Lokales

Im Saturdaynight- und EM-Fieber

Rauschendes 29. Haft- ond Hokafescht mit rund 15 000 Besucher – Friedliches Miteinander

Von der Kultnacht des club bastion bis zum EM-Finale: Das 29. Kirchheimer Haft- ond ­Hokafescht am vergangenen Wochenende glich einer rauschenden Riesenparty in der historischen Innenstadt. Dabei boten 56 Vereine und Organisationen den rund 12 000 Besuchern bei herrlichem Kaiserwetter beste Unterhaltung und internationale Köstlichkeiten.

richard umstadt

Kirchheim. Bekanntlich bringen Scherben Glück. So wertete es Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker auch nicht als schlechtes Omen, als ihr beim zweiten Schlag des traditionellen Fassanstichs der Bierkrug zu Bruch ging. Sie freute sich auf ein friedliches Miteinander beim 29. Stadtfest in Kirchheim. „Das ist ein Zeichen für Lebensqualität hier in unserer Stadt“, war sie sich sicher und die 56 Vereine und Gruppen gaben ihr Bestes, um die Gäste aus nah und fern zu unterhalten und zu verköstigen. Schon von weitem stieg den Besuchern am Kornhaus gestern der Duft von gegrillten Sardinen in die Nase, da hatten es die „Roten“ schwer mitzuhalten. Die mediterrane und südostasiatische „Speisenkarte“ war überwältigend: Döner, Adana-Kebap, Lahmacun, Gözleme, Vorspeisenteller, Cevapcici, Salsiccia, Pizzaschnitte, Manti, Biriyani, Kotthu-Rotthi und tibetische Maultaschen – bei einem so reichhaltigen Angebot fiel die Wahl nicht leicht. Und wer sich dann noch einen Nachtisch gönnen wollte, der musste sich wiederum entscheiden zwischen ­selbst gebackenen Kuchen, Waffeln mit Apfelmus, Mohrenkopfwecken, Melonenteller und Früchtespießen.

Waren die Besucher in der Innenstadt bei den mediterranen Temperaturen in der Nacht zum Sonntag in absoluter Festlaune und kaum zum Heimgang zu bewegen, so füllten sich die Seitengassen der Marktstraße gestern morgen rasch wieder, um beim Flohmarkt das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern. Auf den Klapptischchen, darunter und daneben harrten Kinderbücher, Klamotten, Skistiefel, eine Sammlung exotischer Schmetterlinge und Käfer, Kunststoffsaurier, Kickstiefel, Kinderfahrräder, Plastikrosen und vieles mehr auf kleine und große Käufer.

Während den brütend heißen Mittagsstunden ebbte der Menschenstrom etwas ab, um dann am Nachmittag wieder in die Innenstadt zurückzufluten – auch, um die Darbietungen auf der Bühne des Marktplatzes nicht zu versäumen, deren Akteure wirklich Bewunderung verdienen. Dort sowie an ihren Ständen und auf dem Rossmarkt zeigten die Kirchheimer Vereine mit Tänzen vom Square Dance über Rap bis hin zum Rock‘n‘Roll und sportlichen Vorführungen vom Fußball bis zu Karate die ganze Bandbreite ihres Könnens. In die Welt des Mittelalters konnten Mädchen und Buben bei den „Fogelfreyen Trutzn“ auf der Marstallwiese am Schloss eintauchen. Dort lernten „Knappen“ den Umgang mit dem Schwert und angehende Robin Hoods zielten mit Pfeil und Bogen auf die Strohscheibe.

Wem es übrigens im überhitzten Getümmel des Stadtkerns zu mulmig wurde, musste nur den Martinskirchturm erklimmen, und schon konnte er aufatmen und sich das „Ameisen“-Gewimmel aus der Vogelperspektive betrachten.

Derweil saßen Funkamateure des Deutschen Amateur Radio Clubs, Ortsverband Kirchheim, in einem grünen Zelt mit großen Antennen und verbreiteten die Kunde vom 29. Haft- ond Hokafescht in ganz Europa. Vor allem mit spanischen Funkern kamen sie in Kontakt. Da freilich wussten auch die noch nicht, wie das EM-Endspiel Deutschland:Spanien ausgehen würde.

Für die Mannen der historischen Dampftechnik Kirchheim jedenfalls spielte dies keine Rolle. Sie hatten ihren gigantischen Dampfpflug und die alte Dampfwalze bereits auf dem Alleenring zwischen Wachthaus und altem Haus in Poleposition gebracht, um auf jedenfall die qualmende Speerspitze eines lärmenden Siegeskorsos bilden zu können.

Anzeige