Lokales

Im Leerlauf aus großer Höhe leise auf Stuttgart sinken

Im Jahr 2007 starteten nach Osten und landeten aus Richtung Osten auf dem Stuttgarter Flughafen rund 60 000 Flugzeuge. Die Maschinen fliegen den Airport von der Alb kommend im Sinkflug an beziehungsweise steigen über die Alb hinweg nach Osten. Vor allem in den Abendstunden wird dies in den Gemeiden am Albtrauf registriert. Teckboten-Redakteur Richard Umstadt sprach mit einem Stuttgarter Luftverkehrsexperten über Möglichkeiten der Lärmminderung.

Wie müsste ein Anflug auf Stuttgart von Osten beziehungsweise Süden über die Alb höhenmäßig abgestuft werden, um so wenig wie möglich Lärm in den Albtraufgemeinden wie Beuren, Owen, Bissingen und anderen zu verursachen?

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Es müsste ein Sinkflug (CDA) mit Leerlaufleistung durchgeführt werden. CDA heißt Constant Descent Approach. Bei diesem Approach ist es möglich, von großer Höhe (höher sechs Kilometer) mit Leerlaufleistung bis zum Eindrehen in das Endteil zu fliegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Pilot einen etwa 20 Kilometer langen Puffer für Geschwindigkeitsabbau und Störeinflüsse wie Wind, Temperatur oder ähnliches benötigt.

Wie ist das Prozedere beim Landeanflug? Ab wann nehmen die Piloten das Gas heraus beziehungsweise reduzieren den Schub? Wirkt sich dies hörbar geräuschmäßig aus?

Wenn der Sinkflug ab Reiseflughöhe gut geplant ist und die Lotsen mitspielen, dann ist es nicht nötig, große Schubänderungen zur Geschwindigkeitsreduktion vorzunehmen. Einzig das Bewegen der Landeklappen in die erste Stellung erzeugt bei verschiedenen Flugzeugen mehr oder weniger laute Luftgeräusche (hört sich an wie das Einfahren einer U-Bahn). Die Piloten einiger Airlines bevorzugen es bisweilen früher den Sinkflug einzuleiten, um jederzeit den Anflug beginnen zu können. Dieses Verhalten macht keinen Sinn, wenn zuviel Verkehr ist, weil man dann auf schnelle Abflüge nicht hoffen kann.

Wo, das heißt, über welcher Ortschaft ungefähr, drehen die Maschinen beim Anflug auf Stuttgart aus Osten beziehungsweise Süden in den langen Endteil ein und in welcher Höhe fliegen sie dann?

Circa 18 Kilometer vor der Landebahn schneidet das Flugzeug den Gleitpfad an und verlässt die vorgegebene Höhe von 4 000 Fuß. Wird normal angeflogen, dann dreht das Flugzeug etwa bei Reichenbach in den Endanflug ein. Es kann aber auch sein, dass der Einstieg in den Endanflug noch 32 Kilometer weiter nach Osten verschoben wird, falls viel Verkehr ist.

Würde sich dies verändern, würde die zweite Start- und Landebahn gebaut, die nach Osten ausgerichtet werden soll?

Nein.

Gibt es für Nachtanflüge nach Stuttgart besondere Anweisungen für Piloten?

Nein, weil die Anflüge davon unberührt sind und genauso abgeflogen werden müssen. Sicherheitsgründe sprechen dagegen. Grundsätzlich soll immer Lärm vermeidend angeflogen werden.

Wird in der Praxis der Flughafen direkt angeflogen, wenn eine Maschine am Abend verspätet hereinkommt und eine Ausnahmegenehmigung besitzt? Welchen Anflugweg nimmt sie dann von Osten beziehungsweise Süden?

Nein. Auch verspätete Maschinen genießen keinen Freibrief. Sie haben nur meist keinen Verkehr mehr vor sich. Es gibt keine Sichtanflüge mehr in Stuttgart für Verkehrsmaschinen. Alle nehmen den gleichen Weg. Gesteuert wird der anfliegende Verkehr aus Langen/Hessen bis circa 2 000 Fuß über Grund. Dann wird zum Tower in Stuttgart gewechselt. Die Hauptfragestellung ergibt sich aus dem Problem, dass der Lotse keine Ahnung von der orografischen Beschaffenheit der Gegend hat. Er leitet den Verkehr oberhalb der Minimumhöhen, damit keine Maschine in irgendeinen Berg fliegt, doch sonst sind ihm das Gelände und die Besiedelungsgebiete nicht bekannt. Bei aller Optimierung darf man nicht vergessen, dass die Lotsen auch den abfliegenden mit dem anfliegenden Verkehr koordinieren müssen. Das bedingt gewisse Höhenzwänge. Trotz allem ist ein Potenzial vorhanden, das meiner Meinung nach noch nicht optimal genutzt wird.

Vielen Dank für das Gespräch.