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"Im Märzen der Bauer den Antrag ausfüllt"

Nach drei Minusjahren sind die Einkommen der Bauern inzwischen wieder etwas gestiegen. Doch das ist schon fast das Ende der guten Nachrichten: Beim Kreisbauerntag kamen zahlreiche Sorgen und Probleme der Bauern zur Sprache, unter anderem das Übermaß an Bürokratie.

PETER DIETRICH

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FILDERSTADT "Im Märzen der Bauer den Antrag ausfüllt" die spöttische Anmerkung von Landrat Heinz Eininger sprach den in der Gemeindehalle in Filderstadt-Sielmingen versammelten Bauern aus dem Herzen. Eininger mahnte, EU-Vorgaben nicht strenger als eins zu eins umzusetzen und bestehende Vorgaben auf Praktibilität zu überprüfen.

Auf jeden Fall für praktikabel hält Walter Vohl die neue Doppelspitze des Kreisbauernverbands Esslingen: "Ich bin mir sicher, dass sie besser harmoniert als die beim Fußball", meinte er zu seinem Abschied. Nach 14 Jahren übergab er den Vorsitz an seine beiden Nachfolger Michael Zimmermann aus Köngen und Siegfried Nägele aus Bissingen sein Rückzug auf die Stellvertreterbank.

Die Eröffnung des Kreisbauerntags nutzte Vohl, um nochmals auf die Sorgen der Bauern hinzuweisen, wie die extreme Verteuerung der Energie und die künftigen Sozialabgaben für polnische Saisonarbeitskräfte. Das Vorhaben, diese Saisonarbeiter teils mit deutschen Arbeitslosen zu ersetzen, halte er eigentlich für eine gute Idee doch wo fände man welche, die diese Knochenarbeit zuverlässig erledigten? Vohls Kritik galt auch den neu ausgewiesenen Vogelschutzgebieten entlang des Albtraufs. Dabei sei "richtig zugelangt worden", seien deutliche Korrekturen nötig: "Wenn wir in diesen Gebieten so gravierende Fehler gemacht hätten, wären die Vögel schon nicht mehr da." Das Energieeinspeisungsgesetz sei in der Landwirtschaft positiv angekommen und habe Investitionen ausgelöst. Nun dürfe es keine Verschlechterung der Konditionen geben.

"Wir brauchen die Landwirtschaft, wenn wir langfristig und nachhaltig denken", bestätigte Gastgeber Peter Bümlein, Oberbürgermeister von Filderstadt. Als Gastreferenten hatten die Bauern den Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk, geladen. Zum Thema Agrarreform kritisierte dieser, dass Großbetriebe in anderen Ländern sechs- bis siebenstellige Förderbeträge kassieren sollen. Auch wenn das Land seine Förderung unverändert beibehalte, werde es für Bauern in Baden-Württemberg Einbußen geben. "Wir müssen den Verbrauchern wieder verstärkt klar machen, dass Essen und Trinken ein Teil der Lebenskultur sind", forderte Minister Peter Hauk. Eintausend Bauern würden im Landkreis Esslingen rund 513 000 Verbraucher gegenüberstehen, und zwar mit großer Kaufkraft.

In der Aussprache wandten sich Bauern entschieden gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Der Minister entgegnete, nur neutrale staatliche Versuche gäben ihm überhaupt eine Handhabe, sonst müsse der Anbau nach der Rechtslage zwingend genehmigt werden: "Meine staatliche Aufgabe ist, die Koexistenz zu gewährleisten."

Zum Kreisbauerntag gehören natürlich auch Ehrungen: Neben Walter Vohl galten sie unter anderem den Betrieben, die an der Landesaktion "Gläserne Produktion" teilgenommen hatten. Sieben Nachwuchskräfte haben im Jahr 2005 ihre Prüfung im Ausbildungsberuf "Landwirtin/Landwirt" bestanden, drei weitere als Winzer und eine als Hauswirtschafterin.