Lokales

"In allen anderen Flecken funktionieren Umleitungsstrecken"

Der Bau der neuen Wasserleitung in Wellingen hat auch Auswirkungen auf den Busverkehr. Wie dieser in der fraglichen Zeit am besten zu regeln ist, darüber gab es zunächst äußerst unterschiedliche Meinungen im Notzinger Gemeinderat.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Zwei Bushaltestellen gibt es in Wellingen, einmal beim Kirchle sowie am Ortsausgang in der Schlierbacher Straße. Dies ist auch der Wendepunkt. Von dort geht es in einer Art Dreieck wieder in die Roßwälder Straße und damit zurück nach Notzingen. In einem Teilstück der Schlierbacher Straße wird voraussichtlich vom 8. bis 26. Mai die Wasserleitung gebaut. Dadurch entfällt für den Bus die einzige Wendemöglichkeit in Wellingen. "Die Wellinger müssen daher am Rathaus in Notzingen einsteigen", erklärte Bürgermeister Flogaus. Diese Aussage rief jedoch Erhard Reichle auf den Plan. "Der Bus kann doch rückwärts fahren", sagte er. Dem widersprach der Schultes, denn laut Vorschrift dürfen Busse nur vorwärts fahren.

"Dann müssen wir nach einer Lösung suchen und ein Halteverbot in der Brühlstraße anordnen. Es kann nicht sein, dass Wellingen vom Bus überhaupt nicht angefahren wird", ereiferte sich Erhard Reichle. Diese Idee stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung bei Jochen Flogaus. "Es ist die Frage, ob es funktioniert. Beim Kirchlesfest haben wir die gegenteilige Erfahrung gemacht. Deshalb stehen die Tische, Bänke und Stände so, dass der Bus durchfahren kann", gab er zu bedenken. Zwar sei es ein Versuch wert, die Brühlstraße als Ausweichstrecke zu benutzen, der Schultes befürchtet jedoch, dass es zu einem Chaos kommt. "Was passiert, wenn der Bus mitten drin steht und weder vorwärts noch rückwärts kommt? Es reicht schon eine viertelstündige Verspätung und alle Anschlussmöglichkeiten, egal ob mit Bus oder Bahn sind weg", erklärte er.

Für Erhard Reichle macht es jedoch einen Unterschied, ob es sich um ein Festwochenende oder eine mittelfristige Angelegenheit handelt. "In allen anderen Flecken funktioniert bei Umleitungsstrecken das Halteverbot. Warum dann ausgerechnet nicht bei uns?", wollte ihm einfach nicht in den Kopf. Wolfgang Schäfer schlug vor, die Anlieger schon Wochen vorher auf die besondere Situation aufmerksam zu machen. Emiliana Montero Rodriguez verstand dagegen die ganze Aufregung nicht: "Viele Kinder, beispielsweise im Letten, haben einen langen Weg zur Bushaltestelle. Das ist doch für zwei Wochen machbar."

Günter Barz regte an, dass in der fraglichen Zeit einfach ein kleinerer Bus fahren sollte, der in Wellingen wenden kann. "Morgens fährt dort sogar ein Gelenkbus, um alle Schüler mitnehmen zu können", zeigte der Schultes die Problematik auf. Diese Äußerung brachte Herbert Hiller auf die Idee, Kinder und Parker in Relation zu setzen. Dies wurde jedoch nicht weiterverfolgt. "Ich denke, die Kinder sind nicht das Problem, sondern die älteren Menschen, die tatsächlich auf den Bus angewiesen sind", gab Helga Merz zu bedenken. Für Gerhard Mergenthaler ist dagegen die Umleitungsstrecke nicht unproblematisch: "In der Brühlstraße parken die meisten Autos."

"Es geht nicht um 50 Euro Strafe für Falschparker sondern darum, dass das Busunternehmen Schwierigkeiten mit den Schulen bekommt oder verschiedene Leute nicht rechtzeitig den Zug erreichen", verdeutlichte Jochen Flogaus die eigentliche Problematik. Ähnlicher Ansicht war auch Eduard Bosch. "Wer nimmt den Schwarzen Peter auf sich, wenn die Sache mit dem Halteverbot nicht funktioniert? Ich bin skeptisch und befürchte Schwierigkeiten", sagte er.

Der Vorschlag zur Güte kam schließlich von Herbert Hiller. "Wir können es doch wenigstens mit der Sperrung versuchen, die Polizei um Kontrollen bitten und auf das Busunternehmen zugehen", erklärte er. Dem konnte sich der Gemeinderat einstimmig anschließen. Somit besteht während der Bauzeit der Wasserleitung ein halbseitiges Parkverbot auf der gesamten Brühlstraße, im oberen Teil in Richtung Roßwälder Straße sogar ein beidseitiges Parkverbot, damit der Bus überhaupt abbiegen kann.

Zwischenzeitlich bekam Bürgermeister Flogaus schon das Okay von der Unteren Verkehrsbehörde. Der Busunternehmer will mit einem Fahrer die kritische Ecke Roßwälder Straße/Brühlstraße in Augenschein nehmen und dann entscheiden, ob diese Lösung machbar ist. Sollte es funktionieren, wird der Bus die Notzinger Straße hochfahren, an der Haltestelle beim Wellinger Kirchle die Leute zusteigen lassen und dann die Brühlstraße bis auf Höhe des Friedhofs zurückfahren.