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Infos zum Weinbau im Täle

Die Arbeit im Wengert stellte der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen bei seinem diesjährigen Kreistreffen am Samstag in den Mittelpunkt. Bei einem äußerst informativen Rundgang durch den Neuffener Wengert interessierten sich die knapp 150 fachkundigen Teilnehmer für den Weinbau im Schatten des Hohenneuffens.

NICOLE MOHN

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NEUFFEN Thema waren auch die Probleme, die Witterungseskapaden Winzern und Obstbauern in diesem Jahr bereits bereitet haben. "Haben Sie heute morgenschon Ihre Blumen gegossen?"fragte der Fachberater für Obst- und Gartenbau des Landratsamtes, Albrecht Schützinger, die Gäste. Gartenfreunde jedenfalls tun gut daran, zurzeit ihre Pflanzen regelmäßig zu wässern.

Das Wetter, so der Fachmann, bestimme wie kaum ein anderes Element die Arbeit der Obst- und Gartenbauer. Gerade das Wetter in diesem Jahr habe dies sehr deutlich gemacht. Ein Winter mit viel Schnee, der späte Start in die Vegetation und extreme Witterungswechsel setzten vor allem den Obstbauern zu.

Vor allem bei den Kirschen hat es einen Einbruch gegeben: Im Neuffener Tal war die Ernte gleich null, berichtete Otto Muckenfuss, der die Führung durch den Wengert übernommen hatte. Die Früchte, die den Regen überstanden, waren von Schädlingem angenagt: In manchen Kirschen saßen gleich zwei Würmer, so die Erfahrung des Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Neuffen.

Für Albrecht Schützinger sind diese Auswirkungen der Wettereskapaden einmal mehr Beispiel dafür, dass eine gute Pflege der Bäume für einen guten Ertrag unerlässlich ist. Nur ein starker, gepflegter Bestand ist in der Lage, solchem Witterungsbefall Stand zu halten, gab er zu bedenken. Werde eine Streuobstwiese nur extensiv gepflegt, müssen die Bäume von der Substanz leben und sind nicht in der Lage, solche Ereignisse auszuhalten.

Im Mittelpunkt der Führungstanden aber die Finessen des Weinbaus, einer der ältesten Kulturen der Menschheit. Er hat auch im Neuffener Täle seit Jahrhunderten Tradition: Im Mittelalter war er für die hiesigen Menschen lebensnotwendig, berichtete der Chef des Neuffener Obst- und Gartenbauvereins selbst Weinbauer. Bis in die Karolinger Zeit reichen die Wurzeln des Weinanbaus in Neuffen zurück. Dass dieser auch heute noch an den Hängen des Hohenneuffens betrieben wird, sei einem Großteil der Flurbereinigung und damit der guten Anfahrbarkeit und Bewirtschaftungsmöglichkeiten der Weinberge zu verdanken, so lautet die Überzeugung von Otto Muckenfuss.

Auch der Zusammenschluss in der Genossenschaft trug zum Erhalt der Tradition bei. 1947 wurde erstmals gemeinsam ein Jahrgang eingelagert, ein Jahr später die Genossenschaft gegründet. Eine sorgfältige Selektion und Auswahl der Reben sorgte dafür, dass inzwischen wieder gute Weine von stabiler Qualität erzeugt werden. Traditionsreiche Sorten wie Kerner, Silvaner und Müller-Thurgau gedeihen hier ebenso gut wie verschiedene Rotweinsorten.

Seit einigen Jahren produzieren die Winzer vom Neuffener Tal im

Hervorragender RieslingÜbrigen auch einen hervorragenden Riesling. Das machten allerdings erst die steigenden Temperaturen und veränderten Witterungsbedingungen möglich. "Mittlerweile erziele ich hier die selben oder gar höhere Öchslegrade wie beim Silvaner", berichtete Otto Muckenfuss.

Schlechtwetter wie Hagel bereitet aber auch den Winzern Probleme. Der schlägt die Früchte kaputt und legt damit nicht selten den Grundstock für eine Erkrankung der Trauben. Die beschädigten Früchte faulen und stecken die anderen an, berichtete der Neuffener Weinbauer. Oft helfe dann nur der Griff zum Spritzmittel.

Im Anschluss an die Führung hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich bei einer Hocketse die Erzeugnisse des Neuffener Weinberges selbst

Erfahrungsaustauschmunden zu lassen. In gemütlicher Runde ergab sich das Gespräch unter Fachleuten und ein munterer Erfahrungsaustausch. Der Vorsitzende des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen Ulrich Rieker bedankte sich bei den Mitgliedern des Neuffener Obst- und Gartenbauvereins für die Bewirtung und vor allem auch für die Möglichkeit, sich derart fachkundig über den Weinbau im Täle zu informieren.