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"In höchstem Maße um Aichwald verdient gemacht"

Mit stehendem Beifall haben 500 Aichwalder ihren Bürgermeister Richard Hohler in den Ruhestand verabschiedet. 32 Jahre hat er, wie er selbst sagte, den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde als Rathauschef "gedient". Die größte Auszeichnung bescherte ihm der Gemeinderat mit der Ernennung zum Ehrenbürger.

HARALD FLÖSSER

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AICHWALD Hohler habe sich um die Gemeinde Aichwald "in höchstem Maße verdient gemacht", sagte sein Stellvertreter Volker Haug, der durch das zweieinhalbstündige Programm führte. Haug würdigte vor allem die integrative Leistung Hohlers. Nach der Verwaltungsreform habe es der gebürtige Owener außergewöhnlich schnell geschafft, die fünf Ortsteile zusammenzuführen, ohne dass große Eifersüchteleien blieben. Zweiter Punkt in der großen Lebensleistung Hohlers ist nach den Worten des Vize-Bürgermeisters der Aufbau einer "exzellenten Infrastruktur". Die Bilanz sei umso bemerkenswerter, wenn man bedenke, dass Aichwald heute schuldenfrei ist. Eine kleine Stichelei Richtung Esslingen konnte sich Haug dabei nicht verkneifen: "Dieses Ergebnis wäre als Esslinger Stadtteil kaum möglich gewesen."

Auch Landrat Heinz Eininger sparte nicht mit Lob für seinen Duz-Freund Richard. Hohler sei "mit Leib und Seele für seine Gemeinde eingetreten" und habe auf dem Schurwald ein "blühendes Gemeinwesen" geschaffen. Martin König, Bürgermeister der Nachbargemeinde Baltmannsweiler, brachte die Wertschätzung der Rathauschefs im Landkreis auf den Punkt: "Wir können nur den Hut ziehen vor einer solchen Leistung". Hohler habe das verantwortungsvolle und aufreibende Amt stets "mit Herzblut" ausgeübt. Sogar Maria Gangloff, die Bürgermeisterin der Partnergemeinde Böhlen in Sachsen, war angereist, um ihrem Amtskollegen danke zu sagen für die Hilfe nach der Wiedervereinigung. Anerkennung zollte Pfarrer Jochen Kelsch dem 62-Jährigen, weil er sein Leben in den Dienst der Gemeinde gestellt habe. "Sie waren ein guter Chef", lobte Walter Hoyler als Personalratsvorsitzender Hohlers Leistung, durch Teamarbeit eine gut funktionierende Verwaltung geschaffen zu haben. "Es war nicht die Arbeit eines Einzelnen", relativierte der mit Lob überschüttete Schultes. Zur Ehrenbürgerwürde meinte er: "Ich weiß nicht, ob ich es verdient habe. Aber ich bin stolz darauf." Hohler bezeichnete das Amt als Bürgermeister als "eine der schönsten Aufgaben überhaupt", sprach aber auch schwere Zeiten an, in denen es manchmal "bis an die Schmerzgrenze" gegangen sei. Auf der langen Liste der Dankadressen hatte Hohler seine Familie ganz oben. "Ohne ihren Rückhalt hätte ich vieles nicht leisten können", sagte der sichtlich bewegte Rathauschef mit stockender Stimme.

Zur Erheiterung des Publikums bekam Hohler an seinem Abschiedsabend gleich zwei Navigationsgeräte geschenkt. Eines stammt vom Gemeinderat, der seinem Vorsitzenden damit die Orientierung in der dritten Lebensphase erleichtern wollte. Just auf die gleiche Idee waren Hohlers Bürgermeisterkollegen gekommen, doch zum Glück überreichte Martin König das Präsent als Gutschein, der auch anderweitig einzulösen ist. Als Anspielung auf Hohlers Spitznamen "Richard Löwenherz" spendierten die örtlichen Vereine dem 62-Jährigen einen Kurzurlaub im gleichnamigen Romantikhotel in der Wachau. Etwas fürs Herz schenkten der Liederkranz Schanbach und der Musikverein Aichelberg: die Uraufführung des Schurwaldliedes.

Bei so vielen Rückblicken blieb nur wenig Zeit für die Zukunft. Die heißt Nicolas Fink. Der 30-Jährige wurde an diesem Abend offiziell als neuer Bürgermeister der Schurwaldgemeinde vereidigt. Pfarrer Werner Schumacher überreichte ihm symbolträchtig als Vorschuss einen Lorbeerzweig. Fink, der bisher Ortsvorsteher in Kirchheim-Nabern war, wird sein Amt am 1. Oktober antreten. Er werde sich mit voller Kraft für alle Aichwalder einsetzen, versprach er und kündigte an: "Sie alle werden bei mir auf große Dialogbereitschaft stoßen."