahrt führte zunächst auf der Autobahn nach Finningen bei Neu-Ulm. Hier galt es noch des Chores wohl wichtigste und gleichzeitig auch gewichtigste Person, seinen Chorleiter Christian Vogt, aufzunehmen. Nachdem alle vollzählig an Bord waren, konnte Reiseleiter und Organisator dieses Zweitagesausfluges, Wilfried Haug, eine kurze Reisebeschreibung in seine Begrüßung mit einbeziehen.

Anzeige

Auf der Fahrt in Richtung Allgäu erspähte des Kenners Auge bald, dass die Berge nach den letzten Wetterkapriolen noch mit reichlich Schnee bedeckt waren. Über Immenstadt ging es vorbei am herrlich in der Morgensonne sich wiegenden Alpsee bei Bühl und dann am "Hündle", dem bekannten Skigebiet bei Oberstaufen. Links war der Hochgrat zu sehen und im Süden grüßte der Säntis. An der früheren Grenzstation zwischen Deutschland und Österreich in Aach erhielt die Reisegesellschaft vom Reiseleiter Informationen zu der Region Bregenzerwald. Sie konnte erfahren, dass im Bregenzerwald etwa 30 000 Menschen in 22 ursprünglichen Dörfern mit bäuerlicher Tradition leben. Die Häuser sind eine Mischung aus alter und neuer Architektur. Ein besonderer Hinweis galt dem typischen "Wälderhaus", in welchem sich Stallungen, Scheune, Wohnteil und Veranda unter einem Dach und das ganze mit Holzschindeln verkleidet, befinden. Geografisch reicht der Bregenzerwald im Norden von der Weissach nahe der Grenze zum Allgäu und im Süden bis zum Hochtannberg und Arlberggebiet.

Kulturell hat der Bregenzerwald auch einiges zu bieten. Zum Beispiel findet jedes Jahr in Schwarzenberg im Angelika-Kauffmann-Saal die weit über den Bregenzerwald hinaus bekannte Schubertiade unter Mitwirkung berühmter Künstler statt. Angelika Kauffmann selbst ist wohl die bekannteste Frau aus dem Bregenzerwald. Sie war besonders in Rom eine gesuchte Kunst- und Porträtmalerin, wirkte 15 Jahre in London und wurde Gründungsmitglied der Royal Academy of Arts. Ihr berühmtes Selbstbildnis zierte einst die österreichische Hundert-Schilling-Banknote. Nach dieser Einführung fuhr man weiter, begleitet vom Gebirgsfluss Bregenzer Ache und mal aufgehalten von der die Fahrbahn querenden Schmalspurbahn mit ihrer Dampflok.

Durch die von Bergen umgebenen Ortschaften Hittisau, Lingenau, Egg, Mellau und Au wurde die Talstation der Bergbahn Diedamskopf in Schoppernau erreicht. Nach einer Stärkung nahm man die Auffahrt mit der Kabinenbahn auf den 2050 Meter hohen Diedamskopf gelassen hin. Es herrschte schönstes Bergwetter mit einer tollen Fernsicht. Allerdings lag neben dem Bergrestaurant noch knietiefer Schnee, sodass nur einige Unentwegte, zwar bergerfahrene den Aufstieg zum Gipfelkreuz wagten. Aber auch von der Terrasse aus konnte man ein einzigartiges Hochgebirgspanorama mit über 100 Berggipfeln dreier Länder bewundern. Es fing links an, um nur einige zu nennen, mit Hoher Ifen, Walmendinger Horn, Widderstein, Mohnenfluh bei Lech, Hochkünzelspitze, Zitterklapfen, Zimba im Rätikon, die Schesaplana rechts oberhalb des Lüner Sees im Brandner Tal, Damülser Mittagspitze und im Vordergrund den Hausberg von Au, die Kanisfluh. Der Chor selbst sang auf der Terrasse einige Berg- und Trinklieder. Herzlicher Beifall der übrigen Bergwanderer war der Lohn für die gelungenen Vorträge.

