Lokales

Initiative befürchtet mehr Motorflugverkehr

Anrainergemeinden sollen rechtlich gegen Nutzerausweitung vorgehen

Das Regierungspräsidium Stuttgart als Genehmigungsbehörde ist nach Ansicht der Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide erheblich über den ursprünglichen Antrag des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes (BWLV) hinaus gegangen und hat die bisherige Nutzung wesentlich erweitert.

Anzeige

Kirchheim. „Die derzeit ausliegenden Genehmigungsunterlagen für den Sonderlandeplatz Hahnweide bestätigen die Befürchtungen all jener Bürger, die eine Ausweitung des Motorflugverkehrs auf der Hahnweide vorausgesagt haben“, teilt die Interessengemeinschaft in einer Presseerklärung mit. Obwohl in der Vergangenheit nur namentlich genannte Nutzergruppen den Platz anfliegen durften und im Antrag des BWLV der Status quo von 2005 beschworen wurde, nehme die Genehmigungsbehörde keine Beschränkung des Nutzerkreises vor. „Ganz im Gegenteil werden nun auf der Hahnweide zusätzliche Flugzeugtypen zugelassen. Zukünftig dürfen auch PPR-Flugzeuge die Hahnweide nutzen. PPR steht für die Anfrage eines auswärtigen Flugzeuges, das den Platz anfliegen möchte.“ Die Nutzung des Platzes stehe somit auch Fliegern von auswärts offen. „Die PPR-Flugzeuge sind in der Genehmigung weder nach Typ oder Gewichtsklasse noch bezüglich der Lärmentwicklung näher definiert und waren im übrigen auch nicht Bestandteil des BWLV-Antrags.“

Zusätzlich werden als berechtigte Flugzeugtypen Luftfahrzeuge für Rettungswesen, Katastrophenschutz, Polizei, Bundespolizei und der Feuerwehr aufgenommen. Dies wertet die Interessengemeinschaft als eine Ausweitung der Genehmigung auf Hubschrauber. „Diese Flugzeugtypen wurden im Lärmgutachten, das dem Antrag und der Genehmigung zu Grunde liegt, nicht berücksichtigt. Übungsflüge von Hubschraubern haben aber ganz andere Schallqualitäten als die im Schallgutachten berechneten Motorsegler, UL-Flugzeuge und Flächenflugzeuge bis zwei Tonnen.“

Die Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide fragt sich, was die Stadt Kirchheim unternehmen wird, um diese Ausweitung über den von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker seit Ende 2006 unermüdlich versprochenen Status Quo von 2005 hinaus zu verhindern. Einzig die Beschränkung auf jährlich 15 000 Starts motorgetriebener Flugzeuge ist von allen Zusicherungen des BWLV und der Stadt Kirchheim übrig geblieben. Weitere Bestimmungen, die einen gewissen Interessenausgleich zwischen den Fliegern und den vom Lärm betroffenen Anrainern hergestellt hätten, sucht die Interessengemeinschaft in der Genehmigung vergebens. „Die in der Genehmigung enthaltene Einschränkung von Flugzeiten für propellergetriebene Luftfahrzeuge und Motorsegler, die nicht den erhöhten Schallschutzanforderungen entsprechen, ist nur die Umsetzung dessen, was die Landeplatz-Lärmschutzverordnung ohnehin vorschreibt.“

Die IG Fluglärm Hahnweide moniert auch, dass das Regierungspräsidium um den Flugplatz einen beschränkten Bauschutzbereich ausgewiesen hat. „Bauschutzbereiche haben Auswirkungen auf die Planungshoheit, nicht nur bei der Siedlungsplanung, sondern auch auf Grundstücke, die innerhalb des beschränkten Bauschutzbereiches liegen. Innerhalb eines gewissen Umkreises dürfen Bauten nur noch mit Genehmigung der Luftfahrtbehörde erstellt werden.“ Dies sei aus dem Antrag nicht ersichtlich gewesen.

Die Interessengemeinschaft appelliert nun an die Nachbarkommunen Dettingen, Owen und Beuren, die schon im ersten Schritt des Genehmigungsverfahrens einen Rechtsanwalt zu Rate gezogen hatten, gegen die nun mögliche Ausweitung des Motorflugverkehrs mit geeigneten Mitteln vorzugehen. pm