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Immer weniger trauen sich, immer mehr wagen die Scheidung

KIRCHHEIM Ein Jahreswechsel ist immer auch Anlass, Bilanz zu ziehen und einen Blick vorauszuwerfen. Das haben auch die Mitarbeiter des Kirchheimer Standesamtes und das

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BIANCA LÜTZ

Esslinger Landratsamt getan: Sie verraten, wie viele Paare im vergangenen Jahr geheiratet haben und was sich als Trend für 2008 abzeichnet.

Für Eheschließungen sind jeweils die kommunalen Standesämter zuständig mit einer Ausnahme. Wenn es um die sogenannten "Homo-Ehen" geht, kommt das Landratsamt in Esslingen zum Zug: Dort werden die sogenannten gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften begründet. Seit die Homo-Ehe im August 2001 eingeführt wurde, haben sich im Landkreis Esslingen 74 gleichgeschlechtliche Paare trauen lassen wobei die jüngste Zeremonie am gestrigen Freitag stattfand.

Am Anfang war der Ansturm noch riesig. "2001 mussten wir erst einmal einen Stau abbauen", verrät eine Mitarbeiterin des Landratsamts. Im Laufe der Zeit hat das Interesse dann etwas nachgelassen. 2007 waren es insgesamt sechs gleichgeschlechtliche Paare, die in Esslingen den Bund fürs Leben geschlossen haben. Anfangs hatten eindeutig die Herren die Nase vorn: Mehr Männer als Frauen gaben sich das Ja-Wort. Im vergangenen Jahr war das anders. Erstmals waren die Frauen in der Überzahl: Vier weibliche Paare und zwei männliche tauschten 2007 die Ringe.

Über die Jahre hinweg zurückgegangen ist die Anzahl der Trauungen in Kirchheim. "Im Jahr 2007 hatten wir 170 Eheschließungen", berichtet Standesamtsleiter Jochen Schilling. Zwar ist das im Vergleich zu beispielsweise 2005, als in der Teckstadt nur 158 Hochzeiten stattfanden, ein kleiner Sprung nach oben. 2004 allerdings waren es immerhin noch 211 Paare, die zum Standesamt kamen, 1994 sogar noch 243. "Von da an ging es stetig bergab", so Schilling. Und dabei liegt Kirchheim eigentlich ganz gut im Rennen. "Andere Gemeinden im Kreis haben katastrophale Zahlen", weiß der Standesbeamte.

Dass die Zahl der Eheschließungen zurückgeht, ist übrigens ein allgemeiner Trend, wie die Daten des Statistischen Landesamtes für ganz Baden-Württemberg zeigen. Während es 1950 noch 65 000 Hochzeiten im Ländle gab und 1980 immerhin noch fast 53 000, so sank die Zahl im Jahr 2006 auf weniger als 49 000.

Auch wenn die Deutschen offenbar immer mehr zu Hochzeitsmuffeln werden einige Paare in Kirchheim und im Kreis planen jetzt schon ihren großen Tag im Jahr 2008. "Wir haben für 2008 schon sehr viele Anfragen", lautet die Botschaft aus dem Esslinger Landratsamt. So wie es aussieht, wollen sich kommendes Jahr mehr gleichgeschlechtliche Paare trauen lassen als im vergangenen Jahr. Auch Jochen Schilling hat im Kirchheimer Standesamt schon zahlreiche Anfragen vorliegen. Vor allem zeichnet sich ein Run auf den "Schnapszahl"-Tag am 8. August 2008 ab. "Das ist zufällig auch noch ein Freitag", sagt Schilling. Reservierungen konnte er allerdings noch keine entgegennehmen. "Das geht erst ein halbes Jahr vorher. Dann gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Auf dem Esslinger Landratsamt sind es weniger die Schnapszahlen, nach denen sich die Paare erkundigen. Anfragen gibt es eher für Daten, die persönliche Bedeutung für die Ehepartner haben: Geburtstage, Kennenlern-Tage oder ein Datum, das an eine nette Begebenheit erinnert.

Jochen Schilling hat beobachtet, das sich in der jüngeren Vergangenheit auch die Namen-Trends wieder ein bisschen verändert haben. Zwar wählen die meisten Paare immer noch den Nachnamen des Mannes als Ehenamen. "Der Name der Frau ist als Ehename eher selten." Dafür aber scheint der Trend zum Doppelnamen wieder abzuflauen. "Das kommt nicht mehr ganz so häufig vor", sagt der Standesbeamte.

Was regelmäßig vorkommt und zwar sowohl bei Hetero- als auch bei Homo-Paaren sind Trennungen. Die Scheidungszahlen schätzt Jochen Schilling in Kirchheim auf rund 15 Prozent. Auch dem Landratsamt sind schon einige Aufhebungen dort geschlossener Partnerschaften ins Haus geflattert.

Bei Scheidungen ist übrigens ein gegenläufiger Trend zu den Eheschließungen festzustellen: Die Scheidungskurve ist in den vergangenen Jahrzehnten steil nach oben gegangen: 1950 ließen sich laut Statistischem Landesamt in ganz Baden-Württemberg nur knapp 8 000 Eheleute scheiden. 1980 waren es fast 13 000, im Jahr 2006 immerhin schon knapp 23 000.