Lokales

In einem Tag von "Seele" zu "Seele" rund um die Teckstadt

KIRCHHEIM Die Lokale Agenda Kirchheim hat Anfang April die

Imagekampagne "FahrRad" gestartet. Der werbewirksame Einsatz für das Bike im Alltag wird sich bis zu den Goldenen Oktobertagen hinziehen. Der Teckbote bringt passend zum Thema eine lockere Serie über Menschen, die im Alltag den Drahtesel für sich entdeckt haben und ihn gerne benutzen wie Rudi Luttenberger, der Initiator der "Tour de Lac'le".



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RICHARD UMSTADT

"Rulu" ist ein waschechter Kirchheimer. Sein Vater erblickte zwar 1892 in Brooklyn, New York, das Licht der Welt. Das aber ist eine andere Geschichte. Rudi Luttenberger jedenfalls, seine Freunde nennen ihn der Kürze wegen "Rulu", ist in der Kirchheimer Vorstadt aufgewachsen und steht nun wenige Tage vor seinem 69. Geburtstag. Der VfB-Fan "seit 1950" ist nicht nur eingefleischter Teckboten-Leser und SWR 4-Hörer. Er tritt auch mit Begeisterung in die Pedale seines Tourenrades. Etwa bei der "Tour de Ländle". Aber nicht nur dort. Regelmäßig ist er ebenso bei den Dienstags- und Freitagsradler des Kirchheimer Bürgerbüros mit von der Partie. Kaum eine Radtour lässt er aus.



"Radfahren ist mein Hobby," sagt der gelernte Schreiner, der über 36 Jahre im Flugzeugbau tätig war. Zuerst bei Hähnle Glasflügel in Schlattstall und dann bei Bölkow, Nabern, und Schempp-Hirth in der Krebenstraße. 16 Jahre lang, bis 1998, radelte Rudi Luttenberger täglich zur Arbeit bei dem wohl weltweit bekanntesten Kirchheimer Segelflugzeugbauer.



Doch "Rulu" fährt mit seinem Radl nicht nur von A nach B. Der kreative Kirchheimer stellte für seine Enkel Jan und Nilsi 1994 eine besondere Tour zusammen, die er im Laufe der Zeit ausbaute und die heute als Geheimtipp unter naturbegeisterten Bicyclisten gehandelt wird die "Tour de Lac'le", oder auf gut schwäbisch die Teichles- und Seelestour.



Die rund 70 Kilometer lange Strecke startet auf dem Parkplatz des Kirchheimer Sonnensees und führt von dort auf dem Radweg nach Schlierbach und zum Schlierbacher See mittenmang im Ort. Weiter geht die Lac'lestour über die Kreuzeiche und Pippendorf, das einst von der Pest entvölkert wurde, die Uhlandlinde, Oberholz, den Campingplatz "Schwabenalb" und Aichelberg nach Weilheim an den Egelsberg-See. Die nächste Station ist das Naberner Fischteichle. Von dort führt die Route über Sportheim Bissinger Dachsbühl zum berühmten Bissinger Sai, in dem bekanntlich schon die Kanalschwimmerin Gertrud Ederle ihre Bahnen zog.



Dettingen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Seegemeinde und ist von Bissingen aus über den Guckenrain mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Auch die Lautergemeinde besitzt auf ihrer Gemarkung ein wahres Naturidyll, den Mannsbergsee. Von hier ist es nicht mehr weit zu den Bürgerseen, der siebten Station der kleinen Seen- und Teichlestour.



Nummer acht ist der Teich des Botanischen Gartens im Hofgut Tachenhausen, das man über das Rübholz erreicht. Das nächste Etappenziel bildet der Baggersee "Am Rank" im Unterensinger Naturschutzgebiet, das gerne von Grau- und anderen Wildgänsen angeflogen wird. Von Unterensingen führt die "Tour de Lac'le" über Köngen und den Römerpark Grenario an den Schäferhauser- und den Hüttensee auf Wendlinger Gemarkung sowie weiter ins Vogelschutzgebiet der Wernauer Baggerseen. Hier macht die Route eine Kehrtwende. Über Wendlingen, Bodelshofen und den Süß'schen See in Ötlingen geht es zurück der Lauter entlang am alten Friedhof vorbei durch den Hafenkäs zum Ausgangspunkt Sonnensee. Wenn das kein Tipp ist für sonnige Wochenenden und trainierte Radlerwadeln . . .



Und noch einen Ratschlag hat Rudi Luttenberger parat, um einen "lazy sunday" in einen tollen Sonntag zu verwandeln. Dazu reicht im Sommer Samstagmorgens gewöhnlich ein Blick in den Teckboten und "Rulu" weiß, wo's Tags darauf lang geht mit seinem 14 Jahre alten "Metro-Active-Alu-Style" Mountain Bike: von Hocketse zu Hocketse wie vor 14 Tagen. Zuerst radelte er zum Oldtimer-Schleppertreff im Ötlinger Hägelen, dann schaute er sich auf dem Dettinger Segelfluggelände beim Modellflugtag die "Fliegerle" an, fuhr weiter auf dem Radweg über Bissingen vorbei an der Limburg nach Neidlingen zum Inliner- Cup-Rennen, streifte auf dem Rückweg das Hepsisauer Dorffest und ließ sich schließlich bei der Kelter- Hocketse in Bissingen nieder. "Mit dem Fahrrad ist das gut zu machen," weiß "Rulu" aus Erfahrung. Es reichte im Anschluss daran sogar noch für ein Tänzchen im "Adler".



Rudi Luttenberger ist, wie viele seiner Generation, das Radfahren gewöhnt. Gerne erinnert er sich an seine erste Radtour mit seinen Freunden Werner und Gerhard Eckert im August 1952 zurück. Damals war er 16 Jahre jung. Von Kirchheim aus kämpften sich "Rulu" und seine Freunde mit ihren "Göppeln" ohne Gangschaltung über die Schwäbische Alb nach Ulm durch, durchquerten Oberschwaben und das Allgäu, lernten Oberstdorf, Lindenberg, Lindau und Bregenz kennen und radelten am Bodensee entlang nach Rorschach. Über Konstanz, Donaueschingen führte sie damals ihre Tour wieder zurück in die schwäbische Heimat an der Teck.



"Rulu" hält sich nicht nur durch Radfahren und Schwimmen fit. Er hat noch ein drittes Hobby. Er ist ein Glückspilz. Und daran änderte auch ein harter, privater Schicksalsschlag nichts. Er gewann weit über 200 Preisausschreiben in seinem Leben, darunter 15 Reisen und 80 Eintritts-Freikarten. Rudi Luttenberger gibt die Hoffnung nie auf. Die Gewinne bestätigen sein Lebensmotto: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt".

Ein strahlender Optimist: Rudi Luttenberger auf seinem 18-Gang-Mountain-Bike bei der "Tour de Ländle".