Lokales

In der Mittagszeit gibt es besonders viel zu lernen

"Essen, Lernen, Freizeit": Was sich für Generationen von Schülern in der Mittagszeit schon immer in dieser Reihenfolge abspielen sollte, organisiert das Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit (KiZ) seit Februar für Schüler der Kirchheimer Raunerschule. Dieses Betreuungsangebot ist durch die Spenden der letztjährigen Weihnachtsaktion des Teckboten möglich geworden.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Von Anfang an war das KiZ-Team bestrebt, mit flexiblen Angeboten auf den jeweiligen Bedarf der Schule und der einzelnen Schüler zu reagieren. So richten sich die Betreuungsnachmittage im Kirchheimer Bohnauhaus nach den Stundenplänen an der Raunerschule. Und auch die Hausaufgabenhilfe orientiert sich an den individuellen Schwierigkeiten der Schülerinnen und Schüler.

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"Keine Hausaufgaben" haben die Kinder zwar immer gerne, aber bei KiZ im Bohnauhaus kommt das trotzdem nicht vor. "Es ist klar, dass immer was gemacht wird", stellte Diplom-Sozialarbeiterin Doris Kurka jetzt in einem Gespräch mit dem Teckboten fest, "und wenn es wirklich einmal keine Hausaufgaben gibt, dann werden eben Englisch-Wörter gelernt." KiZ-Leiter Wolfgang Schinko bringt noch das Fach Mathematik ins Spiel: "Da kann es auch länger dauern. Wir haben einmal auf eine Arbeit gelernt, und der Einzelunterricht hat so lange gedauert, bis der Schüler aus innerer Überzeugung gesagt hat: ,Jetzt hab' ich's kapiert.'"

Das gesamte Projekt hat den Namen "Lara". Dahinter verbirgt sich die Abkürzung von "Lernen, Arbeiten, Ruhen, Aktiv sein". Was speziell über die Mittagszeit im Angebot ist, hat die Zusatzbezeichnung "Lara elf". "Elf" wiederum steht für "Essen, Lernen, Freizeit". Das Lernen besteht zunächst vor allem aus der Hausaufgabenbetreuung. Je nach Bedarf wird eben auch gezielt auf Klassenarbeiten gelernt.

Der erste Bestandteil der gemeinsamen Mittagszeit ist aber das gemeinsame Essen. Auch dabei kommt das Lernen nicht zu kurz, wie Wolfgang Schinko aus dem vergangenen Schuljahr erzählt: "Die Schülerinnen und Schüler sind gleich nach der Schule zu uns gekommen, und wir haben dann gemeinsam gekocht, den Tisch gedeckt, gegessen und abgespült. Dabei haben manche noch einiges gelernt." Seine Kollegin Doris Kurka führt aus, dass es nicht nur bei der Küchenarbeit, sondern selbst beim Essen noch etwas zu lernen gab, was Tischsitten und Esskultur betraf: "Schon der gemeinsame Anfang ist wichtig, auch die Gespräche am Tisch. Das gemeinsame Essen ist ganz zentral und hat bisher auch jedes Mal relativ lang gedauert."

Nach dem Essen und der Hausaufgabenbetreuung folgt der dritte Teil. "Um das Ganze abzurunden und noch eine gemeinsame Freizeitaktivität anzubieten, machen wir Spiele", sagt Wolfgang Schinko. Ob es sich dabei nun um Brettspiele oder Kartenspiele handelt, im Sommer auch um Ballspiele oder andere bewegungsintensive Tätigkeiten im Freien auch dabei gibt es wieder eine Menge zu lernen. Einmal sind es die Spiele selbst, deren Regeln nicht immer allen bekannt sind. Dann geht es auch um Konzentration, um die Förderung der Kombinationsgabe oder schlichtweg darum, verlieren zu können. Auch beim Spielen kommt es natürlich darauf an, sich gemeinsam sinnvoll zu beschäftigen, wie Wolfgang Schinko erläutert: "Die Kinder würden sonst zuhause Computerspiele machen oder auf der Straße rumhängen."

Das Angebot richtet sich prinzipiell an alle Klassenstufen der Raunerschule. "Wir müssen aber davon ausgehen, dass wir am ehesten die Klassen 5 bis 7 erreichen, schätzt Doris Kurka die Lage realistisch ein. Dabei dürften auch Acht- und Neuntklässler die Räume des KiZ im Bohnauhaus aufsuchen. Auch dabei denkt Wolfgang Schinko wieder an den möglichen Lerneffekt: "Alle Altersstufen können davon profitieren. Ältere und Jüngere lernen gegenseitig voneinander."

Einer der "Lara"-Teilnehmer hatte im vergangenen Schuljahr übrigens eine ganz besondere Lernerfahrung zu verzeichnen: "Der kam mit einer gewissen Protesthaltung", erinnert sich Wolfgang Schinko. "Ich muss hierher, weil meine Mutter das will", habe er anfangs unmissverständlich klargemacht. Schon bald hat sich seine Einstellung aber grundlegend geändert. "Er hat dann sogar Werbung für uns gemacht", berichtet der Leiter des KiZ weiter.

Auch etliche andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten sich schnell von "Lara elf" überzeugt gezeigt: "Ich wusste gar nicht, dass das so gut ist, und dass es mir sogar was bringt." Sowohl für Wolfgang Schinko als auch für Doris Kurka steht deshalb fest, dass die Kinder jedes Mal wieder gerne ins KiZ kommen, auch wenn nicht alle von vornherein auf freiwilliger Basis dabei waren. Eine gewisse Verpflichtung war wohl auch das Geld, das die Teilnehmer im Voraus bezahlt hatten. "Das Essen kostet anderswo auch Geld", nennt Doris Kurka einen der Gründe, warum "Lara" nicht gratis angeboten wurde.

Die Gesamtkosten lassen sich durch die Gebühren natürlich nicht decken. Deshalb haben die Teckbotenleserinnen und -leser mit ihren Spenden für die letztjährige Weihnachtsaktion dazu beigetragen, dass das "Lara"-Projekt überhaupt ins Leben gerufen werden konnte. Die Spendengelder benötigt das KiZ, um Personal- und Sachkosten zu bestreiten. "Die Weihnachtsaktion hat nicht nur für dieses Projekt geholfen, sondern auch die Existenz des KiZ gerettet", weiß Wolfgang Schinko um die Bedeutung der Finanzspritze durch die Teckbotenleser: "Davon sollten wir zwei Jahre lang zehren können. Für die Zeit danach müssen wir weiterschauen. Wir haben aber auf jeden Fall den Anspruch, die Arbeit fortzuführen."