Lokales

In der Innenstadt grassiert das Lampenfieber

Kirchheim ist drauf und dran, im Rahmen eines umfangreichen Beleuchtungskonzepts in neues Licht getaucht zu werden. Doch jetzt hat sich die öffentliche Diskussion an der Beurteilung einzelner Lampenmodelle festgebissen sehr zum Bedauern der Planer und politisch Verantwortlichen. Engagiert werben sie dafür, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Wir wollten keine Leuchten-, sondern eine Lichtdiskussion", zeigte sich der aus Kirchheim stammende Landschaftsarchitekt Jochen Köber enttäuscht beim Vor-Ort-Termin, zu dem sich die Mitglieder des Technischen Ausschusses des Gemeinderats in der Fußgängerzone versammelt hatten. Dort nämlich stehen seit zwei Wochen vier Lampenmodelle, die in der engeren Wahl für die künftige Kirchheimer Straßenbeleuchtung sind. Wer daran vorbeibummelt, kann immer wieder Zeuge hitziger Diskussionen werden. Mehrere Stadträte berichteten, dabei bislang "wenig Positives" gehört zu haben.

Das liegt nach Meinung der Planer daran, dass das Gesamtkonzept zu kurz kommt im Angesicht der Einzelleuchte. Jochen Köber erinnerte an den Ansatz von Lichtplaner Gierß, die schmucken Fachwerkfassaden besser in Szene zu setzen. Sie kommen bei der derzeitigen Kugelbeleuchtung nicht zur Geltung. Momentan geht es jedoch gar nicht um die Fassadenbeleuchtung, im Mittelpunkt des Interesses stehen die Straßenlampen. Die allerdings treten im Gesamtkonzept in den Hintergrund. Beispielsweise halbiert sich die Zahl der Lampenstandorte gegenüber heute. Die Leuchten werden deutlich höher hängen als die betagten Glaskugeln. Davon erhofft man sich zudem den Vorteil, dass künftig keine anliefernden Lkw mehr mit den Lampen auf Tuchfühlung gehen.

In der Sitzung, die sich der Besichtigung anschloss, hob das Gros der Redner nochmals die Bedeutung der Grundidee hervor. "Entscheidend ist das Licht", betonte SPD-Mann Peter Bodo Schöllkopf: "Das Schöne ist doch gerade, dass die einzelnen Leuchten mehr im Hintergrund stehen." Eine generelle Absage an alle vier zur Auswahl stehenden Modelle kam lediglich von Kibü-Vertreter Albert Kahle, der sie mit "Bohnenstangen statt dem krönenden Sahnehäubchen auf der Torte des Konditors" verglich.

Verschärfte Werbung für das längst abgesegnete Gesamtkonzept wurde auch von Seiten ehemaliger Kritiker eingefordert. So pochte Andreas Schwarz von den Grünen Alternativen auf eine positive Vermarktung und mehr Information. CDU-Vertreter Siegfried Pöschl betonte, dass das Konzept in der Bevölkerung zu unbekannt sei. "Aufklärung tut not", räumte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ein. Schließlich gehe es hier um die nach vorne gerichtete Entwicklung einer Stadt und um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Eine Info-Veranstaltung in den nächsten Wochen soll Anliegern und interessierten Bürgern nun erneut die Möglichkeit geben, das Konzept kennen zu lernen.

Natürlich besteht das Anliegen nicht nur darin, Fans für die Planung zu finden, sondern auch Geldgeber. Martin Zimmert, Geschäftskreisleiter für Hoch- und Tiefbau, ist derzeit auf Werbetour bei den Hausbesitzern in Markt- und Max-Eyth-Straße. Sie sollen sich mit 75 Prozent an den geplanten Giebelleuchten beteiligen. Den Rest zahlt die Stadt, ebenso Betrieb und Unterhalt. Von "positiver Einstellung" berichtete Zimmert. Allerdings hat er erst ein Bruchteil der 80 Eigentümer abgeklappert, weswegen Ulrich Kübler von den Freien Wählern keinen Anlass zur Euphorie sah: "Da werden wohl noch einige Diskussionen ins Haus stehen." Fakt ist, dass das Gesamtkonzept gefährdet ist, wenn nicht mindestens Dreiviertel aller Hauseigentümer mitmachen.

Die Kosten für die komplette Beleuchtung in der City liegen zwischen knapp 400 000 und 540 000 Euro, je nach Ausschreibungsergebnis. Die Einzelleuchten, die derzeit in der Fußgängerzone zu besichtigen sind, kosten zwischen 533 und 1456 Euro. Das teuerste Modell, erkennbar am größten Lampenschirm, fand in der Sitzung spontan keine Liebhaber. Doch auch zwischen den übrigen drei Kandidaten drängte sich keine Entscheidung auf. Das "Lampenfieber" in Kirchheim hält also noch mindestens bis zum kommenden Mittwoch an. Dann soll sich der Gemeinderat festlegen.

Die Freigabe der Ausschreibung fassten die Stadträte einstimmig für September ins Auge, Baubeginn soll ein halbes Jahr später als geplant, nämlich im Frühjahr 2006, sein. Grund für die Verschiebung ist nicht etwa die Finanzlage, sondern die Überlegung, den baustellengeplagten Geschäftsleuten in der Kirchheimer Innenstadt nicht noch eine weitere Baumaßnahme zumuten zu wollen.

Anzumerken bleibt noch, dass die Mitglieder des Technischen Ausschusses keine Mühe scheuten, sich in Vorbereitung der entscheidenden Gemeinderatssitzung eine Meinung zu bilden: Nach Abschluss der umfangreichen nichtöffentlichen Tagesordnung schwärmten sie zu mitternächtlicher Stunde erneut in die Fußgängerzone aus und blinzelten vereint in die Lichtkegel.