Lokales

In Augsburg auf den Spuren der Fugger gewandelt

Eine Stadtbesichtigung in Augsburg, ein Besuch des Ammersees und des Hohen Peißenbergs bildeten die Stationen einer Exkursion, die die Senioren der Kirchheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins unternahmen.

KIRCHHEIM Nach einer kurzweiligen Autobahnfahrt wurde mit der Fuggerei der größte Touristenmagnet Augsburgs angesteuert. Die Stadtführerin sprach über das Geschlecht der Fugger, die sich hier ein einzigartiges bleibendes Denkmal geschaffen haben. Reichtum, Macht und Einfluss der Fugger waren unvorstellbar. Sie besaßen ein weltweites Handels-, Bank- und Montan-Imperium. Sie finanzierten die Münze der Päpste und ihre Schweizer Garde, sie gaben dem König von England ebenso Kredit wie den Medici in Florenz und machten den Kaiser in Wien von sich abhängig.

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Andererseits brachten die Fugger Italiens Renaissance über die Alpen und nach Augsburg. Augsburg war eine reiche Stadt, aber es gab auch Armut. Dies veranlasste Jakob Fugger die nach ihm benannte Sozialsiedlung ins Leben zu rufen. Offensichtlich suchte er auch einen Gegenpol zu seinem Reichtum.

Die ersten zwei Häuser wurden 1516 gebaut. Der Stiftungsbrief zur Fuggerei, den Jakob Fugger maßgeblich gestaltete, stammt aus dem Jahre 1521. Zum Erhalt der Bausubstanz sollten die Bewohner pro Wohnung einen Rheinischen Gulden (heute 88 Cent) bezahlen. Jeder musste sich schriftlich verpflichten, jeden Tag für das Seelenheil seiner Familie Fugger, Jakobs Mutter eingeschlossen ein Vaterunser, ein Ave Maria und ein Glaubensbekenntnis zu beten.

Die Armensiedlung sollte aus 106 Wohneinheiten bestehen, verteilt auf zwei Stockwerke. Jede Wohnung hat eine eigene Eingangstüre und wird gegebenenfalls über eine Treppe erreicht. Wegen des Ave-Maria-Gebetes und nicht aus konfessioneller Toleranz, können nur Katholiken in die Fuggerei aufgenommen werden. Wegen der Ausbreitung der Reformation in Augsburg stiftete Markus Fugger 1581 zu Ehren des Heiligen Markus in der Fuggerei eine eigene Kirche.

Die Fuggerei überdauerte Jahrhunderte. Erst 1880 wurde sie um weitere zwölf Wohnungen erweitert. Bis 1938 wurden noch weitere Neubauten errichtet. Im zweiten Weltkrieg wurde die Fuggerei weitgehend zerstört. Der Familienseniorenrat der Nachkommen als verantwortliches Stiftungsorgan beschloss 1945 den unverzüglichen Wiederaufbau. Bis zur Währungsreform

gelang es, die Fuggerei in ihren alten Grenzen wieder herzustellen. Es entwickelte sich ein Haustyp, der äußerlich ganz dem historischen Aussehen, innen aber dem 20. Jahrhundert entsprach. Alle Häuser wurden an den öffentlichen Abwasserkanal angeschlossen und komplett elektrifiziert.

Zurzeit wohnen in den 67 Häusern etwa 150 meist ältere Menschen. Die Tore der Fuggerei werden abends um 22 Uhr geschlossen und morgens um fünf Uhr wieder geöffnet. Wer nach Torschluss eingelassen werden will, muss vor Mitternacht 50 Cent und nach Mitternacht einen Euro an den Torwächter bezahlen.

Anschließend gingen die Reisenden mit der Stadtführerin zum Fuggereimuseum. Dieses gibt einen Einblick in die Wohnverhältnisse der damaligen Zeit. Die Einrichtungen der Küche, des Schlafraumes und der Wohnstube stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ohne größeren Aufenthalt im Museum wurde die Gruppe dann an den einheitlich gelb-braun gestrichenen Häuserzeilen vorbei zur Hergasse geführt. Die Führung wurde fortgesetzt über die Ochsengasse durch die neu geschaffene Grünanlage, bis zum Markusplätzle und der Markuskirche. Nach der Besichtigung erreichten die Senioren über die Herrengasse, welche die Fuggerei von Norden nach Süden durchzieht, den Bus zu einer Fahrt durch die von Kaiser Maximilian I. geförderte, sprichwörtlich prächtige Stadt Augsburg.

Am Stadtbach entlang durch das Vogeltor, dann über die Rote-Torwall-Straße, mit der im Park liegenden großen Freilichtbühne, am Roten Tor vorbei zur "Augsburger Puppenkiste" mit dem Museum. Auf verschlungenen Sträßchen ging es zum Milchberg und auf den Ulrichsplatz. Hier gab es einen kurzen Aufenthalt bei der Sankt-Ulrichs-Kirche mit ihren prächtigen Altären.

Die Maximilianstraße, die Augsburger Prachtstraße, beeindruckt mit ihren herrschaftlichen Renaissancegebäuden. Herausragend sind der schlossartige Fuggerbau und das Schaezler-Palais. Die Fahrt wurde fortgesetzt über die Konrad-Adenauer-Allee zum Königsplatz und auf die Fuggerstraße mit Blick auf die evangelische Sankt-Anna-Kirche.

Über Landsberg wurde Herrsching am Ammersee erreicht. Hier gab es eine Mittagspause, bei der die milde Herbstsonne die Besucher zu einem Spaziergang einlud. Zur vorgegebenen Zeit ging es auf den Hohen Peißenberg. Er ist 988 Meter hoch und überragt die umgebende Landschaft ganz beträchtlich. Leider waren die Alpen wolkenverhangen, so dass die Gebirgskämme nur teilweise erkannt werden konnten.

wim