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Im "Reich der schönen Lau"

Rund 180 Besucher ließen sich in der Falkensteinhalle in Grabenstetten ins "Reich der schönen Lau" führen. Im Rahmen des jährlichen Gästeabends stellte die Arge Grabenstetten dort ihre jüngsten Forschungserfolge bei Blaubeuren vor. Bei einer weiteren visuellen Exkursion ging's in ein Großhöhlensystem in Südwales.

MICHAEL RAHNEFELD

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Es dürfte einer der größten Forschungserfolge in der über 30-jährigen Geschichte der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst (Arge Grabenstetten) sein, der auf der Alb verbucht werden konnte. Spätestens seit der Entdeckung der Verbindung zwischen Vetterhöhle und Blauhöhle steht fest, dass sich hinter dem Blautopf ein weit größeres Höhlensystem verbirgt, als jemals vermutet.

Vierjährige ArbeitDie Erkenntnis darüber erlangten die Arge-Forscher in vierjähriger mühevoller und äußerst gefährlicher Grabarbeit in der sogenannten Vetterhöhle bei Blaubeuren. 38 Meter tief "gruben" sie sich an einer Felswand hinab, wie Robert Eckardt in eindrucksvollen Bildern belegte, um sich dann im wahrsten Wortsinne vor Mörikes Sagengestalt, der "schönen Lau", zu verneigen. Die Tropfsteinformation, in der tatsächlich die "schöne Lau" zu erkennen ist, befindet sich über jener engen Stelle, die zunächst in die "Herbert-Griesinger-Halle" führt, benannt nach dem verstorbenen, früheren Vorsitzenden der Arge.

Luftzug halfEin starker Luftzug, der überhaupt erst die Arge-Forscher veranlasst hatte, den Spalt an der Vetterhöhle zu öffnen und bergmännisch bis in die Tiefe zu verbauen, war auch in dieser zuerst entdeckten Halle zu verspüren und wies den weiteren Weg zum "Palast der Winde", einer noch weitaus größeren Halle.

Wie mühevoll dabei das Vordringen in der ewigen Dunkelheit ist, machten die Bilder und Videoclips von Robert Eckardt deutlich. Im August dann der Knüller: Die "Walhalla" wird entdeckt, einer der größten Karsthohlräume der deutschen Mittelgebirge. Welche Dimensionen diese unterirdische Halle hat, in die locker das Kirchenschiff des Ulmer Münsters passen würde, machte Robert Eckardt mit einem fototechnischen Trick auf der Großleinwand deutlich.

"Wolkenschloss"Dann schließlich noch jüngst die Entdeckung des Zugangs zum "Wolkenschloss", einer Halle in der Blauhöhle, die bislang nur Tauchern zugänglich war, die durch den Blautopf in das System vordrangen.

Eckardt schilderte dann noch weitere Bereiche des Vetterhöhlensystems, das sich quasi nordwestlich des Blauhöhlensystems anschließt und mittlerweile eine Gesamtlänge von 1750 Metern aufweist. Einer der bisher entdeckten Gänge zieht sich sogar unter der Bundesstraße 28 hindurch.

Kaum weniger beeindruckend sind die Bilder von Tobias Tränkle, der Höhlen und Landschaften von Südwales vorstellte. Bei einer Reise auf die britische Insel im vergangenen Herbst besuchte eine Gruppe Arge-Forscher zunächst den Vereinskameraden Dr. Mark Morgan, der in Süd-Wales eine Farm betreibt und seine Freunde in die "Ogof Ffynnon Ddu" führte. Das Höhlensystem, kurz als OFD bezeichnet, ist 50 Kilometer lang und zählt zu den größten auf der Insel. Bei mehreren Exkursionen lernten die Forscher von der Alb die 300 Millionen Jahre alte Höhlenlandschaft kennen. Tränkle zeigte darüber hinaus viele Bilder von der sanften Landschaft und vom Aufenthalt im Heim des "South Wales Caving Club", wo es zu einem Zusammentreffen mit Forschern aus aller Welt kam. Auch zur Geschichte von Wales und so manchen Eigenheiten berichtete Tränkle.

Ehrung von MitgliedernZu Beginn des Gästeabends in Grabenstetten hatte Fritz Mammel aus Ulm, der neue Vorsitzende der Arge-Grabenstetten, die Gäste in der Falkensteinhalle begrüßt. Bei dieser Gelegenheit ehrte er auch langjährige Mitglieder und übergab ihnen Urkunden. 25 Jahre gehören der Arge Grabenstetten an: Petra und Markus Boldt sowie Marco Ring. Seit zehn Jahren sind dabei: Alan Pearson, Jens Freigang, Thomas Englert, Florian Renz, Christoph Schmitz, Peter Haberland, Jörg Haussmann, Dominik Jauch, Stefanie Kirn und Andreas Schober.