Lokales

Im Schlepptau der Volunteers: "Guck nuff de Berg, guck naus ens Land"

"Guck nuff de Berg, guck naus ens Land, was mir e schöne Hoamet hant!" Ein Gedicht des schwäbischen Dichters August Lämmle rezitierte Sieglinde Dollmann, Mitglied der Volunteersgruppe "Naturdenkmale im Landkreis Esslingen", oben auf der Limburg, dem Ziel der von der Volunteersgruppe geführten Wanderung.

UTE FREIER

Anzeige

WEILHEIM Dem Berg, der Limburg, galt die Aufmerksamkeit auf dem Weg bergauf. "Er ist einer von rund 360 Vulkanschloten im Gebiet des so genannten Urach-Kirchheimer Vulkangebiets", informierte Walter Schleicher, ebenfalls Volunteer, die Zuhörer. "Damals schoss das Magma nach oben, das führte zu Verpuffungen und Schwefelausbrüchen. Im Schlot entstand der so genannte Basalttuff."

Dieses Gestein widersetzte sich der Abtragung durch Wind und Wasser stärker als die Juraschichten, in die diese Vulkanschlote einst eingebettet waren. "Vor 50 Millionen Jahren verlief der Albrand bei Stuttgart. Doch Kalk ist wasserlöslich und so wurde die Alb immer kleiner", führte Schleicher aus. Rund 200 Meter wurden deshalb bereits durch Erosion abgetragen und nur die härteren Schlotfüllungen blieben als Bergkegel zurück.

Seit 1992 steht der Kegel der Limburg unter Naturschutz. Das bedeutet, dass Maßnahmen durchgeführt werden, um den jetzigen Zustand dieser Kulturlandschaft zu erhalten, etwa den breiten Gürtel aus Streuobstwiesen am Fuß. Hier stehen zahllose hochstämmige Apfel-, Kirsch-, Birnen- und Zwetschgenbäume "verstreut" auf den Wiesen. Streuobstwiesen werden deshalb diese Obstwiesen genannt, die erst im 17. Jahrhundert angelegt wurden. Der damalige Landesherr sorgte sich um die Versorgung seiner Untertanen und ordnete das Pflanzen der Bäume an.

Außer Obst lieferten die Obstwiesen damals zusätzlich Futter fürs Vieh, während sie heute eher unter ökologischem Blickwinkel betrachtet werden, denn sie bieten Lebensraum für rund 3000 Tierarten, vor allem für Vögel wie Spechte und Rotschwänze. Die Pflege der Obstwiesen war früher von Staats wegen angeordnet und Vernachlässigung wurde bestraft, heute ist die Pflege dem jeweiligen Eigentümer überlassen.

Anders verhält es sich bei dem Gehölzgürtel und dem Magerrasen, die sich hangaufwärts an die Obstwiesen anschließen. Hier werden in regelmäßigen Abständen Naturschutz-Maßnahmen des Regierungspräsidiums durchgeführt. "Von dem Gehölzgürtel, in dem früher die armen Leute ihr Brennholz sammelten und der heute ein wichtiges Brutgebiet für Vögel ist, wird jeweils ein Achtel des Bestands pro Jahr abgesägt", erklärte Schleicher.

Für die Abweidung des Magerrasens, der sich rund um den Gipfel zieht und der jahrhundertelang als Schafweide diente, wird heute ein Schäfer bezahlt. Zwei bis drei Mal pro Jahr zieht er mit rund 800 Schafen über die Limburg. Dass diese heutige Beweidung nicht ausreicht, um die Gehölze vollkommen zurückzudrängen und den jetzigen Landschaftscharakter zu erhalten, darauf wies Heike Jünemann, eine der drei Führer der Wandergruppe, hin. "Um ein Zuwachsen zu verhindern, muss zusätzlich gemäht werden." So wird ein Viertel der Flächen alle zwei Jahre mechanisch gepflegt, um den für den Magerrasen typischen Pflanzenbewuchs zu erhalten. "Hier wachsen nur Pflanzen, die die Schafe nicht mochten", erklärte Heike Jünemann die Vegetation auf diesen Wiesen. "So ist beispielsweise der Saft der Wolfsmilch giftig und die Golddistel zu stachelig."

Die Lebensbedingungen für Pflanzen sind auf Magerrasen extrem: Sie müssen mit wenig Wasser, wenig Erde, wenigen Nährstoffen und hohen Temperaturen auskommen. Trotzdem blüht es hier in allen Farben: Gelbes Frühlingsfingerkraut und gelbe Schlüsselblumen, blaue Traubenhyazinthen, Veilchen und Küchenschellen.

Getreu ihrem Motto "Wer mehr weiß, sieht mehr, schätzt mehr, schont und schützt" machten die fachkundigen "Volunteers" die Wanderer immer wieder aufmerksam auf Blumen, auf Vögel und Schmetterlinge während des Anstiegs zum Gipfel. "Guck naus ens land" war oben angesagt, auf Obstwiesen, den Albrand und das dicht besiedelte Albvorland.

Keine Schwierigkeiten, die Ortschaften zu identifizieren, hatten wohl die Zähringer, als sie vor knapp 1000 Jahren aus den Fenstern ihrer Burg blickten, die sie hier oben erbaut hatten. Von hier hatten sie den Überblick und außerdem Wasser aus dem nur wenige Meter unterhalb des Gipfels gelegenen Kindlesbrunnen. Ideale Bedingungen, dennoch lebten die Herzöge von Zähringen hier nur etwa 100 Jahre lang, dann gaben sie die Burg auf, von der deshalb auch nur noch überwachsene Erdwälle künden.Ursache für den Rückzug der Zähringer waren politische Überlegungen und sicherlich nicht der Drache, der laut Sage in einer Höhle unterhalb des Gipfels gehaust haben soll. "Dieser Lindwurm wurde von einem Ritter getötet und die Umgebung vom Schrecken befreit", erzählte Sieglinde Dollmann beim Abstieg an der Stätte, an der Holzfiguren an das "sagenhafte" Ereignis erinnern.

Ob der damalige Held der heilige Georg oder der Erzengel Michael war, ist nicht geklärt. Tatsache aber ist, dass auf der Limburg im 15. Jahrhundert eine Michaelskapelle erbaut wurde, die aber bereits im darauf folgenden Jahrhundert wieder abgebrochen wurde.

InfoWer sich für Wanderungen der verschiedenen Volunteersgruppen interessiert, findet das Programm im Internet unter www.teckberg.de