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"In Notfällen wird sofort geholfen"

Immer mehr Menschen wenden sich auch im Kreis Esslingen an die Schuldnerberatungsstellen. Entsprechend lang sind inzwischen mitunter die Wartezeiten, bis eine umfassende Beratung angeschoben werden kann. Angestrebt wird deshalb eine Harmonisierung der Fallbearbeitung.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN "In Notfällen wird sofort geholfen", betonte Dieter Krug, Sozialdezernent des Landkreises Esslingen, im Sozialausschuss des Kreistags. Im Übrigen hielten Rechtspfleger an den Amtsgerichten Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten für zumutbar. Das Thema war aufs Tapet gekommen, nachdem die SPD-Fraktion im Zuge der Haushaltsplanberatungen gefordert hatte, Personal aufzustocken, um Leuten, die in der Schuldenfalle stecken, schneller helfen zu können.

Wie eine Untersuchung zeigt, gibt es abgesehen von kurzfristigen Erstgesprächen in Härtefällen, deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Beratungsstellen: Während Schuldner beim Kreissozialamt nach drei bis fünf Monaten eine umfassende Beratung bekommen und auch das Deutsche Rote Kreuz spätestens nach sechs Monaten beziehungsweise bei Beratungen zu Verbraucherinsolvenzen nach neun Monaten freie Kapazitäten hat, benötigen Ratsuchende bei den Diakonischen Bezirksstellen einen längeren Atem: In Kirchheim und Esslingen beträgt die Wartezeit im Schnitt elf, in Filderstadt gar 15 Monate. Ziel der Beratungen ist, längerfristig alle Verbindlichkeiten der Schuldner zu regulieren. "Die auffällig langen Wartezeiten werden wir beim Kreisdiakonieverband ansprechen", kündigte Krug an. Auch müssten Zugänge und Statistiken genauer unter die Lupe genommen werden.

Springer, die jeweils dort arbeiten, wo es am meisten "brennt", sind für den Sozialdezernenten keine Lösung. Durch Einarbeitungszeiten fürchtet er mit diesem Modell einen Effizienzverlust. Auch seien Interessenskonflikte zwischen den Trägerstellen vorprogrammiert. Eine Entlastung der Schuldnerberater verspricht sich der Landkreis vielmehr dadurch, dass Verwaltungskräfte bestimmte Tätigkeiten übernehmen. Zudem sollen die Beratungsstellen künftig von Volunteers profitieren. Aktuell haben sich vier Ehrenamtliche bereiterklärt, Projekte zu begleiten. "Natürlich ist die Frage, wer hebt den Schatz", räumte Krug ein. Wer die Volunteers anleite, fehle zwangsläufig vorübergehend in der Beratung. Dennoch geht der Sozialdezernent davon aus, dass sich die Volunteers in ein bis zwei Jahren "bezahlt" machen. Auch Landrat Heinz Eininger brach eine Lanze für den Einsatz bürgerschaftlich Engagierter. Die vergangenen zwölf Jahre hätten gezeigt, dass sie auch in komplexen Bereichen erstklassige Arbeit leisten könnten. Im übrigen müsse sich der Landkreis mit seinem Personalschlüssel gegenüber anderen Kreisen nicht verstecken.

"Die Schuldnerberatung des Landkreises kann sich sehen lassen", so die Ansicht von Reinhold Rauscher (CDU). Und auch Frank Buß (Freie Wähler) sah den Landkreis gut aufgestellt. Dagegen meinte Solveig Hummel (SPD): "Es ist legitim, sich zu vergleichen, wir müssen aber sehen, dass die Leute bei uns gut leben können."

Wie der Bericht der Verwaltung zeigt, geht es den Beratungsstellen neben der Entschuldung auch darum, einer erneuten Anhäufung von Schulden vorzubeugen. Häufig sind die Schuldnerberatungsstellen mehrere Jahre mit einem Fall befasst, denn auch während des Insolvenzverfahrens suchen die Klienten in verschiedenen Situationen Hilfe. Im Vordergrund steht, nicht nur die finanziellen, sondern auch die sozialen Verhältnisse zu verbessern. Der Erfolg gibt diesem ganzheitlichen Ansatz recht: Denn 95 Prozent der eingereichten Fälle durchlaufen das Verfahren nach Einschätzung des Insolvenzgerichts ohne Neuverschuldung und ohne nennenswerte Probleme. Im Gegensatz dazu scheitern weitaus mehr Fälle, die von gewerblichen Schuldnerberatungen und einigen Rechtsanwälten eingereicht wurden. Die Neuverschuldung liegt bei diesen Fällen, die meist ohne psychosoziale Beratung und rein formal ablaufen, zum Teil bei 50 Prozent.