Nach diesem Bergerlebnis galt es, das eigentliche Quartier der Sänger, das Vier-Sterne-Hotel "Adler" im 800 Meter hoch gelegenen 1 650-SeelenDörfchen Au, aufzusuchen. Es gehört zum Gebiet des hinteren Bregenzerwaldes und wurde zu Urzeiten als Weidegebiet genutzt. Dass es nicht nur Sennerinnen und Senner in diesem Gebiet gab, wird durch die Auer-Handwerkerzunft dokumentiert. Der erste bedeutende Barock-Baumeister aus Au war Michael Beer (1605 1666). Seine Arbeiten und Werke waren die Pfarrkirche in Bludesch, Vorarlberg, die Stiftskirche St. Lorenz in Kempten und das Rottenmünster in Rottweil. Weitere Baumeister folgten und setzten die erfolgreiche Arbeit der Auer-Zunft fort, so in Zweifalten und Obermarchtal. Die herausragendsten sind die Wallfahrtskirche in Birnau am Bodensee, St. Peter im Schwarzwald, Ebersmünster im Elsass und die Stiftskirche und Bibliothek in St. Gallen.

Nach einer Erfrischung und schöpferischen Pause folgte ein sehr gutes Abendessen. Wie es sich bei Sängern gehört, schloss sich ein gemütliches Beisammensein an, das der Gegend angepasst fast einem Hüttenabend entsprach. Man hatte zwei einheimische Musiker engagiert. Sie waren mit ihrer Steirischen, ihrer Gitarre und ihrem Gesang eine tolle Bereicherung des Programms. Der Männerchor glänzte mit seinen Berg-, Wein- und Liebesliedern. Als das Lied "Wir sind die Könige der Welt" verklungen war, standen plötzlich die Frauen der Sänger im Vordergrund und überraschten diese mit ihrem Liedtext, "Ihr seid zwar die Könige der Welt, aber wir sind die Königinnen". Der weitere Text brachte zum Ausdruck, dass die Männer wohl nichts ohne ihre Frauen wären. Zum Schluss folgte jedoch die gesangliche Versöhnung. Die Hotelchefin, Maria Simma, erhielt als Erinnerung an den Männerchor aus Bissingen ein Buch über dessen Geschichte im Zusammenhang des Jubiläums zum 175-jährigen Bestehen im Jahre 1999. Umrahmt wurde diese Geste mit dem Chorvortrag "Abendfrieden".

Die hellen Sonnenstrahlen trieben die Sänger mit ihren Angehörigen wieder zeitig aus den Federn. Nach einem reichlichen Frühstück sang der Chor "Das Morgenrot" von Pracht und "Neuer Morgen" von Gotthilf Fischer. Der Bus brachte die frohgelaunte Schar Richtung Hochtannberg. Hinter Schoppernau stieg eine kleinere Gruppe aus und wanderte an der Bregenzer Ache entlang zurück zum Hotel. Die im Bus verbliebenen ließen sich bis auf die Passhöhe beim Hochtannberg chauffieren. Ein einmaliges Erlebnis war die Bergkulisse mit Blick zur Braunarlspitze und zum Felsmassiv des mächtigen Widdersteins. Mit Ehrfurcht sahen die Sänger zu dem von Chormeister Gotthilf Fischer aufgestellten Friedenskreuz auf. Es trägt die Inschrift "Frieden sei dieser Welt beschieden". Dieses Kreuz befindet sich auf einem Berghügel gegenüber des Widdersteins auf Höhe des Hochtannbergpasses. Beeindruckt kehrte man zum Hotel zurück.

Nach dem Mittagessen nahmen die Bissinger Abschied vom Bregenzerwald. Nach zügiger Fahrt legten sie in Isny eine Pause ein, um anschließend über die Autobahn zurück nach Finningen bei Neu Ulm zu fahren. Im "Hotel-Landgasthof Hirsch" ließ die Gruppe den Ausflug gemütlich ausklingen. Es war noch Tag, als die Ausflügler am Abend wohlbehalten zuhause wieder ankamen.

hg