Lokales

In der ehemaligen Hausmeisterwohnung kochen Schüler für Schüler

KIRCHHEIM Was sollte mit der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Eduard-Mörike-Schule geschehen, nachdem der Hausmeister in die neue Dienstwohnung gezogen war? Schnell war der Wunsch geboren, daraus ein Schülercafé zu machen. Schülerarbeiten einmal ganz anders: In ihrer Freizeit, besonders freitagnachmittags und samstagvormittags, betätigten sich Schüler als Handwerker.

Anzeige

Als erstes mussten die Schüler der jetzigen Klassen 8a und 8b die Fliesen von den Wänden des ehemaligen Badezimmers und der Küche mit Hammer und Meißel abschlagen. Das war vielleicht eine harte Arbeit. "Wir sahen aus wie richtige Bauarbeiter", erinnert sich eine beteiligte Schülerin. Die heruntergeschlagenen Fliesen wurden dann in Eimern rausgetragen. Das Waschbecken und die Badewanne wurden ebenfalls mit Hammer und Meißel rausgehauen. Die Kanten waren ziemlich scharf, sodass man aufpassen musste, sich nicht zu schneiden. Als dann alles fertig in Eimern rausgetragen war, wurde noch ausgefegt.

Als das geschafft war, kamen die Wände dran. Die Tapeten wurde nass gemacht, damit sie besser abgingen. In mühevoller Kleinarbeit wurden in allen Zimmern die Tapeten abgekratzt. Bis zu 20 Schüler arbeiteten gleichzeitig in den verschiedenen Räumen. Die alten Tapeten wurden dann in blaue Müllsäcke geschmissen und entsorgt. Damit war der Einsatz der Schüler erst mal beendet, und die Handwerker kamen. Wände wurde eingerissen, neue Wände gezogen, die Heizung renoviert und neue Türenrahmen gesetzt. Es war jetzt kurz vor den Sommerferien und die Zeit drängte, weil das Schülercafé im neuen Schuljahr genutzt werden sollte.

Es folgte der zweite Schülereinsatz: Alle Wände und die Decken mussten tapeziert werden. Verschiedene Gruppen arbeiteten Hand in Hand: Messen, Schneiden, Einkleistern, große Bahnen kleben, Feinarbeiten. Nach dem Trocknen der Tapeten wurden die Wände weiß grundiert und mit der Schul-Schwamm-Technik farblich gestaltet. Jedes Zimmer erhielt eine andere Farbe: das grüne Lesezimmer, der blaue Billardsalon und der gelbe Speisesaal.

Man stelle sich vor: Es wurden von den Schülern etwa 270 Arbeitsstunden geleistet, das bedeutete eine Ersparnis von etwa 3 000 Euro. Nach den Malerarbeiten war der Weg frei für die Schreiner der Stadt: Neue Türen wurden eingebaut und der Fußboden erneuert. In seiner Freizeit baute der ehemalige Fördervereinsvorsitzende Erich Joachim eine Küche samt Spülmaschine, Herd, Kühlschrank und einer sehr großen Theke ein. Das neue Schuljahr hatte inzwischen begonnen und die Küche und die Räume mussten eingerichtet werden.

Vom alten Schülercafé waren erfreulicherweise noch der Billardtisch und der Tischkicker erhalten geblieben und konnten aufgestellt werden. Vier alte Tische wurden abgeschliffen, neu lackiert und bieten 25 Personen Platz im Speisesaal. Den Billardraum zieren sechs Kinositze und ein blaues Ledersofa, das von zwei Schülern auf dem Weg zum Nachmittagsunterricht vor dem Sperrmüll gerettet wurde. Ein Schüler stiftete seine alten Billardkugeln. Im Leseraum stehen nun zwei runde Bistrotische mit neun passenden Chrom-Leder-Stühlen aus einem Second-Hand-Shop in Kirchheim. Mit Kunstwerken von Schülern wirkt dieser kleine Raum richtig toll und gemütlich. Auch der Speisesaal wurde noch gemütlicher, nachdem die im HTW-Unterricht genähten Gardinen aufgehängt waren.

Nun kam die Küche dran. Es mussten schleunigst Geschirr, Töpfe, Gläser und Besteck her. Bezahlt wurde dies von der Schule, während die Kosten für die Möbel vom Förderverein übernommen wurden. Das Schülercafe wurde eingerichtet, damit Schüler, die über den Mittag in der Schule bleiben, etwas essen können. Jede Woche kocht die HTW-Gruppe der 8. Klasse für das Schülercafé, also für die anderen Schüler. Die Hauptmahlzeit wird immer mit einem Salat oder einem Nachtisch ergänzt.

Nachdem die Schüler gegessen haben, macht die andere Klasse den Abwasch. In der Woche darauf werden die Gruppen gewechselt. In der Mittagspause kann man sich auch an dem Billardtisch oder dem Tischkicker vergnügen, man kann aber auch eines der vielen Bücher lesen. Danach geht der normale Mittagsunterricht weiter. Doch das Schülercafé wird auch noch anders genutzt. Die Streitschlichter der Schule treffen sich hier einmal die Woche und lernen mit Konflikten umzugehen. Jeden Freitagmorgen bereiten Grundschüler ein gesundes Frühstück vor. Die SMV nutzt die Räume für ihre Tagungen. Eine 5. Klasse hat im Schülercafé vor und nach ihrer Lesenacht zu Abend gegessen und gefrühstückt. Weitere Aktivitäten sind geplant: Weihnachtsfeier, Klassenfeste, Hausaufgabenbetreuung und einiges mehr.

Am 27. war es endlich so weit: Es gab das erste Essen im Schülercafé. 52 Anmeldungen zum Pizzaessen lagen vor. Alles klappte wunderbar. Innerhalb kurzer Zeit herrschte eine "gefräßige" Stille. Nachdem alle das Schülercafé verlassen hatten, musste die entsprechende Gruppe für Ordnung sorgen, spülen und alles wieder wegräumen. Am Ende waren sich alle einig: Es war ein voller Erfolg.

Erst am 18. November war die offizielle Einweihungsfeier des Schülercafés. Einige Schüler und Schülerinnen aus der 8a und 8b haben bei der Vorbereitung geholfen. Die Vertreter des Ortschaftsrats, des Fördervereins und Lehrer waren da. Rektor Friedemann Korn, Dr. Hans-Dieter Pix vom Schulamt und der Ortsvorsteher Hermann Kik hielten jeweils eine kurze Rede. Im Prinzip waren alle der gleichen Meinung: Dank an die Stadt Kirchheim, Lob an die Schüler für ihre Leistung und Hoffnung, dass das Schülercafé reichlich genutzt wird. Hermann Kik ergänzte seine Worte noch mit einer Spende des Ortschaftsrats. Lehrer und Schüler sind sehr zufrieden und stolz, das Schülercafé zu haben.

Klasse 8b

Eduard-Mörike-Schule Ötlingen