Lokales

In der Braike brodelt‘s

Oberbürgermeisterin weist Benachteiligung des Teilorts Nabern weit von sich

Die Naberner Braike ist ein ganz normales Neubaugebiet. Noch klaffen Baulücken, noch fehlt der Deckbelag auf der Straße. Doch genau dies ist den Anwohnern ein Dorn im Auge. Sie finden, die abschließende Asphaltschicht sollte längst aufgebracht sein, schließlich wurden sie dafür zur Kasse gebeten. Manch einer in der Braike sieht darin den Beweis, dass der Teilort Nabern zu kurz kommt.

Irene Strifler

Kirchheim. Seit mehr als fünf Jahren wird in der Braike gebaut. Einige schmucke Häuschen stehen schon in dem beschaulichen Areal mit Blick auf Teck und Limburg, dazwischen ist aber auch noch viel Platz für weitere Projekte.

Wie das in Neubaugebieten so ist: Die Zufahrtsstraße ist uneben, Schachtdeckel ragen in die Höhe, das Straßenniveau liegt deutlich unter den Einfahrten zu Garagen und Häusern. Deshalb wird mancherorts der Höhenunterschied mit Hölzern überbrückt. – Eine Maßnahme, die nicht ungefährlich ist, wie einige Anwohner zu bedenken geben. Zu ihnen gehört Jürgen Riehle, heute Bürgermeister von Holzmaden und zu Beginn seiner Laufbahn Ortsvorsteher von Jesingen. Er verweist darauf, dass die Gemeinde die Verkehrssicherungspflicht habe. Die Keile stellten eine akute Gefahr dar, könnten sie doch hochgewirbelt und so zu gefährlichen Geschossen werden. Der Wunsch der Anwohner: Aus der Holperpiste Braike soll schnellstmöglich eine glatte Asphaltstraße werden. Dies stehe ihnen zu, argumentieren die Betroffenen, und berufen sich darauf, dass die Grundstücke „voll erschlossen“ verkauft worden seien.

Dass der Deckbelag kommt, steht für die Stadtverantwortlichen außer Frage. Nur wann? Im jüngsten Haushalt wurde die Maßnahme, die mit 150 000 Euro zu Buche schlägt, nicht berücksichtigt, dafür aber in der Finanzplanung für 2011 vorgesehen. „Ein Schieben der Maßnahme war durchaus zu rechtfertigen, zumal noch eine ganze Reihe von Baumaßnahmen dort ausstehen“, betont Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Sie verweist auf die angespannte Haushaltslage der Großen Kreisstadt und deren mannigfache Pflichtaufgaben.

„Der Deckbelag kommt immer erst nach Abschluss der Bauarbeiten“, sieht auch Naberns Ortsvorsteher Clemens Moll keinen Grund zur Aufregung. Allerdings sei es bedauerlich, dass die Anwohner nach wie vor mit erhöhten Bordsteinkanten zu kämpfen hätten. Moll, der die Situation vor Ort unter die Lupe genommen hat, räumt ein, dass die Tragschicht der Straße jetzt lange genug der Witterung ausgesetzt war.

Unterdessen wird in der Braike bezweifelt, ob der Deckbelag überhaupt nächstes Jahr Realität wird. „Die Finanzplanung ist völlig unverbindlich“, gibt Jürgen Riehle skeptisch zu bedenken. Im Übrigen sei es längst nicht mehr üblich, bis zum Abschluss aller Bauarbeiten mit dem Endbelag zu warten, verweist er auf die Gepflogenheiten in anderen Gemeinden.

Papier ist bekanntlich geduldig, die Bürger in der Braike sind es nicht mehr: Ein Höhenunterschied von zum Teil acht Zentimetern von der Straße ins Grundstück könne glattweg das K.o. für den fahrbaren Untersatz eines nichts ahnenden Besuchers bedeuten, von den Schwierigkeiten für Kinderwägen und Rollstühle ganz zu schweigen. Riehle und seine Nachbarn stellen daher die Frage der Haftungspflicht in den Raum. Asphaltkeile könnten ihrer Ansicht nach die Situation entschärfen. Doch diese Investition verbietet sich aus Sicht der Stadtverantwortlichen von selbst, wenn die Straße ohnehin bald gemacht wird.

„Wird Nabern einfach hintangestellt?“, stellt Riehle eine Frage, die auch so manchen anderen Naberner zu bewegen scheint. Vom „Sparschwein Nabern“ war gar in Leserbriefen die Rede, nachdem die neue Gießnauhalle den ersehnten Landeszuschuss nicht erhalten hatte. In diese Argumentationskette passt auch die Tatsache, dass im Teilort noch die schnelle DSL-Verbindung fehlt.

Die Oberbürgermeisterin verwahrt sich gegen derlei Theorien. „Der Zustand der Straßen in Nabern ist ein exzellenter“, vergleicht sie Naberns Infrastruktur mit so manchem Problemfall in der Kernstadt. Eine Benachteiligung welchen Teilorts auch immer ist für die Stadtchefin völlig aus der Luft gegriffen: „Selbstverständlich wird überall gehandelt, wo etwas getan werden muss.“ Als Beispiel nennt sie die vierte Kindergartengruppe, die nun im Ortsteil Nabern eröffnet wird, um der Nachfrage Rechnung zu tragen.

Was die DSL-Verbindung angeht, gilt einstweilen das Motto „Abwarten und Tee trinken“, und zwar nicht nur für Nabern, sondern auch für Teile Lindorfs und so manche Umlandgemeinde. Ortsvorsteher Clemens Moll betont, dass infolge der Privatisierung des Marktes gemäß EU-weiter Vorgaben erst eine Marktanalyse erforderlich sei, dann folge die Ausschreibung. Wenn alles gut läuft, ist Nabern bis spätestens Weihnachten mit dem Rest der Welt auf schnellsten Netzen verbunden.

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