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Im Sinne "biblischer Feldbestellung" tätig

LENNINGEN Von einer ihrer Aufgaben in der evangelischen Kirchengemeinde Oberlenningen verabschiedet sich Inge Honegger an

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ERIKA HILLEGAART

ihrem 70. Geburtstag. Doch "das Schiff, das sich Gemeinde nennt" verlässt sie nicht. Das würde nicht zu ihrer Persönlichkeit passen.

Ihr Ausstieg aus dem Ausschuss des Krankenpflegevereins Oberlenningen ist ein Anlass, ihre gesamte ehrenamtliche Arbeit zu würdigen, die für sie so selbstverständlich war und noch ist. Inge Honegger war 18 Jahre lang Kirchengemeinderätin und 21 Jahre lang Mitglied in diesem Ausschuss. Sie bleibt weiterhin seit 1975 und 1980 dem Gemeinde- und Besuchsdienst treu. 33 Jahre lang war sie in der Jugendarbeit tätig; seit 1988 jedoch ist sie für die Altenarbeit der Kirchengemeinde verantwortlich.

Dieses frei gewählte Aufgabenspektrum ist keine Ämteranhäufung nach Art meist männlicher Postenbesetzung. Vielmehr zeigt es für alle, die mitarbeiten und helfen wollen, viele Felder mitmenschlichen Engagements auf. Es ist ein Engagement der Tat tatsächlich hat sie "in der Fläche geackert". Wem fiele da nicht das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld ein: "Doch anderes fiel auf den guten Boden und brachte Frucht etliches hundertfältig . . ." Die Addition dieser "hundertfältigen Frucht" ergibt zwölf mal zwölf Ehrenamtsjahre.

Jetzt also verabschiedete sie sich nach 21 Jahren von dieser Gremiumsarbeit. In der Hauptversammlung des Krankenpflegevereins am 2. März würdigte Pfarrer Graf diesen ehrenamtlichen Dienst. Die Kranken freilich wird sie weiterhin besuchen, entweder als Beauftragte des Besuchsdienstes oder aus persönlicher nachbarschaftlicher Verantwortung. Das ist für sie so selbstverständlich, so wie sie jahrzehntelang mit Jugendlichen in Krankenstuben zur Adventszeit gesungen hat.

Aus diesem aktuellen Anlass nennt Inge Honegger drei Ereignisse als besonders erwähnenswert in diesen zwei Jahrzehnten: Beim Seminar für häusliche Kranken- und Altenpflege mit Schwester Maria Nuffer und Irmgard Daser im Jahr 1985 lernte sie viel für ihre ehrenamtliche Arbeit. Zusammen mit Bürgermeister Gerhard Schneider verkaufte sie bei einem Straßenfest 1993 für fast 7000 Mark Lose zugunsten des Vereins. Für die gelernte Kauffrau waren die positiven Bilanzen so wichtig wie die kreativen Aktionen nach der Neuorientierung zum Förderverein. Schließlich sah sie in der Jubiläumswoche im September 2004 anlässlich des 75-jährigen Bestehens dieses von der Kirchengemeinde getragenen Vereins ein gelungenes und informatives Fest mit Impulsen für die Zukunft. Ihr Vorschlag, man möge das Projekt der Gemeinde "Älter werden in Lenningen" unterstützen, wurde einstimmig angenommen.

Warum ist für Inge Honegger so vieles selbstverständlich, was andere trotz aufpolierter Imagepflege nicht schaffen? Schon im Bruckener Elternhaus hat sie als eines der älteren Geschwister in einer neunköpfigen Familie Mitmenschlichkeit und Gottvertrauen erlebt. "Ich bin halt ein Helfer-Typ", erklärt Inge Honegger ihr Selbstverständnis, für andere da zu sein. Die zartgliedrige Frau hat eine ruhige Art, sich mit der "Unbedingtheit der stillen Heldin" durchzusetzen und Verantwortung zu tragen, und zwar "um Gottes Willen, ja". Sie ziert sich nicht in falscher Bescheidenheit, darüber mit klaren Aussagen zu sprechen. Sie weiß, dass ein funktionierendes Gemeinwesen nur so stark ist, wie man mit den schwächsten Mitgliedern umgeht. Seit ihrer Heirat 1956 lebt sie in Oberlenningen, lebt in der Kirchengemeinde ihren Glauben. Durch so manches tiefe Tal hat sie ihr Lebensweg geführt. Krankheit, Verlust und Tod waren unausweichliche Prüfsteine in ihrem Leben. Da galt für sie immer aufs Neue Jesu Zusage: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Auch die Musik ist für die verwitwete Familienfrau und Großmutter eine Quelle des Trostes und der Stärkung emotionaler Kräfte. Sie spielt Klavier, sie sang im Kirchenchor und sie besucht gerne Konzerte. Bei Reisen genießt sie die Erlebnisse und die Horizonterweiterung. Das schärft ihre Urteilskraft für ökologische und ökumenische Zusammenhänge. Zu ihrem Selbstverständnis des Helfens gehört auch ihr Selbstbewusstsein. Deshalb begegnen ihr die Menschen mit Respekt, Vertrauen und hoher Wertschätzung.

Die langjährige Kirchengemeinderätin und Gemeindedienstfrau, die jetzige Leiterin der Seniorenarbeit und die ehemalige Mitgestalterin der örtlichen Jugendarbeit wusste sich stets begleitet von ihrem Konfirmandenspruch aus dem Lied der Hanna im ersten Buch des Samuel: "Mein Herz ist fröhlich im Herrn, denn ich freue mich deines Heils."

Trotz mancher schweren Schicksalsbrocken ist Inge Honegger zu einem Urgestein, einem verlässlichen Urgrund für andere im Gemeindeleben geworden. Sie hat um in der Gleichnissprache zu bleiben den Schatz im Acker für sich und andere entdeckt.