Lokales

In den 60er-Jahren eine Schule wie auf einer Insel im Ozean

Am heutigen Samstag, 9. Dezember, feiert die Kirchheimer Teck-Realschule ihren vierzigsten Geburtstag. Viel hat sich in dieser Zeit verändert, in baulicher und auch in bildungspolitischer Hinsicht. Unter den Rektoren Harry Schleger, Detlef Schwerdtfeger und dem derzeitigen Schulleiter Wolfgang Wörner hat sich die Teck-Realschule als feste Institution etabliert.

KIRCHHEIM In den 60er-Jahren gab es im Schulwesen schwere Probleme: Schulraumnot, Lehrermangel, fehlende qualifizierte Schulabgänger für Industrie und Handwerk und speziell für Baden-Württemberg die Verlegung des Schuljahrbeginns auf den Herbst. Zur Lösung dieser letzten Aufgabe wurden zwei hintereinanderliegende Kurzschuljahre eingeführt. Neue Bildungspläne wurden vorbereitet, und schließlich erhielten Volks- und Mittelschule neue Bezeichnungen, nämlich Grund- und Hauptschule sowie Realschule.

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In Kirchheim sollte ein Neubau die Schulraumnot lindern, der 1965 südöstlich der Bahnlinie im Dettinger Weg begonnen wurde. Es gab viele Überlegungen und Diskussionen, welcher Schulgattung im Allgemeinen und welcher Kirchheimer Schule im Besonderen der Neubau helfen sollte, denn schließlich litten alle Schulen an Raummangel.

Die Mittelschule im Freihof platzte buchstäblich aus allen Nähten. Über 1 000 Schülerinnen und Schüler sollten in 30 Klassen unterrichtet werden, doch die Räume fehlten. Schichtunterricht und die Belegung von sechs Räumen der damaligen "Präparandenanstalt" (heute "Spital") waren ein vorläufiger dürftiger Ausweg.

Die Entscheidung für den "Neubau im Dettinger Weg" fiel zugunsten der überfüllten Mittelschule im Freihof und der übervollen Raunerschule, für welche die im Neubaugebiet wohnenden Grundschüler berücksichtigt wurden. Für sie wurden im eingeschossigen Südflügel des Neubaus acht Grundschulklassen unter der Leitung der Raunerschule eingerichtet. Nach kurzen Überlegungen gab Kirchheims Hausberg, die Teck, den beiden Schulen ihren Namen: der zweizügigen Teck-Realschule mit zwölf Klassen und der Teck-Grundschule mit acht Klassen.

Das erste Kurzschuljahr, das im April 1966 begonnen hatte, ging Anfang Dezember 1966 zu Ende. Für den Feihof galt es nun, die für den Neubau passenden Klassen, Schüler und Lehrer herauszusuchen, die vorhandenen Lehr- und Lernmittel aufzuteilen und nach Möglichkeit berechtigte Wünsche zu berücksichtigen. Rektor Menzel, der auch im folgenden Kurzschuljahr beide Realschulen leiten musste, vollzog die Teilung nach den neuen Klassenzahlen im Verhältnis 3:2 18 im Freihof, 12 in der Teck-Realschule.

In der ersten Dezemberwoche 1966 beförderten die vom Freihof abgeordneten Lehrkräfte die ihnen zugeteilten Lehr- und Lernmittel in Privatwagen in den Dettinger Weg. Am Freitag, 9. Dezember 1966, war es endlich so weit. Rund 460 Schülerinnen und Schüler und 15 Lehrerinnen und Lehrer strömten in die neue Realschule. Aber wie kam man in das Gebäude hinein? Da und dort lagen wohl Gehwegplatten, doch der Boden war feucht und matschig. Am Eingang zur geräumigen Halle standen Reinemachfrauen und wischten mit Scheuerlappen und Besen, wenn wieder eine Schülergruppe markante Spuren auf dem frisch gewachsten Boden hinterlassen hatte. Eine Lageskizze und einige Lehrer gaben den ankommenden Schülern Hinwiese: "Fünfer und Sechser ins Erdgeschoss, Zimmer 122 bis 125, Siebener über die Hintertreppe nach U 6 und U 7, Achter in den ersten Stock nach dem Biosaal, Nummer 216 und 217, Neuner 210 und 218, Zehner nach 208 und 209." Es dauerte wohl eine Weile, bis alle ihre Räume gefunden hatten.

Vor lauter Arbeit übersahen die Lehrer, dass für sie im großen Lehrerzimmer noch gar keine Sitzmöbel standen. Deshalb gruppierten sie sich in der Zehnuhrpause stehend um die übergroße Tischplatte die übrigens später noch gewaltig verlängert werden musste oder sie schauten durch die großen Fenster auf die unfertige Turnhalle. Wo später der, wegen der Farbe des teuren Belags, sogenannte "Rote Platz" entstand, gähnte noch feuchtes, unebenes Gelände. Sporthalle, Sportplatz und Hausmeisterwohnung wurden erst 1967 fertiggestellt. Bis zum Sommer 1967 "durften" die Sportklassen noch in den Freihof wandern.

