Lokales

„In Sack und Farbe“

Gabi Finkbeiner stellt in St. Lukas in Jesingen aus

Kirchheim. Die katholische Teilgemeinde Jesingen hat ihre Räume im Gemeindezentrum St. Lukas für die Ausstellung „In Sack und Farbe“ geöffnet. Die Künstlerin Gabi Finkbeiner lebt seit 1981 in Jesingen, ist aber bis dato am Ort kaum in Erscheinung getreten. Dabei hat sie in den vergangenen Jahren von Ausstellungen über Kinderkunsttage und Kunstwochen andernorts immer wieder auch plastische Spuren hinterlassen.

In der Katakombe in St. Lukas gibt Gabi Finkbeiner nun Einblicke in ihre Arbeitsweise. Sie arbeitet kurzerhand „mit allem, was ihr über den Weg kommt“. Oft sind es naheliegende Alltagsgegenstände aus der direkten häuslichen Umgebung, die sie aufnimmt, veredelt und präsentiert. Bei der Ausstellungseröffnung assoziierte Fritz Nonnenmacher, Mitglied des Ortsausschusses und kunstkundiger Motor der Ausstellungen in St. Lukas, den Titel „In Sack und Farbe“ mit den „alten Säcken“ der Überlieferungsgeschichten, die der Bußfertigkeit und öffentlichen Reue dienten.

Gabi Finkbeiner will der Geschichte dieser Säcke Raum geben: „Solche Originale kann man nicht missbrauchen, sie verdienen, ausgestellt zu werden.“ Dieser Spur folgend fand die Künstlerin weitere hochinteressante Sack-Gewebe. Da sind zwei, die wie die Gebotstafeln nebeneinanderhängen. Es sind die beiden aufgespannten Innenseiten eines Sacks, der nachweislich schon 1901 im Gebrauch war. Er gehörte der Jesinger Zimmermannsfamilie Josef Attinger. Er ist ein zeitgeschichtliches Dokument und verbindet über Generationen heute noch mit den Besitzern. Während dieser Sack Jesingen nie verlassen und multifunktional gedient hat, sind andere im Raum, die als Kaffeesäcke schon Erfahrungen als Globetrotter gesammelt haben.

Hier hat jeder Sack seinen Charakter und die Künstlerin „bringt ihn“ so, hebt ihn vielleicht etwas hervor oder betont seine eigenartige „Persönlichkeit“. Echte Säcke sind mit ihrer Webart, ihren Verletzungen und ihrem langen Leben auch sperrige Originale, die zum Weiterdenken Anstoß geben. So werden die Sackgewebe zu Botschaftern aus einer anderen Zeit. Sie sind Zeugen einer möglichen Gemeinschaftsfähigkeit, die generationenüberdauernd ist. Sie stellen allerdings auch die Schnelllebigkeit infrage und sagen: Originale und haltbare Gewebe leben von der bescheidenen, soliden, sachlich tragfähigen Einzelmasche.

Die Ausstellung ist noch bis 22. Mai samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Unabhängig davon können Besuche über das Pfarramt Maria Königin, Telefon 0 70 21/5 55 88, vereinbart werden. pm

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