Lokales

In Kirchheim läuft die Sache schon rund

Die Bundesagentur für Arbeit und damit natürlich auch die einzelnen Bezirke stehen gewaltig unter Druck. Rund 5,2 Millionen Arbeitslose wollen Geld, aber vor allem wieder in eine Arbeitsstelle vermittelt werden. Mit dem Ausbau von so genannten Kundenzentren ist man bemüht, möglichst schnelle und unbürokratische Hilfe zu leisten. Das Schlagwort hierfür "Kundenzentrum".

RUDOLF STÄBLER

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GÖPPINGEN/KIRCHHEIM Wie so ein Kundenzentrum funktioniert, im Fachjargon Ablauforganisation genannt, wurde bei einer Pressekonferenz im Bezirk der Agentur für Arbeit in Göppingen jetzt vom Vorsitzenden der Geschäftsführung, Bernd Hofmann, vorgestellt.

Zur Einführung erinnerte der Göppinger Chef an die Arbeitsmarktzahlen vom Februar. So betrug die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer im dortigen Bezirk 26 500. "Das ist für mich eine entsetzliche Zahl" beteuerte Hofmann und verbreitete, was den hiesigen Bezirk betrifft, auch gleich wieder ein wenig Hoffnung. Er ist sich sicher, dass diese Zahl bereits im Bericht für den Monat März bedeutend nach unten gedrückt werde und bis zum 30. Juni erwartet er sogar einen Rückgang bei den Arbeitslosen im Bereich von vierstelligen Zahlen. Er schränkte dabei ein, dass die Zunahme bei den Arbeitslosen ausschließlich auf die vollständige Erfassung der Arbeitslosengeld-II-Empfänger sowie ihre arbeitsfähigen Angehörigen in den Bedarfsgemeinschaften zurückzuführen sei. Gleichzeitig begannen zu diesem Zeitpunkt die Instrumente des Sozialgesetzbuches zu greifen. Bernd Hofmann: "das waren harte Zeiten". So wusste er zu berichten, dass es in den einzelnen Agenturen zunächst einmal nur darum gegangen sei, ob die Leute auch ihr Geld bekommen haben. "Es hat sich viel in unseren Häusern abgespielt", erinnert er, sprach von langen Wartezeiten und der hohen Belastung für Besucher und natürlich auch der Mitarbeiter.

Unabhängig von der neuen Ablauforganisation in den Agenturen ist sich Hofmann sicher: "Die Trendwende zum Guten, das heißt zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit, ist erreicht. Die Arbeitslosenquote des Landkreises Göppingen mit der Hauptagentur in Göppingen (7,6 Prozent) und der Geschäftsstelle in Geislingen (8,3) liegt höher als bei den Geschäftsstellen des Landkreises Esslingen (Esslingen 6,6), Kirchheim 6,1), Nürtingen (5,7) und Leinfelden-Echterdingen (5,2). Hofmann freute sich darüber, dass bei den Geschäftsstellen Kirchheim, Leinfelden-Echterdingen und Nürtingen bereits ein Rückgang im Bestand an arbeitslosen Menschen zu verzeichnen ist.

Mit den nunmehr offiziell eröffneten Kundenzentren bei den Agenturen für Arbeit, hat man sich nach den Worten von Hofmann zum Ziel gesetzt, möglichst schnell wieder eine gewisse Ruhe und Ordnung in den Arbeitsablauf zu bringen und damit für den "Kunden" schneller handeln zu können. Der Service-Center, die telefonische Betreuung, bei den Agenturen ist so ausgerichtet, dass 80 Prozent der dort vorgebrachten Probleme schon in diesem Gespräch erledigt werden können. Beim Empfang (hier gilt eine selbst auferlegte 30-Sekunden-Regel) in den Agenturen wird zwischen terminierten und nicht terminierten Gesprächen unterschieden. Wer einen Termin hat, wird in den Job-Center weitergeleitet, ohne Termin geht es zunächst einmal zur Beratungs- oder aber Leistungsabteilung.

So erhält ein Arbeitssuchender zunächst einmal ein so genanntes "Arbeitspaket" zur Vorbereitung des Vermittlungsgesprächs. Dies hat den Vorteil, dass der Vermittler der Agentur bereits recht gut über sein Gegenüber Bescheid weiß. Er kennt die Bereitschaft eventuell zu pendeln, er hat sich auch über Gehaltsvorstellungen kundig gemacht und bekommt auch denkbare berufliche Alternativen des Suchenden. Bestens informiert ist der Angestellte auch über berufliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen. So ausgestattet fällt es dem Vermittler leichter "die Arbeitsstelle" zu finden. Ein Abgleich mit den Anforderungen eines entsprechenden Arbeitgebers ist schnell passiert, zumal sämtliche Agenturen für Arbeit im gesamten Bundesgebiet miteinander vernetzt sind. Da dem gesamten Ablauf immer eine telefonische Beratung vorgeschaltet ist, gibt es beim Gespräch zwischen Suchendem und Vermittler auch keine lästigen Telefonanrufe mehr. Hofmann: "Der Vermittler ist nur da, zu vermitteln."

Glücklich ist man bei der Agentur in Kirchheim, denn dort wird bereits nach der neuen "Methode" vorgegangen. Geschäftsstellenleiterin Irene Krissler freut sich darüber, dass beim Neubau in der Teckstadt bereits die neue Ablauforganisation berücksichtigt worden ist. Sie hat dadurch auch eine deutliche Entzerrung des Publikumsverkehrs festgestellt und kann auch berichten, dass in jüngster Zeit kaum mehr Klagen von "der Kundschaft" zu hören waren. "Geschimpft wird eigentlich nur, wenn wir telefonisch nicht erreichbar sind". Aber auch dafür gibt es eine einfache Erklärung. Sämtliche Anrufe bei den Agenturen für Arbeit landen zunächst einmal im Service-Center in Stuttgart. Von dort aus wird dann mit dem zuständigen Sachbearbeiter verbunden.