Lokales

Im Winterhalbjahr ist Weiterbildung angesagt

Der Landfrauenverein Lenninger Tal besteht seit 25 Jahren. Bescheiden wie die Frauen sind, gab es kein großes Fest, bei der Weihnachtsfeier hielt die Vorsitzende Ingrid Merz anlässlich des Jubiläums eine kurze Rede.

LENNINGEN Vor 25 Jahren trafen sich 17 Frauen aus Ober- und Unterlenningen sowie aus Brucken im Vereinsraum der Unterlenninger Turnhalle, um einen Verein zu gründen. Auch die Landfrauen aus Schlattstall und Gutenberg sollten hier eine Heimat finden. Mit dabei waren Gretel Schmelcher vom Bezirkslandfrauenverein Nürtingen und Ingeborg Roser, Vorsitzende des benachbarten Landfrauenvereins Owen. Die beiden erfahrenen Landfrauen machten "in einem klärenden Vortrag" deutlich, was sich alles in einem Verein auf die Beine stellen lässt und stießen dabei auf offene Ohren: Es fanden noch am selben Abend Wahlen statt. Erste Vorsitzende wurde Franziska Zeyfang aus Brucken. Zu ihrer Unterstützung fungierte ein Ausschuss, bestehend aus Lore Eberle, Hilde Kuch, Lucie Zimmermann und Gretl Gökeler, alle aus Unterlenningen.

Anzeige

Als Ziel setzten sich die Gründungsmitglieder, den Frauen im Lenninger Tal während des Winterhalbjahres verschiedene Veranstaltungen anzubieten wie etwa Vorträge mit Tipps und Hinweisen für zu Hause oder auch ein wenig Geselligkeit zu pflegen, ähnlich wie dies in Owen und Schopfloch bereits der Fall war. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Mit viel Einsatz und Idealismus arbeiteten die Frauen und vollbrachten viel. "Einigkeit macht stark" hieß das Motto und so wuchs die kleine Gruppe rasch zu einem lebendigen Verein heran, der heute 53 Mitglieder zählt. Die Frauen kommen hauptsächlich aus Ober- und Unterlenningen sowie Brucken, denn vielen Gutenbergerinnen und Schlattstallerinnen ist der Weg gerade im Winter nach Brucken zu weit.

Der Landfrauenverein hat einen festen Platz im Gemeindeleben, das die Frauen auch mitprägen. So belebten sie beispielsweise eine alte Tradition neu und schmücken zur Osterzeit den Oberlenninger Brunnen vor dem Rathaus. Sie backen Brote, deren Erlös einem guten Zweck zugute kommt, wie etwa der Teckboten-Weihnachtsaktion oder dem Lenninger Netz. Die Back- und Kochkünste der Landfrauen sind auch beim Fleckenfest in Brucken geschätzt im Jahr 1992 stellten sie allein 47 Zwiebelkuchen her und um das Backhaus in Unterlenningen erhalten zu können, heizten die Aktiven kräftig die Öfen an. Ferner gibt es eine Gymnastikgruppe, die dank des Engagements von Rosemarie Geserer entstanden ist.

Wer Brot aus einem heißen Ofen holen will, muss jedoch erst einmal in den Wald oder auf die Obstwiese gehen, um das nötige Heizmaterial zu beschaffen. Dabei verstehen es die Frauen, mit einer Motorsäge im Wald ebenso geschickt umzugehen, wie mit dem Schneebesen in der Küche, denn um die nötige Temperatur in den Öfen für Dätscher und Brot zu erreichen, sind viele "Krähla" nötig. Bei dieser Arbeit werden dünne Äste und Zweige mittels einer speziellen Maschine gebündelt.

Fast 25 Jahre hat "Fanny" Zeyfang den Verein geleitet. Im vergangenen Frühjahr stellte sie unter anderem aus Altersgründen ihr Amt zur Verfügung. In ihre Fußstapfen ist Ingrid Merz getreten. "Nach langem Überlegen und vor allem aus innerer Überzeugung, entschloss ich mich, den Landfrauenverein zu führen", erzählt die tatkräftige Frau, die bereits seit 21 Jahren Ausschussmitglied ist. Dabei kann sie sich der Unterstützung nicht nur ihres Ausschusses sicher sein, sondern auch die der Mitglieder, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen.

"Wenn man spontan sein muss, sind wir meist dabei", sagt Ingrid Merz nicht ohne Stolz in der Stimme. Aktionen für gemeinnützige Zwecke stehen dabei ganz klar im Vordergrund, etwa wenn es darum geht, das Lenninger Netz zu unterstützen. Auch für das Fleckenfest in Brucken sind die Frauen vor allem in Sachen Verpflegung aktiv: Maultaschen, Pommes, Zwiebelkuchen und belegte Käsebrote gehören zu ihren geschätzten Spezialitäten.

Dabei verstehen es die Frauen vorzüglich, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. "Landfrauenarbeit heißt, das ,Gschäft' in schöne Dinge zu integrieren", erzählt die neue Vorsitzende. Das Programm zeigt einen Querschnitt, was Frauen egal ob auf dem Land oder in der Großstadt bewegt: Naturkosmetik, "Schlank ohne zu hungern", Frühjahrsmüdigkeit, Hausgarten, "Wunderwelt neue Textilien" oder "Heilen mit Kräuter". Anregungen für den Speiseplan gibt es ebenfalls. Reisgerichte einmal anders, Salate in allen Variationen, Kartoffelmenü oder Gerichte aus Quark lauten die Titel.

Der Bildungsauftrag, den sich der Landfrauenverband selbst gegeben hat, findet seinen Niederschlag auch im Lenninger Tal. "Sollen Frauen in den Gemeinderat?", "Gleichberechtigung der Frauen" oder Umweltschutz sind nur einige der Themen. Regelmäßig nehmen die Lenninger Landfrauen auch an Weiterbildungsseminaren teil. Dort geht es beispielsweise um "Tradition und Brauchtum im Wandel der Zeit" oder "Bedeutung der Erwachsenenbildung".

Gleichzeitig wird auch die Kreativität und Fingerfertigkeit gefördert. So wurden schon Hexen und Rupfenpuppen gebastelt, Seide bemalt oder Schürzen genäht. Ausflüge stehen ebenfalls regelmäßig auf dem Programm. So besuchten sie beispielsweise den Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, die Fuggerstadt Augsburg, Friedrichshafen am Bodensee, Landesgartenschauen und für einen "Advent in den Bergen" nahmen sich die Frauen sogar zwei Tage Zeit. Außerdem haben die Lenninger Landfrauen einen Stammtisch gegründet, der sich einer guten Resonanz erfreut.

Bei der Weihnachtsfeier konnten einige Gründungsmitglieder für 25 Jahre Landfrauentätigkeit geehrt werden: Gretel Gökeler, Adelheid Epple, Lore Eberle, Hildegard Blankenhorn, Ingeborg Hammel, Resi Holder, Anne Mall, Lisa Renz, Erna Schmid, Doris Schott, Helene Unger, Gretel Widmann und Hilde Kuch. Fanny Zeyfang erhielt für ihr langjähriges Engagement als Vorsitzende eine Ehrenurkunde vom Landfrauenverband Württemberg-Baden.

ih