Lokales

In der Finanzkrise eine Chance sehen

Schutz des menschlichen Lebens, eine Kirche, die Wachstumsperspektive hat und mögliche Chancen der Neuorientierung angesichts großer Finanzlücken waren die spannenden Themen beim örtlichen Bericht von der württembergischen evangelischen Landessynode in der vergangenen Woche.

OWEN Gleich am Sonntag nach Abschluss der Landessynode berichtete der Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde", der drei von vier Synodalen des Wahlbezirks Kirchheim-Nürtingen stellt, was in Stuttgart in viertägiger Beratung beschlossen wurde. So teilte Sibylle Lehmann mit, dass sich auch die evangelische Landeskirche in Württemberg unerwartet stark finanziell einschränken muss, da die Kirchensteuereinnahmen eingebrochen sind. Die bislang unter großen Anstrengungen erreichten Sparbeschlüsse von 16 Millionen Euro pro Jahr reichen bei weitem nicht aus angesichts eines Defizits von etwa 40 Millionen Euro bereits schon im Jahr 2004, wie auch wohl in den Folgejahren. Als Gründe nannte Lehmann die schwache Konjunktur, die vorgezogene Steuerreform und die Reduzierung staatlicher Zuschüsse. Zugleich dankte sie allen Kirchensteuerzahlern, die damit eine gute geistliche und diakonische Arbeit unterstützen, die in dieser Form niemand anders im Land erbringe.

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Doch darin liege auch eine Chance für die Kirche, sich gezwungenermaßen auf ihren eigentlichen Auftrag der Verkündigung in Wort und Tat zu konzentrieren, meinte Sibylle Lehmann. Nicht nur die Landeskirche, auch jede einzelne Kirchengemeinde müsse vor Ort ihre Ausgaben überprüfen.

Freude und Ängste ausgelöst hat in der Synode das Thema "Wachsende Kirche". Die Selbstverständlichkeit, missionarische Kirche zu sein, sei im Lauf der Zeit verlorengegangen, dies habe die Sondertagung im Sommer wieder bewusst gemacht. Dass Mission nicht Einengung, sondern Bereicherung bedeute, ist Sibylle Lehmann wichtig, die auch von Kontroversen bei diesem Thema weiß.

Als Höhepunkt der Synodenarbeit wertete die Synodale die Diskussion und Veröffentlichung einer "Entschließung zur Würde des Menschen und zum Schutz des menschlichen Lebens". In den Grenzsituationen sollen Christen einerseits verständnisvoll begleiten, andererseits aber auch klar sagen, wo sie stehen. So müsse Abtreibung, aus welchem Grund auch immer sie geschehe, als von Gott nicht gewollte Tötung eines Menschen bezeichnet werden. Genauso sei auch der Schutz des Lebens im hohen Alter zu beachten. Wichtig sei die seelsorgerliche Begleitung von Angehörigen, die gezwungen seien, schwierige Entscheidungen für die Pflege und das Leben und Sterben schwer erkrankter Menschen zu fällen.

Sibylle Lehmann erwähnte abschließend noch den Bericht des Oberkirchenrats über die Lage der Christen im Irak. Dort seien organisierte Anschläge islamischer Terroristen auf die christliche Minderheit nahezu an der Tagesordnung. In den letzten 15 Monaten seien mehr als 80 Christen gezielt getötet worden, unter anderem, weil sie in ihren Läden Alkohol verkaufen oder als Frauen unverschleiert auf die Straße gehen. Die Kirchenleitung versucht die Christen im Irak nach besten Kräften zu unterstützen und bittet die württembergischen Christen um Fürbittgebete.

Auf die Anfrage aus dem Publikum, ob die Selbstständigkeit des Evangelischen Jugendwerks gefährdet sei, antwortete Lehmann, die im Jugend-Ausschuss der Synode mitarbeitet, mit einem klaren Nein. Besonders der Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde" setze sich weiterhin für eine starke und unabhängige Jugendarbeit ein. Zudem sei das Jugendwerk sehr geschickt im Werben um finanzielle Mittel außerhalb der Kirche, was die Zukunft sichern helfe.

eg