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Im Sommer haben die Reiseklassiker Hochkonjunktur

Reiseführer informieren nicht nur über Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte und Restaurants am Urlaubsort sie verraten auch einiges über ihre Nutzer: Eine Umfrage des Teckboten bei Bibliotheken und Buchhandlungen zu den gefragtesten Reiseführern gewährt Einblicke in die Urlaubsgewohnheiten der Menschen rund um die Teck.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM Kurz und knackig oder ausführlich, kulturorientiert oder mit Szenetipps gespickt bei Reiseführern hat jeder seine persönlichen Favoriten. Ein Blick auf die Hitliste der gefragtesten Bücher lässt aber nicht nur Rückschlüsse auf individuelle Vorlieben zu, sondern gewährt auch Einblicke in aktuelle Urlaubstrends, besonders beliebte Ferienziele und die Art des Reisens.

Diesen Sommer haben vor allem klassische europäische Ziele Hochkonjunktur, wie die Buchhandlungen und Bibliotheken in Kirchheim, Weilheim und Lenningen melden. "Am meisten nachgefragt wird Literatur über Kroatien, Italien und Frankreich", berichtet Ingrid Gaus, Leiterin der Kirchheimer Stadtbücherei. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben steht außerdem Literatur über deutsche Reiseziele. "Vor allem Bücher zu Bodensee, Schwarzwald und Allgäu sind beliebt", weiß Stephanie Rau, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in der Weilheimer Bücherei. Aber auch Ziele, die quasi direkt vor der Haustür liegen, steuern viele Urlauber an. "Was sehr gut geht, sind Wanderkarten unserer Region", sagt Judith Armbrust, Fachbuchhändlerin bei der Kirchheimer Buchhandlung Schieferle. Auch die "Schwäbische Alb mit Kindern" sowie Literatur zu Wandern oder Radwandern in der Region liegen hoch im Kurs.

Neben diesen Klassikern haben die Experten in Sachen Reiseliteratur weitere Favoriten ausgemacht. "Dieses Jahr werden besonders Bücher über Skandinavien nachgefragt und die Türkei ist ein Dauerbrenner", erzählt Judith Armbrust. Simone Schey, Fachbuchhändlerin bei der Kirchheimer Buchhandlung Zimmermann, hat festgestellt: "Der Jakobsweg ist wieder in." Der Run auf die Führer über Galizien hat in den vergangenen Tagen allerdings schlagartig aufgehört: "Wegen der Waldbrände", weiß sie. "Aktuelle politische oder klimatische Ereignisse bekommen wir sofort zu spüren."

"Die Tendenz geht leicht zu Südamerika", glaubt Roland Schöllkopf von der gleichnamigen Kirchheimer Buchhandlung. Einer seiner Kunden hat sich mit Literatur über Patagonien ausgerüstet. Auch Indien ist bei ihm wieder gefragt. Ab und zu werden die Fachleute zudem mit "exotischeren" Wüschen konfrontiert, sei es zu Ghana, Bali oder Vietnam. Allgemein jedoch stellen Bibliothekare und Fachbuchhändler fest, dass Literatur zu Fernreisen im Sommer eher im Regal stehen bleibt. "Asien, die Seychellen und Neuseeland sind eher im Herbst und Winter gefragt", weiß Judith Armbrust. "Aufs ganze Jahr gesehen stehen USA, Australien, Neuseeland, aber auch Dubai an vorderer Stelle", berichtet Ingrid Gaus.

Im Sommer haben nicht nur klassische Ziele die Nase vorne, sondern auch die klassischen Reisearten. "Viele Kunden wollen Camping- und Caravan-Führer", sagt Ev Dörsam. Laut Yvonne Peter gehen viele auf Städtereisen und Roland Schöllkopf stellt mit Bedauern fest, dass sich immer mehr Touristen auf Pauschalangebote verlagern: "Individualreisen geraten immer mehr ins Hintertreffen. Selbst junge Leute wollen heute abgesichert sein."

Trotzdem kommen zu ihm noch Individualisten, die Reiseliteratur von Max Eyth, vom britischen Schriftsteller Bruce Chatwin, Bücher mit Wanderungen zu den Sagen rund um die Teck oder zum Schwäbischen Vulkan nachfragen. Zu Simone Schey kommen sogar noch viele Kunden, die auf eigene Faust reisen und Literatur suchen: "Einer geht zum Beispiel zu Fuß durch den Himalaya", erzählt sie.

Bei Inhalt und Aufmachung haben sich die Schwerpunkte in den vergangenen Jahren verlagert. Besonders auffällig findet Yvonne Peter, dass die Kunden immer mehr auf Aktualität achten: "Reiseführer, die ein Jahr alt sind, gehen noch." Ist die Auflage zwei Jahre alt, gehört sie schon fast zum alten Eisen. "Die meisten Kunden wollen Kurzreiseführer", sagt Yvonne Peter. Simone Schey macht zudem eine weitere Entwicklung aus: "Der Trend geht zu schönen und hochwertigen Reiseführern." Allgemein gilt jedoch, dass sich die Art der Reiseführer neben den persönlichen Vorlieben auch nach der Art der Reise richtet.

Diesem Prinzip folgen die Fachleute selbst: Yvonne Peter packt bei Städtereisen "Spirallos" von Falk in den Koffer, ansonsten findet sie genauso wie Ev Dörsam die "Reise-Know-how"-Führer am besten. "Auf Städtereisen nehme ich Marco Polo oder Führer aus der ADAC-Plus-Reihe mit", berichtet Judith Armbrust. Zieht sie auf eigene Faust los, hat sie ein Buch des Michael Müller Verlags im Gepäck ebenso wie Simone Schey, Ev Dörsam und Roland Schöllkopf, der zudem auf Dumont Kunstreiseführer schwört. Diese Vorliebe teilt er mit Ingrid Gaus, die sich vor allem für Kultur und Geschichte interessiert. Simone Schey folgt dem Trend zu hochwertigen Reiseführern und kauft gerne Ausgaben von Dorling Kindersley. Stephanie Rau dagegen hat gar keine Favoriten: Sie nimmt in den Urlaub mit, was die Bücherei gerade zu bieten hat.