Eine Besonderheit besaß der Neubau im ersten Jahr: Es fehlte ein ständig besetztes Rektorat, denn der Rektor saß im Freihof. Mit Beginn des ersten Normalschuljahres 1967/68 wurde die Teck-Realschule selbstständig. Bis zur Ernennung des ersten Realschulrektors führte Konrektor Röschl die Amtsgeschäfte des Schulleiters. Am 22. September 1967 wurde Harry Schleger als Realschulrektor in sein Amt eingesetzt.

Die nächste Umgebung der Schule war entweder noch gar nicht oder nur spärlich bebaut, sodass man sich wie auf einer Insel im Ozean vorkam. Die einzige sichtbare Verbindung zur "großen, weiten Welt" bildete die knapp an der Nordseite vorbeiführende Bahnlinie nach Weilheim, auf der noch Schienenbusse und Güterzüge verkehrten. Heute präsentiert sich die unmittelbare Umgebung der Teck-Realschule als eine grüne Oase. Die gähnende Leere von einst ist Bäumen, Büschen und Grünflächen gewichen, der Baustellenlärm vom Gezwitscher der Vögel abgelöst worden. Sogar ein Eichhörnchen fühlt sich inzwischen auf dem Schulareal heimisch. Die "Schule im Grünen" fügt sich so harmonisch in die Umgebung ein, dass Fremde sie bisweilen nicht einmal finden.

Weniger glücklich als die äußere Gestaltung hat sich im Lauf der Jahre die räumliche Situation entwickelt. Waren schon bei Aufnahme des Schulbetriebs die räumlichen Kapazitäten voll ausgelastet, nahm die Schulraumnot von 1979 bis 1987 ungeahnte Dimensionen an. Der "Schülerberg" konnte nur bewältigt werden, indem man Räume des Kindergartens am Rambouillet-Platz mitbelegen durfte. Freundlicherweise stellte auch die evangelische Kirchengemeinde den Gemeindesaal der Thomaskirche vormittags als Unterrichtsraum zur Verfügung. Außerdem mussten verschiedene Fachräume als Klassenzimmer mitbenutzt werden, hinzu kamen noch Wanderklassen.

Ende der 90er-Jahre musste wieder mit einem "Schülerberg" gerechnet werden. Für die Schule und die Stadtverwaltung hieß das, dass es höchste Zeit war, mit dem bereits genehmigten Erweiterungsbau von neuen Fach- und Klassenräumen zu beginnen. Im Schuljahr 1998/99 wurde der Neubau, mit einem Fachraum für Bildende Kunst und sieben Klassenzimmern, durch Realschulrektor Detlef Schwerdtfeger im Beisein der gesamten Schulgemeinde eingeweiht. Für die Schülerinnen und Schüler der Teck-Realschule folgte eine schöne Zeit, konnte doch mit Bezug des Neubaus die Zahl der Wanderklassen deutlich verringert werden. Durch den Rückgang der Klassenzahlen an der Außenstelle der Rauner-Grundschule und der damit verbundenen Abtretung von Klassenzimmern an die Teck-Realschule, hat derzeit jede Klasse ihr eigenes Klassenzimmer.

Mit Einführung des neuen Bildungsplanes 2004 ergab sich für die Teck-Realschule ein erneutes Raumproblem. Neben der Stärkung des selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernens ist die Ausweitung des naturwissenschaftlichen Unterrichts ein wesentliches Element des neuen Bildungsplanes. Im Fächerverbund Naturwissenschaftliches Arbeiten (NWA) werden die ehemaligen Fächer Biologie, Chemie und Physik ab der fünften Klasse als viertes Kernfach überwiegend handlungsorientiert unterrichtet. Der Fachraumbedarf im Bereich Chemie und Physik hat sich damit fast verdoppelt. Erfreulicherweise ist der Wille zur Lösung dieses Problems bei der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat deutlich erkennbar.

In den vergangenen 40 Jahren musste das Gebäude der Teck-Realschule immer wieder den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Ständige Benützung hat ihre Spuren an dem Gebäude hinterlassen. Auch in Zukunft werden die Ansprüche an das Gebäude durch bildungspolitische Vorgaben, gesetzliche Bestimmungen und Wünsche aller am Schulleben Beteiligten bauliche Veränderungen mit sich bringen. Investitionen in das Gebäude sind eine der Voraussetzungen, dass auch in Zukunft Schülerinnen und Schüler genau so wie ihre Lehrerinnen und Lehrer weiter gerne in ihre Teck-Realschule gehen.

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