Lokales

Immer ein Optimist

KIRCHHEIM Am morgigen Sonntag kann Karl Mirwald seinen 90. Geburtstag feiern. Sitzt er so vor einem, mag man das kaum glauben,



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RUDOLF STÄBLER

und erzählt er aus seinem Leben, blitzt aus seinen Augen die Freude über erfüllte neun Jahrzehnte, immer geprägt von Optimismus und dem Glauben an eine glückliche Zukunft.



Seit 2002 lebt der Jubilar im Kirchheimer Altenheim Sankt Hedwig und fühlt sich auch dort "richtig daheim", versichert er nicht nur einmal. Vielleicht liegt das auch mit daran, dass er bei den Damen des Hauses äußerst gern gesehen ist. Als "Hiasl" bezeichnet sich der in Unterreichenstein im Böhmischen Wald geborene selbst, und seinen bayerischen Dialekt hat er auch nach den vielen Jahren im Schwabenländle überhaupt nicht verloren.



Arbeitsplätze und geeignete Lehrstellen waren damals im Böhmischen auch schon Mangelware, und so hatte sein Vater beschlossen, ihn zu einem Bauern als Knecht zu schicken. Doch die Mutter hatte sein handwerkliches Talent besser erkannt, und so konnte der junge Karl 1928, als 14-Jähriger, eine Lehre als Bau- und Möbelschreiner beginnen. Dem Holz ist er bis zur Rente im 63. Lebensjahr treu geblieben, und auch danach hielt es ihn nicht am häuslichen Herd. "Bleib doch gleich im Geschäft", musste er von seiner im Jahr 1995 verstorbenen Ehefrau Hermine oft hören. "Der Beruf war mein Lebensinhalt." Das mussten manchmal auch seine Kinder, eine Tochter und zwei Söhne, erfahren.



Doch letztlich waren es gute Erfahrungen. Nachdem sich Karl Mirwald in Lenningen ein Haus gebaut hatte, war er auch bei seinen Kindern rege und half denen tatkräftig mit beim Bau des eigenen Heimes. 1943 kam er in russische Gefangenschaft nach Alma Ata, und an Weihnachten 1949 wurde er entlassen. "Es ging mir nicht schlecht in der Gefangenschaft", erinnert er sich auch an diese Zeit ohne Groll gegen seine Bewacher. Die haben nämlich schnell seine Fähigkeiten erkannt, und er arbeitete sich als Deutscher, der einfach alles auf handwerklichem Gebiet konnte, schnell nach "oben". "Am Schluss", schmunzelt er, "bin ich bei denen sogar im Ministerium gesessen." Nur einmal hat ihn sein Lachen verlassen. Als er nach Oberlenningen kam und Arbeit suchte, musste er sich anhören: "Arbeit habe ich schon, aber mit Flüchtlingen will ich nichts zu tun haben." Entmutigt hat ihn dies allerdings nicht, denn bei der Firma Scheufelen fand er dann schnell eine Stelle.



Auch in der Rente gab es keine Ruhe. Bekannte und Freunde wussten von seiner Geschicklichkeit und seinem Arbeitseifer, und so war er weiter ständig gefragt. "Ich glaube, ich habe die meisten Häuser in Oberlenningen schon von Innen gesehen", ist sich der Jubilar sicher. Jetzt allerdings lässt er es doch etwas ruhiger angehen, obwohl er viel auf Achse ist und von sich behauptet: "Mir ist nie langweilig." Am morgigen Sonntag sicherlich auch nicht, denn da wird im Familien- und Freundeskreis Geburtstag gefeiert.